06.02.2026
Der Meister schaut zu - und gewinnt?
Giannis Antetokounmpo bleibt vorerst in Milwaukee. Bewegung gab es rund um die Trade-Deadline dennoch. Vor allem die Thunder profitieren gleich mehrfach. Die Clippers reißen ein und gewinnen gleichzeitig eine Perspektive. Genau wie Dennis Schröders neue Heimat. Die Gewinner und Verlierer der Trade-Deadline…

Beim Meister lief es gleich auf mehreren Ebenen. Um Jared McCain aus Philadelphia zu bekommen, mussten die Thunder zwar einen 2026er First-Round-Pick investieren. Einerseits haben sie davon mehr als genug, andererseits kommt er aus Houston, dürfte damit spät in der ersten Runde landen. Dafür bekommt OKC einen Spieler, der nach langer Verletzung zwar unglaublich schwer in die Saison findet, der gleichzeitig in eine schwere Situation kam - VJ Edgecombe ist das, was McCain vergangene Saison war, nur vielseitiger und als besserer Defender -, letztes Jahr aber eben gut 38 Prozent seiner Dreier traf und als Rookie ein versiertes Offensivspiel demonstrierte.
Genau das können die Thunder (trotz Ajay Mitchell) gut gebrauchen. Zumal McCain nicht direkt einschlagen muss. Ab Sommer greifen Chet Holmgrens und Jalen Williams’ Vertragsverlängerungen. Das Team wird deutlich teurer. McCain steht dann noch für zwei Jahre als Rookie unter Vertrag, verdient damit unter Marktwert beziehungsweise ist eine günstige Alternative mit Potenzial, die den Meister absichert, sollte er sich von einem seiner Rollenspieler trennen müssen, um die Gehaltskosten nicht explodieren zu lassen. Mit dem Deal füttert Sam Presti weiter den talentierten, verhältnismäßig günstigen Supporting Cast und hält so das Rad am Laufen.
Dazu kommen die Taten der anderen. Die Clippers dürften durch James Hardens und Ivica Zubac’ Abgänge nicht zwingend besser werden. Weit abrutschen sollte LA angesichts der Tanking-Pläne der bereits schwächer postierten Konkurrenz nicht unbedingt. Die Playoffs verpassen könnten die Clippers aber durchaus. Auch wenn Darius Garland demnächst von seiner Zehenverletzung zurückkehrt. Was das mit OKC zu tun hat? Die Clippers schulden den Thunder einen ungeschützten 2026er Draft Pick. Der könnte nun in der Lottery landen.
Wie der der Jazz - und dürfte Utah irgendwo zwischen 9 und 14 auswählen, übernimmt OKC. Denn auch diesen Pick erhalten die Thunder, sollte er außerhalb der Top 8 landen. Mit Jaren Jackson Jr. wird Utah besser. Womöglich sammeln sich so ein paar Siege an, die die Wahrscheinlichkeit auf einen hohen Pick schmälern. Andererseits…

…kommt es auf ein paar Wochen Tanking mehr oder weniger auch nicht mehr an. Mit Jackson haben die Jazz ihren Hauptpreis. Für die nächsten Jahre. Ab Sommer steht der Big Man für mindestens drei - für das vierte besitzt JJJ eine Spieleroption - unter Vertrag. Utah kann etwas aufbauen und ist deshalb womöglich versucht, Jackson sich erst einmal in Ruhe einleben zu lassen. Gewünscht ist es von der Liga nicht. Was Utah nicht abhalten muss. Zumal sich Keyonte George gerade mit einer Knöchelverletzung herumschlägt.
Und selbst wenn die Jazz ihren Pick verlieren, ist Jacksons Verpflichtung ein absoluter Homerun. Derart begabte Spieler wechseln selten einfach so nach Salt Lake City. Der langfristige Vertrag erlaubt es Utah nun, ein Team über einen längeren Zeitraum zu formen; ein Team, das bereits kommende Saison einen Sprung machen kann. Womöglich mit einem weiteren Top-Talent.
Die Timberwolves brauchten unbedingt einen Guard, der mit dem Ball etwas unternehmen, der in die Zone kommen, das Feld breit machen kann. All das tat Ayo Dosunmu in Chicago. 45 Prozent seiner gut vier Dreier pro Spiel trifft er bislang über die Saison. Dazu attackiert Dosunmu gern den Ring und bringt eine gute Länge mit, die ihm auch defensive Aufgaben erlaubt. Ob von der Bank oder neben Anthony Edwards, Minnesota könnte ein wichtiges Puzzleteil gewonnen haben, das einen tiefen Playoff-Run wahrscheinlicher macht. Natürlich wäre Giannis Antetokounmpo der ganz große Preis gewesen - nur zu welchem Preis? Und wie realistisch war es wirklich?
Das Kapitel Rob Dillingham zu beenden schmerzt angesichts der großen Investition während des 2024er Drafts - die Wolves gaben einen 2030er Top-1-geschützten Pick Swap und einen 2031 First-Round Pick ab, um den Guard früher ziehen zu können -, gleichzeitig gab es schlicht keine Perspektive. Dillingham schaffte es nicht in die Rotation. Dosunmu dürfte das ohne Weiteres gelingen, womit er Aufgaben übernehmen kann, die ein wenig verwaist sind, seit Nickeil Alexander-Walker im Sommer in Atlanta unterschrieb.

Eigentlich sollten die Cavaliers der Spitze im Osten mindestens nah sein. Doch die Saison verlief nicht wie gewollt. Zuletzt funktioniert vieles besser, doch gerade die unsichere Situation um Garlands Gesundheit erschwerte die Suche nach Konstanz. Mit James Harden bekommt Cleveland nun einen, der eigentlich immer gesund ist; dazu einen Ballhandler, der Donovan Mitchell entlasten und womöglich Pick-and-Roll-Synergien mit Jarrett Allen, vielleicht auch mit Evan Mobley erzeugen kann. Natürlich wird es spannend, inwieweit sich Mitchell und Harden gegenseitig maximieren. Auch Mobley, der vergangene Saison auch so gut war, weil er selbst viel mit dem Ball anstellen durfte, muss sich wahrscheinlich anpassen.
Besser, auch weil konstanter, sind die Cavaliers aber durchaus. Zumal sie mit Dennis Schröder und Keon Ellis zwei dazu bekamen, die Lücken schließen. Der Welt- und Europameister dürfte als Playmaker und giftiger Defender von der Bank helfen, der mit Ball die Zone attackieren kann - auch das fehlte Cleveland -, Ellis bringt Defense und Shooting auf den Guard-/Flügelpositionen. Cleveland rückt näher an die Spitze im Osten heran, hat jetzt bessere Chancen auf die Finals und sparte als teuerstes Team der Liga auch noch Geld. Schröder und Ellis (insgesamt rund 16,4 Millionen Dollar) verdienen gemeinsam ein gutes Stück weniger als der dafür nach Sacramento gewechselte De’Andre Hunter (rund 23,3 Millionen). Dass Schröder nun Finals-Ambitionen hat, statt beim schwächsten Team der Liga zu spielen, macht auch ihn zum Gewinner.
Der Umbruch kam etwas überraschend. Vor allem nach den vergangenen Wochen, in denen die Clippers zu den besten Teams der Liga zählten. Da Franchise und Spieler sich nicht auf einen Rahmen für eine mögliche Vertragsverlängerung einigen konnten, ergibt es dennoch durchaus Sinn, Harden abzugeben. Zumal die Clippers mit Garland nun einen noch relativ jungen All-Star mit Perspektive hinzubekommen. Gerade daran mangelte es zuletzt.
Ivica Zubac’ Abgang dürfte kurzfristig ein Stück mehr schmerzen. Gleichzeitig kann sich Benedict Mathurin offensiv durchaus noch mehr Konstanz antrainieren - und vielleicht winkt ein großer Preis. Für eine Franchise, die einen Großteil ihres Draft-Kapitals für den kurzfristigen Erfolg wegtradete, besitzen die beiden First-Round Picks, die Zubac einbrachte, maximalen Wert. Zumal einer im hochtalentierten 2026er Draft zwischen 5 und 9 landen könnte (sonst behalten die Pacers ihr Auswahlrecht).
Grundsätzlich haben die Clippers einen kleinen Ausweg aus ihrer verfahrenen mittelfristigen Lage gefunden, statt komplett perspektivlos durch die Liga irren zu müssen.
Die Pacers nutzen ihr durch Tyrese Haliburtons Achillessehnenriss aufgezwungenes Sabbatical maximal effektiv. Auf dem Parkett läuft es so überschaubar, dass ein absoluter Top-Pick herausspringen könnte. Abseits des Feldes schließen sie mit Zubac die große Lücke, die Myles Turner mit seinem Abgang hinterließ; und das sogar auf beeindruckende Weise. Zubac ist erst 28, zwar kein Sprinter, aber ein smarter Center, der Indianas fließende Offense rund um Haliburton durchaus stimulieren kann. Zumal der Kroate als guter Screener Räume für seinen Point Guard schaffen, danach zum Ring rollen und den Ball entweder reinlegen oder nahtlos weiter passen kann. Auch defensiv sollte Zubac helfen.
Dazu kommt der Gegenwert. Mathurin entwickelte sich nicht wie gewünscht. Vor allem mussten die Pacers ihren womöglich so wertvollen 2026er Pick nicht vollends opfern. Landet er in den Top 4, behalten sie ihn und bekommen ein absolutes Top-Talent. Ab Position 10 bleibt er ebenfalls in Indiana. Geschickt verhandelt. So nutzen die Pacers ihr schwaches Jahr und stellen sich besser auf für die Rückkehr ihres Besten.

Wie groß die Versuchung war, lässt sich schwer einschätzen. An mangelndem Interesse der Konkurrenz dürfte es am Ende nicht gelegen haben. Teams wollten Giannis. Bekommen haben sie ihn - mal wieder - nicht. Die Bucks blieben hart. Das mutet auf den ersten Blick womöglich etwas verbohrt an. Gleichzeitig ergibt es Sinn. Klar hätte Milwaukee das Kapitel schnell beenden können, vielleicht wäre es der Stimmung rund um die Franchise sogar zuträglich gewesen, nur verspricht der Sommer eben bessere Geschäfte.
Ist die Saison erst mal durch, sind andere Teams flexibler, können mehr Draft-Kapital bieten, mehr Spieler aufnehmen. Es dürfte mehr Bieter geben, die den Preis in die Höhe treiben. Da wäre es fast fahrlässig gewesen, den Deal einfach schnellstmöglich durchzubringen. Zumal es dieses unmoralische Angebot, das alles verändert hätte, offenbar nicht gab. Beispielsweise Minnesota wollte Berichten zu Folge auch Jaden McDaniels nicht abgeben. Dass die Bucks selbst keine überhasteten Deals einfädelten, um Giannis doch noch von einem Verbleib zu überzeugen, rundet die Geschichte ab. Fortsetzung folgt dann im Sommer…
Die Kings sind das schwächste Team der Liga. Verändert haben sie dennoch kaum etwas. Schröder und Ellis gingen, alle anderen blieben. Weder Zach LaVine noch DeMar DeRozan, Domantas Sabonis oder Malik Monk zogen offenbar gesteigertes Interesse auf sich. Die Kings haben eine Umgebung geschaffen, die die Schwächen ihrer Spieler in den Vordergrund rückt, während die Stärken verschwimmen. Das bleibt vorerst. Dabei hätte die Franchise einen Neustart so gut gebrauchen können.
Grundsätzlich sind die Rockets immer noch gut. Mit Steven Adams fehlt ihnen ihre Offensiv-Rebounding-Maschine und damit ein entscheidender Teil ihrer Offense allerdings bis Saisonende. Zudem gab es zuletzt einige demotivierende Niederlagen, und die Offense stieß immer wieder an ihre Grenzen. Theoretisch besäßen die Rockets nun diverse Draft-Assets, um einer eigentlich sehr positiven Saison noch ein Stimulans zu verabreichen. Genutzt haben sie sie nicht. Ob sie nicht konnten oder nicht wollten, ist nicht klar. Womöglich gerät Houston in den Playoffs ohne zusätzlich Scorer oder Big Man jedoch in arge Schwierigkeiten. Das wäre vermeidbar gewesen.
Diese Deadline war die Chance für Miami. Mangels Konkurrenz bestanden angeblich durchaus Chancen, Giannis an den South Beach zu holen. Geklappt hat es nicht. Natürlich sind die Heat auch im Sommer nicht komplett chancenlos. Nur ist die Konkurrenz dann größer, und Teams wie die Knicks besitzen mehr Flexibilität, um Milwaukee vielleicht doch von sich zu überzeugen.
Gleichzeitig scheint Miami auch ein wenig gefangen zu sein in der Play-in-Endlosschleife. Mittlerweile sind die Heat auf Rang acht abgerutscht. Ihre Offense erwischt andere Teams nicht mehr auf dem falschen Fuß, der Überraschungseffekt hat sich verabschiedet. Da hätte ein wenig Superstar-Talent durchaus gut getan.

Die Richtung ist nun endgültig klar. Durch Jacksons Trade schalten die Grizzlies vollends in den Rebuild-Modus und haben dafür auch eine angemessen große Pickschatulle. Für die kommenden sieben Drafts haben sie 13 First-Round Picks. Gemeinsam mit Brooklyn und OKC Ligaspitze. Mit Cedric Coward, Zach Edey und Jaylen Wells spielt zudem bereits junges, vielversprechendes Talent in Memphis. Aber eben auch noch Ja Morant.
Das Interesse am Point Guard war am Ende offenbar so gering, dass kein Team ein echtes Angebot machen wollte. Zu unsicher ist die Gesundheitslage, zu erratisch das Verhalten. So wissen die Grizzlies nun wie die mittelfristige Zukunft aussehen soll. Gleichzeitig hieven sie ein Stück ihrer Vergangenheit mit in die neue Zeitrechnung.
Chicago als eines der aktivsten Teams der Deadline. Das gehörte in den vergangenen Jahren nicht zwingend zur Regel. Nur wirkt es ein wenig, als hätten sich die Bulls zwar viel bewegt, aber vor allem seitwärts. Für kleine Guards mit auslaufendem Vertrag holten sie… kleine Guards mit auslaufendem Vertrag. Überspitzt formuliert. Jaden Ivey für geringen Gegenwert zu bekommen, kann sich als Gewinn herausstellen, wenn der Ivey aus der vergangenen Saison zurückkehrt. Dann hätte Chicago einen explosiven Guard mit sicherem Dreier, der gut zu Josh Giddey passen könnte. Als Restricted Free Agent können die Bulls zudem selbst entscheiden, ob Ivey bleibt oder nicht.
Anfernee Simons ist nicht uninteressant, wobei sein Platz im Gesamtkonstrukt nicht ganz klar ist. Der ehemalige Celtic kann hervorragend werfen, aber kaum verteidigen. Dazu ist er für einen Scoring-Guard verhältnismäßig klein (1,91 Meter) und sein Vertrag läuft aus. Die Perspektive erschließt sich noch nicht ganz. Guerschon Yabusele ist eine solide Verpflichtung. Rob Dillingham anzusehen, kann sich lohnen. Nur war eines der großen Probleme des Guards eben auch ein Mangel an Größe und Physis.
Kurzfristig dürfte sich Chicago verschlechtern und damit seine Chancen auf eine gute Draft-Positionen erhöhen. Das anzustreben und damit auch die gefühlt nie enden wollenden Mission "Play-in" abzubrechen, ist positiv. Chicago baut neu auf. Ein guter Plan. Die Idee hinter der Guard-Infusion erschließt sich jedoch nicht ganz.
Was für Utah gilt, gilt so ähnlich auch für die Wizards: Stars unterschreiben selten "freiwillig". Nun wechseln binnen weniger Wochen gleich zwei Hochprofilierte in die Hauptstadt. Dass die Wizards Anthony Davis holen konnten, ohne ihren wahrscheinlich sehr guten 2026er First-Round Pick oder auch nur einen ihre besten jungen Spieler nach Dallas zu schicken, ist ein Erfolg.
Wie gut AD dem Team tut, ist wiederum eine andere Frage. Gemeinsam mit Alex Sarr kann sich ringbeschützendes Defensiv-Duo entwickeln. Mit Davis und Trae Young sollten die Wizards vor allem kommende Saison besser sein - und eine gewisse Gewinnerkultur kann der Entwicklung junger Spieler sehr zuträglich sein.
Bliebe Davis’ Vertrag. Den würde AD gern verlängern, womit die Wizards versucht sein könnten, ihren neuen Big auch ordentlich zu bezahlen. Auch wenn der bald 33 wird und regelmäßig mit Verletzungen zu kämpfen hat. Die Gefahr, sich für einen alternden, selten fitten Star Flexibilität zu nehmen, besteht also durchaus. Entsprechend muss sich erst zeigen, wie Washington die Verhandlungen rund um die Vertragsverlängerung gestalten kann.
Max Marbeiter