02.07.2025
Dienstältester Profi wechselt zum Rivalen
Die Indiana Pacers haben nach der ersten Finals-Teilnahme in 25 Jahren in Myles Turner einen ihrer wertvollsten Spieler verloren. Das war unnötig, gleichzeitig aber nicht überraschend, wenn man versteht, wie die Franchise seit Jahrzehnten operiert.

Manche Dinge sind in der NBA nur mit Hintergrundwissen zu verstehen, der Abgang von Myles Turner von den Indiana Pacers ist ein Paradebeispiel dafür. Der Spieler wollte bleiben, erst recht, nachdem Indy zum ersten Mal seit 25 Jahren die Finals erreichte und auch von der Franchise war zu hören, dass man den dienstältesten Spieler im Team halten wolle.
Passiert ist das nicht, stattdessen geht Turner (ausgerechnet) zum Divisions-Rivalen nach Milwaukee. Jene Bucks, die Indiana in den vergangenen beiden Jahren in den Playoffs jeweils schlug. 107 Millionen für vier Jahre soll der Center dort bekommen, was ein fairer Deal ist. Dazu kommt, dass Turner jahrelang immer wieder in Trade-Gerüchte verwickelt war, trotzdem immer loyal gegenüber dem Team war. Nun scheint es, als habe die Franchise den Bogen überspannt.

Doch warum wollte Indiana nicht zahlen, schließlich war dies doch ein funktionierendes Team, in dem Turner eine wichtige Rolle einnahm? Der Fisch stinkt hier vom Kopf, nicht umsonst heißt es gerne, dass der Eigentümer der größte Vorteil einer Franchise ist. Bei den Pacers ist dies Herb Simon, Besitzer der Franchise seit 1983. Keiner hat so lange wie er durchgehalten, er ist ein Owner vom alten Schlag.
Die Denkweise in Indiana war stets, dass das Team gut genug sein solle, um zumindest die Playoffs zu erreichen. Während vor allem neuere Besitzer schnellen Erfolg wollen und sich dies kosten lassen, operiert Simon anders - und zwar wie ein rationaler Geschäftsmann.
Warum extra zahlen, wenn Indiana in der kommenden Saison vermutlich komplett auf All-Star Tyrese Haliburton verzichten muss? Mit dieser Sichtweise ist es nachvollziehbar, langfristig aber nicht. Turner ist ein Center, der gut den Ring beschützen und in der Theorie Dreier verwerten kann. In der heutigen NBA ist das sehr wertvoll, nur eine Handvoll Spieler kann dies so gut wie der 29-Jährige.
Vergleicht man dann die Verträge, welche andere Center bekommen haben, dann haben die Bucks nicht überbezahlt. Dass Indiana angeblich nur drei Jahre und 60 Millionen Dollar bot, macht es nicht besser. Selbst wenn das nicht stimmt: Indiana konnte mit Turner seit Spiel 7 der Finals verhandeln, den Center angemessen bezahlen und es wäre nichts passiert - außer eine kleinere Luxussteuerrechnung.
Und selbst das wäre noch später zu vermeiden gewesen, da erst am Ende einer Saison abgerechnet wird. Heißt: Man hätte einen weniger wichtigen Rotationsspieler traden können, um wieder unter die Luxussteuergrenze zu rutschen, wenn dies gewünscht gewesen wäre. So weit kam aber es aber gar nicht, stattdessen stehen die Pacers nun vor einem Problem.
Sie werden 2025/26 kein Contender sein, so viel ist klar (sie wären es auch mit Turner nicht gewesen). Ein Center lässt sich auch finden, doch wohl niemand wird so gut an die Seite von Pascal Siakam passen wie der abgegebene Turner. Das beeinträchtigt die Chancen für weitere Jahre massiv und bestätigt einmal mehr das Bild des konservativen Simon.

Auch das Argument, dass der neue Kollektivvertrag (CBA) dies verursacht habe, zieht nicht. Indiana hätte Luxussteuer zahlen müssen, aber auch nicht in dem Umfang wie die Super-Spender wie Phoenix, Minnesota oder Boston in der Vorsaison. Der gefürchtete "Second Apron" wäre weit weg gewesen, die Zahlungen sehr milde ausgefallen.
Letztlich ist das aber die Entscheidung des Besitzers, er gibt die Richtung der Franchise vor und diese Tage haben gezeigt, dass sich Simon mit seinem "small market team" sehr wohl fühlt. Sportlicher Erfolg ja, aber eben nach seinen Vorstellungen. Übrigens: Der 91-Jährige ist rund fünf Milliarden Dollar schwer.
Robert Arndt