10.04.2026
Mögliche Kandidaten für die BBL
Andreas Obst, Kevin Yebo, Spencer Reaves, Till Pape, Jack Kayil, Christian Sengfelder - hierbei handelt es sich nicht nur um eine Auflistung der sechs besten deutschen Punktesammler der BBL, sondern auch um Spieler, deren Karrieren einst in der 2. Basketball-Bundesliga ProA begannen. Wer könnte folgen?

In Zeiten, in denen junge deutsche Talente an Colleges strömen, gilt es für BBL-Klubs mehr denn je, den Blick gen ProA zu richten. Deshalb werden an dieser Stelle einige der heißesten BBL-Kandidaten aus der ProA vorgestellt.
Vor drei Jahren wechselte Lenny Liedtke aus der berüchtigten Ulmer Talentschmiede nach Bayreuth. Seitdem etabliert sich der 22-Jährige Jahr für Jahr und steigerte seinen Schnitt zur Vorsaison von sieben auf zwölf Punkte. Der einstige Itzehoer verkörpert einen modernen Flügelspieler mit Wurf und Drive.
Seine 11,8 Punkte erzielt der deutsche U22-Topscorer der ProA mit herausragenden Quoten (61 Prozent Zweier, 40 Prozent Dreier). Neben einem versierten Spiel gegen die Close-outs besticht Liedtke mit einem Auge für Cuts und Offensiv-Rebounds. Darüber hinaus bringt er einen starken Motor mit, pusht regelmäßig sich und Mitspieler. Schwächen hat der einstige U18-Nationalspieler im körperlichen Bereich. Für einen Vierer ist er mit zwei Metern eher klein. Für die Drei wäre er nicht besonders schnell. Dennoch sollten BBL-Klubs ein Auge auf ihn werfen, falls er mit seinen 22 Jahren nicht auch noch den Blick Richtung College wirft. Zudem verlängerte Liedtke in Bayreuth im April 2025 seinen Vertrag bis 2027. Daher bleibt abzuwarten, ob die BBL bereits in diesem Sommer eine Option ist.

Erst mit rund 23 Jahren fand Jannis von Seckendorff den Weg in die ProA. Zuvor lief er ausschließlich in seiner Kölner Heimat in der dritten Liga auf. Mit rund elf Punkten und vier Rebounds pro Partie legt der athletische Power-Forward in Bremerhaven nun sogar ähnliche Zahlen wie in der ProB auf.
Laut Datendienst Synergy kommt er in dieser ProA-Spielzeit mit nur 2,04 Meter auf die zweitmeisten Dunks (1,7). Der 23-Jährige bewegt sich ohne Ball geschickt in Lücken und rollt sich als Blocksteller schnell ab. Generell scheut der ProA-Neuling nie vor Kontakt und attackiert kompromisslos den Korb. Defensiv ist der Athlet mit seiner geschätzt recht hohen Armspannweite in der Lage, viel Raum abzudecken, wenngleich er sich in der Close-out-Verteidigung steigern könnte. Insgesamt agiert er mit viel Einsatz.
Das größte Fragezeichen besteht in von Seckendorffs Wurf. In dieser Saison trifft er zwar effiziente 36 Prozent seiner Dreier, nimmt aber nur 1,1 pro Spiel. Über seine Karriere stehen für ihn laut Statistikportal RealGM nur 25 Prozent Dreier- und 59 Prozent Freiwurfquote zu Buche. Über seine Cuts und soliden Ansätze im Drive gegen die Close-outs kann er in der ProA häufig kompensieren, dass Verteidigungen gern von ihm weghelfen. Zudem spielt er neben Stretch-Big-Man Jordan Samare oft wie ein Center.
Der ProA-Senkrechtstarter ist aktuell aber anders als Liedtke aber kein klassischer Stretch-Vierer, der in jedes herkömmliche Spacing-Konzept passt. Dennoch bringt von Seckendorff mit seiner starken Athletik, dem Motor und dem positiven Entwicklungspfeil viele spannende Attribute für die BBL mit.
Schon mit 18 Jahren spielte Julius Böhmer für Würzburg in der BBL. Dann warfen ihn eine Schambeinentzündung und ein Kreuzbandriss zurück. Für Aufstiegskandidat Göttingen spielt er nach fast zwei Jahren Pause erstmals als Profi eine große Rolle und überzeugt mit Vielseitigkeit (10,6 Punkte, 2,3 Assists).
Der 1,93 Meter große Guard weist eine ausgewogene Balance aus Dreier- (3,8) und Zweierversuchen (4,1) auf. Allen voran seine für einen Guard überragende Zweierquote von 60 Prozent überzeugt, doch auch den Dreier trifft der 76-malige BBL-Spieler mit 36 Prozent effizient. Der 24-Jährige scheut auch nach seinem Kreuzbandriss bei seinen Drives mit seinem schnellen ersten Schritt nicht vor Kontakt. In der BBL müsste Böhmer, der in Göttingen einen Vertrag bis 2027 mit einer Ausstiegsoption verfügt, noch beweisen, dass er bei aller Vielseitigkeit eine überdurchschnittliche Stärke etablieren kann.

Der Reutlinger General-Anzeiger berichtete Ende Oktober 2025 über ein angebliches Interesse von Chemnitz an Melkisedek 'Melki' Moreaux, den Tübingen aber demnach nicht abgeben wollte. Der 29-Jährige könnte daher in diesem Sommer für die BBL attraktiv werden. In seinen letzten drei ProA-Saisons gehörte der gebürtige Hamburger, der Teile seiner Jugend in England verbrachte, zu den produktiveren deutschen ProA-Spielern. Für noch leicht abstiegsbedrohte Tübinger legt er 2025/2026 rund elf Punkte und sechs Rebounds auf. Seine Stärken liegen in der Aktivität und Schnelligkeit mit 1,98 Metern. Ein Fragezeichen besteht bei ihm allerdings in seiner Positionszugehörigkeit. Er spielt etwas wie ein Center, ist dafür aber sehr klein. Für einen Flügelspieler nimmt er kaum Dreier (0,4 Versuche).
Im Sommer 2025 stieg Hendrik Drescher eigentlich mit Trier in die BBL auf. Für ihn persönlich ging es jedoch in der ProA weiter. Nachdem das Berliner Eigengewächs für Trier eine eher kleine Rolle spielte, ist er in Göttingen wie Teamkollege Böhmer eine wichtige Stütze (9,3 Punkte, 5,1 Rebounds). In jungen Jahren wurde Drescher eine BBL-Chance wegen zwei Kreuzbandrissen verwehrt. Seit Jahren bleibt er aber nun schon von schwereren Verletzungen verschont. Sein Skillset mit dem Post-up-Spiel und dem Wurf entspricht etwas dem Profil von Christian Sengfelder und Till Pape. Athletisch hat er Limitationen.
Als junger Spieler reicherte Tyreese Blunt schon für drei verschiedene BBL-Klubs (Ludwigsburg, Bamberg, Bonn) als Doppellizenzspieler 15 BBL-Partien an. Für Aufstiegsanwärter Crailsheim spielt er in David McCrays aggressivem und temporeichem Spielstil seit zwei Jahren eine wichtige Rolle als '3-and-D'-Spezialist. Wenngleich sein Wurf schwankt (34 Prozent Dreier bei enormen 6,6 Versuchen), kann er an manchen Tagen heißlaufen. Defensiv übt er viel Druck am Ball aus. Wenngleich Konstanz in kleinerer Rolle ein größeres Fragezeichen darstellt, könnte er BBL-Teams mit ähnlicher Spielanlage helfen - eventuell gar Crailsheim oder vielleicht weiter David McCray, der in Ludwigsburg künftig Sportdirektor ist.

Mit 25 Siegen aus 30 Spielen sowie einer astronomischen Korbdifferenz von 13,2 Punkten pro Spiel thront Hagen aktuell über dem Rest der Liga. Dies liegt auch an der starken deutsche Achse um Deutsch-Amerikaner Devin Schmidt (15,7 Punkte, 42 Prozent Dreier) sowie die Gießener Eigengewächse Bjarne Kraushaar (8,1 Punkte, 6,5 Assists) und Tim Uhlemann (10,5 Punkte, 42 Prozent Dreierquote). Selbst wenn Hagen wider erwarten nicht aufsteigt, dürften alle drei BBL-Kandidaten sein. Schmidt ist ein 31-jähriger schlitzohriger Scorer mit stabilem Wurf und kreativem Ballhandling. Er ist erst seit einigen Monaten Deutscher. Kraushaar kann bereits auf 106 BBL-Spiele zurückblicken. In vier ProA-Saisons etablierte er sich zu einem sehr stabilen Aufbauspieler mit Leaderqualitäten, wenngleich ihm im eigenen Abschluss weiterhin die klaren Stärken fehlen. Uhlemann wiederum ist ein Stretch-Big-Man und solider Defensiv-Rebounder. Ähnlich wie Schmidt fehlt es ihm defensiv etwas an Mobilität.
Mit stabilen ProA-Saisons überzeugen auch die Routiniers Mathis Mönninghoff (Göttingen) und seit Jahren Niklas Geske (Bochum), bei denen aber nicht bekannt ist, ob sie ihre langjährigen Klubs für ein erneutes BBL-Abenteuer verlassen würden. Nürnbergs Tom Stoiber (7,3 Punkte) ist vielleicht der stärkste ProA-Youngster. Bei ihm bleibt abzuwarten, ob das College früher oder später zur Option wird.
Lorenz Brenneke spielt in Bremerhaven nach schwierigem Saisonstart in Frankfurt eine gute Rolle. Kirchheims Energizer Lucas Mayer (11,6 Punkte, 4,8 Rebounds als Guard) könnte Teams vielleicht in kleinerer Rolle helfen. Dies gilt umso mehr für Quakenbrücks '3-and-D'-Spezialisten Timo Lanmüller, der unter anderem mit Brenneke in Frankfurt schon BBL-Luft schnupperte.
Bayreuths aktuell erkrankter Nat Diallo könnte sich als verlässlicher Brettcenter auch eine erneute BBL-Chance verdienen. Karlsruhes Kilian Binapfl, der einst mit Drescher das Albert-Schweitzer-Turnier gewann, spielt nach einem schwierigen Jahr wieder eine produktive Saison (11,8 Punkte, 4,4 Rebounds, nur 27 Prozent Dreier), muss aber vielleicht weiter seine Rollenspieler-Qualitäten für die BBL beweisen.
Lukas Feldhaus