16.02.2026
Neue Generation krempelt das ASG um
Neues Jahr, neue All-Star-Format. Auf der Suche nach Ernsthaftigkeit übt sich die NBA immer wieder in größeren Anpassungen. Dabei zeigt sich: Letztlich ist das wie egal, wenn die Spieler Lust haben. Dass es plötzlich so weit ist, ist Beleg für einen Paradigmenwechsel in der Liga. Ein Kommentar von Julius Ostendorf.

"Ich möchte die großen Spieler dieses Sports dazu bringen, das All-Star-Game so hart anzugehen, wie ich es werde."
Es waren recht ambitionierte Worte, mit denen Victor Wembanyama vorab um sich warf. Das All-Star-Game steckte zuweilen schließlich in einer handfesten Sinnkrise. Was bringt die Versammlung der besten Basketballer der Welt, wenn sie diese augenscheinlich nicht ernst nehmen?
Die Entwicklung der vergangenen Jahre, in der man einen scheinbar stetigen Verfall an Seriösität wahrnehmen konnte, erlitt in der vergangenen Nacht nun einen Abbruch. Die erneuten Regelanpassungen haben daran freilich auch einen Anteil. Kürzere Spiele bedeuten mehr Crunchtime. Kleinere Rotationen sorgen für mehr Verantwortlichkeit und Mitwirkung der einzelnen Akteure.
Aber letztlich, das stellte das diesjährige All-Star-Game/Turnier eindrucksvoll unter Beweis, sind es die Spieler selbst, die entscheiden, ob der Abend in Erinnerung bleibt oder sich auf dem Stapel irrelevanter All-Star-Games aufreiht. Dass jener Stapel in den vergangenen Jahren immer größer geworden ist, ging nicht nur zu Lasten von Fans, Medien und Liga - es säte auch unter den Spielern selbst zunehmend den Wunsch, zu jenem kompetitiven Wettbewerb längst vergangener Jahre zurückzukehren.
Möglich machte diese kulturelle Neuerfindung aber der Umstand, dass sich die Spitze der NBA inmitten eines Umbruchs befindet. Noch in den zurückliegenden Jahren hätten es einzelne Jungstars wohl kaum gewagt, am Status Quo zu rütteln. Den Takt gaben nun einmal schon seit Jahren Spieler wie LeBron James, Kevin Durant und Co. an.
Das Jahr 2026 hingegen steht für etwas anderes. Es steht für das mögliche Karriereende von James, für die Frage, wer die neuen Zugpferde und vor allem das Gesicht der Liga sein wird - und eben auch dafür, welche Kultur bei einem vermeintlich belanglosen Spiel wie dem All-Star-Game vorherrscht.
Das junge Gewinnerteam "Stars" war damit ebenso eine Bereicherung für das Mini-Turnier wie Victor Wembanyama, dessen gelebte Intensität gegenüber seinen Mitspielern schon fast unangenehm wirkte. Dass dabei nicht alle mitziehen würden - Jokic und Doncic flüchteten vor dem Franzosen fast durchweg auf die hinteren Bankplätze - ließ sich wohl kaum vermeiden.
Dennoch werden wir das diesjährige All-Star-Game in positiver Erinnerung behalten. Nicht nur wegen der sportlichen Intensität, sondern auch, weil sich die Liga von den Alt-Stars - die lange als unersetzlich galten - ein Stück weit emanzipiert hat.
Julius Ostendorf