vor 15 Stunden
Kapitänin übernimmt Schlüsselrolle bei der WM
Als Kapitänin führt Marie Gülich die deutschen Basketballerinnen in die Heim-WM. Angesichts der jüngsten Rückkehr nach eigener Verletzung und dem Ausfall von Satou Sablly ist diese Mission jedoch nicht einfach. Umso wichtiger wird die Rolle der DBB-Spielführerin.

Nach einem langen Weg plagten Marie Gülich Sorgen. "Hält mein Knie? Kann ich meinem Team helfen?", fragte sich die Kapitänin, doch der Kopf war schnell wieder frei. "Sobald ich auf dem Spielfeld war, hat es Klick gemacht", sagt die Basketballerin zu ihrem Comeback im Nationalteam, keine drei Wochen vor der Heim-WM war das. Jetzt ist Gülich "fit wie noch nie", rechtzeitig für das Highlight in Berlin.
Im ersten Vorbereitungsspiel gegen Spanien war Gülich zuletzt zurückgekehrt, nach mehr als 14 Monaten Pause und einer "Achterbahnfahrt". Ein Kreuzbandriss, erlitten Ende Mai 2025 im Nationaltrikot, hatte sie gestoppt, ein Wechsel nach Frankreich war dadurch geplatzt, auch die EM-Teilnahme. Dass die frühere WNBA-Spielerin nun wieder dabei sein kann, ist wichtig.
"Marie ist unser Thermometer, Marie ist unser emotionaler Rückhalt", betont Bundestrainer Olaf Lange in der ZDF-Doku Macherinnen, "wenn wir es brauchen, erhöht sie die Temperatur." Sie nehme "das Kompliment an", sagte die 32-Jährige am vergangenen Samstag angesprochen auf die Aussage im Sportstudio.
Ihre Mission ist nicht einfach, denn die Erwartungshaltung ist groß. Einerseits, weil zu Hause gespielt wird, andererseits, weil der Trend zuletzt stimmte. Bei Olympia in Paris gelang vor zwei Jahren der Viertelfinaleinzug, im Vorjahr gab es EM-Platz fünf. "Das ist das beste Team, das wir je hatten", meint Gülich.
Doch es gibt arge Verletzungssorgen, so fällt etwa Starspielerin Satou Sabally aus. "Das tut mir weh für sie und das tut uns als Team natürlich auch weh", sagt Gülich, "weil sie eine Persönlichkeit ist, die auf dem Spielfeld viel Power hat." Saballys jüngere Schwester Nyara bangt noch um ihren Einsatz, Leonie Fiebich kommt aus einer langen Verletzungspause. Beide sind Schlüsselspielerinnen. Es könnte besser aussehen.
"Niemand geht in so ein Turnier rein und sagt: Ich möchte die Medaille gar nicht", sagt Gülich. Doch dafür müssten eben "so viele Dinge" passen, "wir kontrollieren das, was wir kontrollieren können." Das Podium bleibe dennoch das Ziel, das Team werde "natürlich alles dafür tun, an diesem Punkt anzukommen".

Vor ihrer schweren Verletzung spielte Gülich in Taiwan, nach der WM geht es für sie in Australien beim Meister Townsville Fire weiter. Ab Freitag (17.45 Uhr/ProSieben und MagentaTV), wenn Deutschland zum WM-Auftakt wieder auf Spanien trifft, gilt aber erst einmal die ganze Konzentration der Nationalmannschaft.
Gülich wird viel kommunizieren, das ist ihre Aufgabe, ihre Qualität. "Ich habe einfach ein gutes Gefühl für Menschen", sagt die Centerspielerin selbst, Lange sieht es genauso: "Ihre emotionale Führungsfähigkeit ist das, was sie außerhalb des Basketballs am meisten auszeichnet."
Die Atmosphäre stimmt vor dem Turnier (4. bis 13. September), auch wegen des Thermometers. "Mit diesem Team fühlt man sich nie allein", sagt Gülich. "Das ist wie so eine Sisterhood."
SID, red