vor 2 Stunden
30:3-Lauf der Pistons
Die Orlando Magic absolvieren in Spiel 2 in Detroit eine Halbzeit lang eine solide Partie, um dann im dritten Viertel komplett auseinanderzubrechen. Wie konnte das Team einen 3:30-Lauf abgeben?

Erinnerungen wurden wach an das letzte Spiel der Regular Season in Boston, als Orlando nach der Pause ein 20:42-Viertel abgab. Diesmal hieß es 38:16 zugunsten der Pistons, durch einen 30:3-Lauf direkt nach dem Wechsel entschied der Top-Seed der Eastern Conference die Partie in wenigen Minuten, nachdem es zur Pause noch 46:46 gestanden hatte.
Bis dahin war es ein gutes Auswärtsspiel, Orlando hätte gut und gerne mit zehn Zählern führen können, da man trotz elf Offensiv-Rebounds nicht ein einziges Field Goal aus zweiten Chancen verwertete. Es hätte ein gutes Polster sein können, stattdessen zerbröselte der Keks in Windeseile.
"Sie haben mehr Druck gemacht, forcierten Ballverluste und wir haben ein paar Würfe am Ring verpasst, sodass sie das Momentum bekommen konnten", analysierte Coach Jamahl Mosley, was allerdings nicht ganz der Wahrheit entsprach. Unstrittig ist, dass Detroit massiv Druck auf die Ballführenden ausübte.
Dies begann schon beim Einwurf an der Grundlinie und setzte sich über das ganze Feld fort. Die Magic kamen nicht in ihre Sets, über Minuten war Orlando nicht ein einziges Mal in der Zone, weil Detroits Verteidiger am Perimeter jeden Ansatz von Drives im Keim erstickten. Die Magic machten es den Pistons dabei auch etwas zu leicht. Im Gegensatz zu Spiel 1 bewegte sich der Ball kaum, sodass viel gedribbelt wurde und spät in der Shotclock geworfen werden musste.
Hier die Übersicht der Offense der Gäste in den 7:26 Minuten, in denen der Run geschah:
3 Punkte, 1/8 FG, 1/6 Dreier, 7 Turnover
Genau zweimal versuchten es die Magic am Ring, beide Male waren die Pistons mit mehreren Verteidigern, dazu kamen gleich vier Steals, die mit einer Ausnahme immer zu Punkten für Detroit führten. Orlando hatte im Halbfeld keine Ideen, um diese Defense zu bespielen und hatte das Problem, dass sie das Spiel nie schnell machen konnten.

Das kann passieren, wenn man stets den Ball aus dem Netz fischen muss, wie es in diesen sieben Minuten der Fall war. Cade Cunningham (27 Punkte, 11 Assists) kontrollierte in dieser Phase jede Facette des Spiels, scorte erst selbst fünf schnelle Punkte und legte in der Folge fünfmal für Teamkollegen auf.
Orlando bekam einfach keinen Zugriff, wirkte durch das schnelle Umschalten der Gastgeber bisweilen unsortiert und die Pistons nutzten dies ein ums andere Mal gnadenlos aus. "Sie haben es defensiv großartig gemacht und immer wieder die Zone zugestellt", meinte Mosley über Detroits Defense, die wie schon in der Regular Season das Fundament für den Erfolg war.
Franz Wagner sah in dieser Phase kaum den Ball und wenn doch, war auch er durch den defensiven Druck abgemeldet. Von der guten Entscheidungsfindung wie in Spiel 1 war kaum etwas zu sehen. Den Magic fehlte eine ordnende Hand, ein Spieler, der selbst Druck generiert und Detroits Defense im Alleingang ins Wanken bringt.
Weder Wagner, noch Paolo Banchero oder der in Spiel 1 überragende Jalen Suggs waren dies. Passiert ist deswegen nicht viel, Orlando muss nun seine Heimspiele gewinnen, dann kann es etwas mit der Überraschung werden. Dafür gilt es nun, die richtigen Lehren zu ziehen. "Wir werden das nicht einfach vergessen und so tun, als ob nichts passiert ist", beteuerte Banchero.
"Wir wissen aber, was auf uns zukommt. Es wird hässlich, umkämpft sein. Wir dürfen nicht einfach die Nerven verlieren und solche Runs zulassen, wie wir es heute getan haben."
Robert Arndt