18.09.2025
Deutscher spielt noch in Serbien
Seit seiner überragenden EuroBasket wird viel über eine mögliche Rückkehr von Isaac Bonga in die NBA diskutiert. Welche Voraussetzungen müssen Spieler aber erfüllen, um in die NBA zu wechseln? Und wann können sie das tun? Wir klären die wichtigsten Fragen.

Wenn man auf internationale Spieler schaut, die in die NBA wechseln wollen, muss man vor allem zwischen zwei Altersklassen unterscheiden: den U23-Spielern und allen älteren. Der Grund dafür ist, dass alle Spieler vor ihrem Wechsel in die NBA den Draft-Prozess durchlaufen müssen, um die Chancengleichheit innerhalb der Association zu gewährleisten. Würde es diesen Umweg über den Draft nicht geben, könnten sich die attraktivsten und erfolgreichsten Teams frühzeitig die besten jungen Spieler sichern, wie es zum Beispiel im Fußball der Fall ist.
Jedoch muss nicht jeder Spieler erst von einem NBA-Team im jährlichen Draft gezogen werden, bevor er in die Liga kommen kann. Es reicht auch, sich irgendwann mal beim Draft angemeldet zu haben und nicht ausgewählt worden (undraftet) zu sein. Und auch hier gibt es eine Besonderheit: So wird jeder junge Spieler für den Draft des Jahres, in dem er 22 Jahre alt wird, automatisch "eligible", kann also von Teams ausgewählt werden, ohne dass er sich aktiv anmeldet.
Im Normalfall läuft es dann so ab, dass junge Spieler, die automatisch angemeldet werden, auch nicht gedraftet werden. Wenn das passiert, sind sie im Anschluss an den Draft Free Agents, können also jederzeit von jedem Team mit einem freien Kaderplatz unter Vertrag genommen werden.
Für alle jüngeren Spieler gilt, dass sie sich ganz klassisch zum Draft anmelden und Teams die Chance geben müssen, sich die Rechte an ihnen zu sichern. Sollten sie nicht ausgewählt werden, können sie anschließend auch als Free Agents bei jedem Team unterschreiben.
Allerdings gibt es auch noch eine Zwischenlösung. So können NBA-Teams junge Spieler im Draft ziehen, ohne sie aber unter Vertrag zu nehmen. Die Spieler bleiben dann bei ihrem bestehenden Verein in Europa, sodass das Team aus den USA ihre Entwicklung beobachten kann. Wenn sie dann in die NBA gehen wollen, können sie nur bei dem Team unterschreiben, das sie gedraftet hat, es sei denn, die Rechte wurden in der Zwischenzeit per Trade weitergereicht.
So ist es beispielsweise beim neuen FCBB-Spieler Justinian Jessup der Fall. Der Guard wurde 2020 an 51. Stelle von den Golden State Warriors gepickt, spielte aber weiterhin in Europa. Mittlerweile haben sich die Memphis Grizzlies die Draft-Rechte an ihm per Trade gesichert.
Gibt es aber spezielle Zeiträume, in denen Spieler aus dem Ausland in die NBA wechseln dürfen, ähnlich der Free Agency? Die kurze Antwort lautet: nein. Teams können internationale Free Agents jederzeit unter Vertrag nehmen, eine wichtige Deadline ist lediglich der 1. März. Spieler, die nach diesem Zeitpunkt verpflichtet werden, sind nicht mehr berechtigt, in den Playoffs aufzulaufen.
Im besten Fall wechseln internationale Spieler daher in der Sommerpause der Ligen in die USA, wenn ihr Vertrag bei dem derzeitigen Verein ausgelaufen ist. Alternativ haben auch viele Top-Spieler spezielle NBA-Ausstiegsklauseln in ihren Verträgen, die ihnen erlauben, vorzeitig aus einem bestehenden Vertrag auszusteigen.
Wenn sie dies nicht haben, kann es dagegen kompliziert werden. Dann müssen Spieler sich aus dem bestehenden Vertrag bei ihrem Verein rauskaufen (Buyout), um einen Wechsel zu realisieren. Wichtig ist dabei, dass das potenziell aufnehmende NBA-Team nur einen Teil davon zahlen darf, den Rest muss der Spieler selbst übernehmen.

Wie genau die vertragliche Lage bei Bonga aussieht, ist nicht offiziell bekannt. Die serbischen Kollegen berichten jedoch, dass es für den Deutschen keinen leichten Rückweg in diesem Sommer in die NBA gibt.
"Wie gegenüber Mozzart Sport bestätigt wurde, gibt es keinen Grund zur Sorge. Bonga hat im Sommer seinen Vertrag mit Partizan bis 2027 verlängert. Eine Zeit lang enthielt der Vertrag eine NBA-Ausstiegsklausel, doch diese ist abgelaufen. Es besteht keinerlei Zweifel mehr: Bonga bleibt in Belgrad", berichtet das Portal.
Das bedeutet für Bonga, dass er sich, falls er in die NBA gehen wollen würde, mit Partizan auf eine Vertragauslösung einigen oder einen Großteil des Buyouts aus seiner eigenen Tasche bezahlen müsste. Dies scheint derzeit unwahrscheinlich, da er sich auch schon für die kommende Saison zum Verbleib in der serbischen Hauptstadt bekannt haben soll.
Gianluca Fraccalvieri