12.03.2026
Obst-Verlängerung als erster Schritt
Die Vertragsverlängerung von Andi Obst war für die Bayern sportlich wie identitär ein wichtiges Signal. Zum Erhalt des deutschen Kerns sind aber noch viele weitere Entscheidungen notwendig - wohl auch mithilfe des Colleges.

Sportlich ist die laufende Saison des FC Bayern bereits jetzt eine kleine Enttäuschung. Erneutes Pokal-Aus im Halbfinale, die EuroLeague-Playoffs sehr sicher schon außer Reichweite. Die Vertragsverlängerung von Andi Obst war deshalb nicht nur die benötigte positive Nachricht zum Ende dieser Spielzeit, sie war auch ein Zeichen.
Der Glaube an das gemeinsame Projekt wiege stärker als kurzfristiger Erfolg. Darüber hinaus vermittele der Klub familiäre Werte, wie wohl kaum ein anderer EuroLeague-Klub. "Die ganze Struktur hier, das Beisammensein, das Familien-Denken", erklärte Obst seine Entscheidung gegenüber basketball-world.news.
Aus sportlicher Sicht ist die Verlängerung freilich ein Coup für die Bayern. Insbesondere seit dem Trainerwechsel ist Obst aufgeblüht, führt die Mannschaft regelmäßig als Topscorer an. Mit 29 Jahren ist der Guard den nächsten Schritt gegangen: Vom Edelschützen zum Zielspieler.
Aber nicht nur auf dem Feld soll Obst fortan eine Schlüsselrolle einnehmen. Er soll auch abseits das Gesicht des Vereins werden; mit eigenen Merchandise-Kollektionen, als Bezugspunkt der vielen Fans der deutschen Nationalmannschaft - und: als Anführer des so wichtigen deutschen Kerns innerhalb der Mannschaft.
Aufgrund der "6+6"-Regelung in der BBL sind alle Bundesligisten verpflichtet, immer mindestens sechs deutsche Spieler im Zwölfmann-Kader zu führen (oder andersherum: Es sind nur sechs Ausländer erlaubt). Trotz ihrer internationalen Ambitionen machte der Verein nie einen Hehl daraus, seine Ambitionen um verdiente Akteure mit DBB-Hintergrund herum aufzubauen.
In den vergangenen Jahren etablierte sich so ein Kern, der das Grundgerüst des Vereins bildet. Das Backcourt teilt sich Obst mit Justus Hollatz. Auf dem Flügel finden sich Niels Giffey und Oscar da Silva. Unter dem Korb stehen in Johannes Voigtmann und Leon Kratzer zudem zwei der besten deutschen Center.
"Es ist mit das Wichtigste, dass man einen guten deutschen Kern hat", weiß auch Obst. "So kann man eine gute Hierarchie reinbringen und neue Spieler besser integrieren."
Mit Elias Harris stehen sogar sieben Deutsche im Kader, wobei der Vertrag des Forward im Sommer ausläuft. Und auch sonst werden die Fragezeichen in den kommenden Jahren nur größer. Die Verträge von Voigtmann, Kratzer, da Silva und Giffey enden allesamt nach Ende der kommenden Saison.

Letzterer ist dann 36 Jahre alt, Voigtmann 35. Und ob Kratzer eine sportliche Zukunft an der Isar hat, ist ohnehin zu bezweifeln. Die Kaderplaner sind angehalten, neue Lösungen zu finden. Nicht nur wegen der BBL-Regelung, auch, um die mühsam aufgebaute "deutsch-bayerische" Identität zu wahren.
Im Gespräch mit basketball-world.news betonte Sportdirektor Dragan Tarlac, längst ein Auge auf den Markt deutscher Spieler geworfen zu haben. "Unsere Ziele bleiben unverändert. Wir werden immer das Ziel verfolgen, nicht nur einen guten deutschen Kern, sondern die besten Deutschen außerhalb der NBA zu verpflichten." Mit Blick auf die europäische Konkurrenz existieren da nicht allzu viele Namen.
Die Ex-Münchner Nick Weiler-Babb (Anadolu Efes) und Isaac Bonga (Partizan Belgrad) stehen über den kommenden Sommer hinaus unter Vertrag. Nach seiner damals unglücklichen Zeit in München wirkt auch eine Rückkehr von David Krämer (Real Madrid) als unwahrscheinlich. Denkbar wäre Ex-NBA-Spieler Daniel Theis, dessen Verbleib in Monaco angesichts der enormen finanziellen Probleme wohl auszuschließen ist.
Eine Lösung, so deutet es Tarlac an, ist die Jugend. Zunehmend blicke man auch auf die Absolventen der US-Colleges, an denen in dieser Saison so viele deutsche Nachwuchsprofis wie noch nie zu finden sind. Von der Bundesliga-Regelung wolle man sich aber nicht treiben lassen: "Wir versuchen immer ein großen und noch größeren Kern heimischer Spieler zu versammeln - nicht nur sechs, sondern auch darüber hinaus, wenn möglich."
Julius Ostendorf