vor 8 Stunden
Nuggets lassen auch Watson ziehen
Die Denver Nuggets haben Peyton Watson nicht gehalten. Der Forward wechselt stattdessen zu den Cleveland Cavaliers, weil Denver es sich einfach nicht leisten wollte. Der Preis dafür ist, dass eine weitere Meisterschaft für Nikola Jokic immer unrealistischer wird.

Nun ist es also passiert. Die Denver Nuggets halten Restricted Free Agent Peyton Watson nicht, dieser schließt sich stattdessen für vier Jahre und 88 Millionen Dollar den Cleveland Cavaliers an. Es war ein Preis, den die Nuggets niemals bezahlt hätten, so viel wusste man bereits vor diesem Sommer.
Mit Watson verlieren die Nuggets jedoch ihren jüngsten Rotationsspieler mit dem meisten Potenzial, welches der 23-Jährige vor allem in der Vorsaison andeutete. Neben Aaron Gordon war Watson Denvers bester Verteidiger und gab dem Team die notwendige Athletik und Flexibilität. Als Bonus kam hinzu, dass der Forward sich offensiv steigerte und in Gordons Abwesenheit unter Beweis stellte, dass er langfristig in die Starting Five gehört. 14,6 Punkte und 4,9 Rebounds legte er im Schnitt auf, der Dreier fiel zudem erstmals stark mit 41,1 Prozent.
Solch ein Spieler hat seinen Preis - und diesen wollten die Nuggets wenig überraschend nicht zahlen. Denver ist chronisch bekannt dafür, die Luxussteuer unter allen Umständen zu vermeiden und sind bereits ohne Watson im gefürchteten Second Apron. Hätte man Watson für den Preis verlängert, den die Cavs letztlich zahlten, hätte das Team über 400 Millionen Dollar (inklusive aller Strafen) gekostet.
Die sparsame Familie Kroenke, die auch die L.A. Rams und Arsenal besitzen, hätten das niemals abgesegnet. Gewissermaßen ist das verständlich, das Kind war schon viel früher in den Brunnen gefallen. In einer Umgebung, in der Salary-Cap-Management immer wichtiger wird, gingen die Nuggets viel zu leichtsinnig mit ihren Ressourcen um und wurden so in eine Ecke gedrängt, aus der sie nicht mehr rauskommen.
Warum erhielt der inzwischen getradete Michael Porter Jr. einen Maximalvertrag, obwohl er bestenfalls die dritte Option (und damals als enorm verletzungsanfällig galt) war? Warum wurde Jamal Murray mit einem neuen Maximalvertrag ausgestattet, als dieser eine mäßige Saison spielte und mit Verletzungen zu kämpfen hatte? Und warum genau erhielt Christian Braun, eher ein Bankspieler denn Starter, 90 Millionen Dollar für fünf Jahre?
All diese Moves sorgten dafür, dass Denver zwar ein Contender war und 2023 Champion wurde, doch finanziell massiv unter Druck geriet. Der Abgang von Watson ist eine Konsequenz davon, zuvor gingen vom Meisterteam auch schon Kenatavious Caldwell-Pope und eben Porter Jr. Bitter: Als 30. Pick 2022 war Watson einer der wenigen Lichtblicke in Denver kürzlicher Draft-Historie in der hinteren ersten Runde. Hier schafften es die Nuggets kaum, solide Rotationsspieler zu finden. Braun war ebenfalls einer, sein Vertrag ist jedoch ein Klotz am Bein, dazu darf noch der ungedraftete Spencer Jones als Gewinn zählen.

Das ist aber zu wenig. Die Nuggets waren nie besonders tief besetzt, die Bank war stets ein Problem, doch für die kommende Saison wird die Rotation noch einmal weiter ausgedünnt. Man muss schon hoffen, dass Lonnie Walker für die Second Unit Scoring liefern und Alpha Diallo, immerhin Verteidiger des Jahres in der EuroLeague, die Watson-Rolle annähend füllen kann.
Entschädigt wird man zudem mit einem Erstrundenpick 2031, der womöglich noch helfen kann, doch eigentlich muss Denver genau jetzt alles in die Mitte werfen. Jokic, Murray, Gordon - der Kern der Mannschaft ist auf der Höhe seines Schaffens, das Trio ist geschlossen um die 30 Jahre alt. Für eine weitere Meisterschaft hätte man das Watson-Risiko eingehen müssen, so erscheint es unwahrscheinlich, dass der Champion von 2023 mit Teams wie Oklahoma City, San Antonio oder Dauerrivale Minnesota mithalten kann. Und überhaupt: Seit dem Titel konnten nur noch zwei Playoff-Serien gewonnen werden.
Die Nuggets erleben nun das, was viele gute Teams trifft. Sie bauten über die Jahre ein starkes Fundament, doch mit der Zeit explodieren die Kosten, wodurch anderweitig der Rotstift angesetzt werden musste. Das sorgt dafür, dass Titelfenster immer kleiner werden, auch wenn man mit Jokic weiterhin einen Top-3-Spieler der Liga beschäftigt.
Robert Arndt