12.12.2025
Center spielte über 200-mal für Roter Stern
Am heutigen Freitag ist es wieder soweit. In der EuroLeague treffen Partizan und Roter Stern Belgrad im direkten Duell aufeinander. Es ist das heißeste Derby Europas - und einer erlebte es mehrfach hautnah. Wir haben bei Maik Zirbes nachgefragt.

Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen vor diesem Derby nicht sein. Während Roter Stern nach nur zwei Spielen den Coach wechselte und danach bis in die Spitzengruppe der EuroLeague vorstieß, herrscht bei Partizan noch immer Chaos vor.
Zwar wurden die ersten beiden Spiele nach dem Rücktritt (und sämtlichen Nachwehen) von Zeljko Obradovic gewonnen, doch man wird das Gefühl nicht los, dass die Stimmung jederzeit wieder kippen könnte.
Das Spiel gegen die Bayern war schlichtweg bizarr, als die eigene Mannschaft die komplette erste Halbzeit ausgebuht wurde. Es brodelt weiter bei Partizan, die mit großen Hoffnungen in die Saison gestartet waren und nun wieder ein wenig der Musik hinterherlaufen.
Was könnte da mehr helfen als ein Sieg im ewigen Derby? Ein Spiel, welches inzwischen nicht mehr innerhalb der serbischen Grenzen für Aufsehen sorgt. Einer, der das bestens versteht, ist Ex-Nationalspieler Maik Zirbes. Im Karriereherbst ist der Center im Sommer 2023 zurück in die Heimat zu den VET-CONCEPT Gladiators Trier zurückgekehrt, zuvor stand Zirbes gleich dreimal bei Roter Stern unter Vertrag.
Insgesamt absolvierte der Center 215 Pflichtspiele für "Zvezda", gewann neun Trophäen und wurde 2016 als Finals-MVP der serbischen Liga ausgezeichnet. Noch heute ist der 35-Jährige beliebt in der serbischen Hauptstadt. "Der Respekt wurde mir immer entgegengebracht", sagt Zirbes gegenüber basketball-world.news. "Wenn du in ein Restaurant gehst und der Kellner ist Partizan-Fan, dann sagt er dir, dass du in der falschen Mannschaft spielst, betont aber auch, dass du ein guter Spieler bist."
Mit Zirbes behielten die Rot-Weißen zumeist die Oberhand, erst seit wenigen Jahren hat Partizan nach turbulenten Jahren mit Fast-Insolvenz wieder aufgeschlossen. Deswegen waren die Spiele aber nicht weniger brisant. "Da stehen plötzlich so viele Security rum, aber auch Polizei und sogar das Militär. Da weißt du sofort, dass dieses Spiel nicht normal ist."
Die Emotionen kochen eben gerne mal über, die beiden serbischen Teams müssen regelmäßig wegen Fanvergehen Strafen zahlen, gleichzeitig sonnt sich die EuroLeague in den sozialen Medien gerne mit den stimmungsvollen Bildern aus der Belgrad Arena. "Die Größe der Halle erschlägt dich fast vor lauter Menschen. Das ist einfach nur geisteskrank", meint Zirbes zur Arena, der aber auch schon Derbys in der alten und kleineren Pionir-Halle (Aleksandar-Nikolic-Halle) erlebte, die zu solchen Anlässen aber oft völlig überfüllt war.
Basketball in Serbien ist einfach eine Religion. Selbst der Staat buttert Jahr für Jahr mehrere Millionen Euro in die beiden Topklubs, wirklich stören tut das niemanden. "Ich feiere es, wie leidenschaftlich sie den Sport begleiten", sagt Zirbes, der aber auch weiß, wie schmal der Grat des Fanatismus sein kann.
"Mal wurde ich bespuckt und mit Dingen beschmissen, ansonsten habe ich aber Gott sei Dank keine negativen Erfahrungen gemacht." Vielmehr verfolgt der Center so gut er kann weiter sein Ex-Team. Weniger als zuletzt, da die Familie Zirbes zuletzt Zuwachs bekam, doch das Derby ist einfach ein Pflichttermin.
"Bei dem Spiel lade ich immer die ganze Mannschaft ein und dann schauen wir uns das immer alle zusammen an." Und nicht nur die Trierer schauen zu. Auch Shaquille O’Neal bekundete Anfang des Jahres Interesse, sich dieses Spiel zumindest einmal live vor Ort anzuschauen. Ob es an diesem Freitag so weit ist? Vermutlich nicht, dennoch könnte dies aufgrund der derzeitigen Lage in der EuroLeague beider Teams noch einmal extra viel Zündstoff liefern.
Robert Arndt