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    WNBA

    vor 10 Stunden

    Hall of Famer über Entwicklungen im Frauen-Basketball

    "Davon profitiert der deutsche Basketball": WNBA-Legende Bird im Interview

    Sue Bird gehört zu den größten Basketballerinnen aller Zeiten. Fünf Olympiasiege, vier WNBA-Titel, vierfache Weltmeisterin, dazu nun die Aufnahme in die FIBA Hall of Fame in Berlin. In einer Medienrunde, an der auch basketball-world.news teilnahm, sprach die 45-Jährige über ihre Karriere, den Boom des Frauen-Basketballs, die neue Generation von Spielerinnen - und warum sie selbst lieber 'Robin' als 'Batman' war.

    Sue Bird wurde im April in Berlin in die Hall of Fame aufgenommen.
    Sue Bird wurde im April in Berlin in die Hall of Fame aufgenommen. IMAGO/NurPhoto

    Mrs. Bird, wenn man Ihre Karriere beschreiben müsste, würden wahrscheinlich Begriffe wie Führungsstärke, Selbstlosigkeit oder Teamgeist fallen. Wie sehen Sie das?

    Sue Bird: Ich glaube, wer ich bin und wie ich spiele, war schon immer ein Teil von mir. Ich habe nie bei mir gedacht: 'Ich will jetzt selbstlos spielen.‘ Das kam ganz natürlich. Und das Schöne am Basketball war für mich, dass diese Art belohnt wurde. Ich habe irgendwann verstanden: Die beste Version von mir selbst kommt dann zum Vorschein, wenn ich meinen Mitspielerinnen helfe, ihr Level zu heben. Wenn das Team besser spielt, spiele auch ich besser. Ich mache immer den Witz, dass ich eher Robin als Batman war. Viele wollen unbedingt Batman sein - arbeiten hart, um die Beste zu werden. Natürlich wollte ich auch die beste Version von mir sein. Aber je selbstloser ich war, desto mehr wurde ich dafür belohnt. Irgendwann fühlte sich diese Selbstlosigkeit fast egoistisch an.

    Die WNBA steht mit dem neuen Tarifvertrag vor einer neuen Ära. Wie wichtig ist dieser Schritt?

    Bird: Transformativ - dieses Wort benutzen gerade alle, und das trifft es ziemlich gut. Die Spielerinnen wussten schon beim letzten Tarifvertrag, dass 2026 entscheidend werden würde. Deshalb haben viele ihre Verträge so gelegt, dass sie dann neu verhandeln können. Sie haben den Moment perfekt genutzt. Natürlich reden jetzt alle über das Geld, weil der Sprung verrückt ist. Das Maximalgehalt steigt von 250.000 Dollar auf über 1,4 Millionen. Aber es geht auch um bessere Bedingungen beim Training und im Alltag. Und dieser Vertrag legt wiederum die Grundlage dafür, dass der nächste CBA noch erfolgreicher wird. Ich habe jahrelang in der WNBA-Pause in Russland gespielt, aufgrund der finanziellen Möglichkeiten. Jetzt entstehen diese Möglichkeiten erstmals in der WNBA selbst. Das wird vieles verändern. Nicht nur in der Liga, sondern weltweit. Es wird beeinflussen, wie Spielerinnen ihre Karriere planen und welche Entscheidungen sie treffen.

    Sue Bird: Ihre Stats in der WNBA

    SpieleMINPTSFG%3P%AST
    58031,211,742,939,25,6

    Bird: Die heutige Generation zeigt Persönlichkeit

    Was macht die neue Generation von Spielerinnen aus?

    Bird: Wenn man Dinge richtig macht, hat es die nächste Generation immer ein bisschen leichter. Genau das sehen wir gerade. Die jungen Spielerinnen haben Erwartungen, an die wir früher nie gedacht hätten. Sie treten viel selbstbewusster auf und sprechen Sachen offen an. Dazu kommt der NIL-Deal im College - sie denken schon sehr früh über ihre Marke, über Sponsoren und Business-Entscheidungen nach. Das gab es früher so nicht. Gleichzeitig wachsen sie in einer Zeit auf, in der sie dafür gefeiert werden, Persönlichkeit zu zeigen. Deshalb sieht man mehr davon. Als ich 21 war, hatte man eher Angst, zu viel von sich preiszugeben, um nichts zu vermasseln. Heute wird genau das belohnt.

    Sie haben einmal gesagt, dass Sport Ihren Charakter geformt hat. Warum?

    Bird: Der wichtigste Grund: Weil du im Sport permanent mit Rückschlägen konfrontiert wirst. Jeden Tag. Du verwirfst Würfe, verlierst Drills, hast schlechte Spiele oder schlechte Trainings. Und ständig musst du entscheiden: Wie gehe ich jetzt damit um? Das ist wahrscheinlich der größte Charaktertest überhaupt. Auch Verletzungen gehören dazu. Mit der Zeit merkt man dadurch, wer man eigentlich ist.

    Sue Bird wurde in die Hall of Fame der FIBA aufgenommen.
    Sue Bird wurde in die Hall of Fame der FIBA aufgenommen. IMAGO/NurPhoto

    Viele Sportlerinnen und Sportler tun sich nach der Karriere schwer. Wie war das bei Ihnen?

    Bird: Vielleicht war ich zu bereit. (lacht) Ich wusste immer: Ich will nicht ohne Plan dastehen. Ich habe früher aufgehört, in Europa zu spielen, und hatte dadurch im Winter Zeit, Dinge auszuprobieren - Broadcasting, Medien oder die Arbeit im Front Office der Denver Nuggets. TOGETHXR lief damals schon, das war auch hilfreich. (Anm. d. Red.: TOGETHXR ist eine von Sue Bird mitgegründete Medienplattform für Frauensport und gesellschaftliche Themen.) Als ich aufgehört habe, hatte ich deshalb schon eine Vorstellung. Natürlich wollte ich erstmal ein paar Monate meine Ruhe haben. Langsam aber sicher kam ich dann wieder zurück. Inzwischen habe ich eher das Gefühl, dass ich zu viele Jobs habe.

    Sue Bird: Ihre Erfolge

    AuszeichnungJahr
    WNBA Champion (4x) 2004, 2010, 2018, 2020
    WNBA All-Star (13x)2002, 2003, 2005-2007, 2009, 2011, 2014, 2015, 2017, 2018, 2021, 2022
    WNBA First Team (5x)2002-2005, 2016
    WNBA Second Team (3x)2008, 2010, 2011
    Olympia Gold (5x)2004, 2008, 2012, 2016, 2020
    WM-Gold (4x)2002, 2010, 2014, 2018

    Bird: Berlin ist der perfekte Ort

    Im kommenden Jahr findet die Frauen-WM in Berlin statt, Sie sind Managing Director des US-Teams. Was erwarten Sie?

    Bird: Frauen-Basketball hat gerade ein unglaubliches Momentum. Und Berlin ist für mich der perfekte Ort dafür, um das zu feiern. Ich habe gehört, dass der Ticketverkauf bereits richtig gut läuft. Das finde ich spannend, weil Deutschland im Frauen-Basketball keine große Tradition hatte - kein echtes Topteam in Europa und die erste WM-Teilnahme seit 1998. Trotzdem wollen die Menschen dabei sein. Das zeigt, wie sehr Frauen-Basketball gewachsen ist. Bei einer Weltmeisterschaft kommt dazu: Du hast die besten Teams, die besten Spielerinnen und musst performen. In solchen Momenten sieht man oft den besten Basketball.

    Verfolgen Sie den deutschen Basketball?

    Bird: Nicht häufig, aber natürlich bekommt man einiges mit. Ich war in Manila, als die deutschen Männer Weltmeister geworden sind - das war großartig. Man sieht auf Männer- wie Frauenseite, wie sehr Spielerinnen und Spieler von Erfahrungen in der NBA oder WNBA profitieren. Das beschleunigt die Entwicklung enorm, weil man mit einem anderen Niveau, anderen Spielstilen und einer anderen Intensität konfrontiert wird. Ich habe das selbst erlebt, als ich in Russland gespielt habe. Genau davon profitiert der deutsche Basketball gerade.

    WNBA: Der Spielplan der Saison
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    Interview: Franziska Staupendahl