vor 9 Stunden
DBB-Star spielt in Starensemble
Wieder keine Rückkehr in die NBA. Isaac Bonga bleibt in Europa und schließt sich Top-Klub Panathinaikos Athen an. Der deutsche Nationalspieler trifft dort auf einen alten Bekannten und kommt in das womöglich explosivste Umfeld in ganz Europa.

Mike Koch war schon da, Patrick Femerling auch, zuletzt für kurze Zeit ebenso Tibor Pleiß. Nun ist es Isaac Bonga, der die deutsche Fahne in der Hauptstadt Griechenlands hochhält und dabei helfen soll, dass Panathinaikos wieder zum Erzrivalen Olympiakos Piräus aufschließen und wieder Titel gewinnen kann.
"Ich bin wegen der Geschichte dieses Klubs hier", sagte Bonga bei seiner Vorstellung. Letztlich konnte sich Bonga seinen neuen Verein aussuchen, wenn man den Berichten Glauben schenken mag. Real Madrid, Barcelona, Olympiakos oder Fenerbahce - sie alle sollen an Bonga gebaggert haben, der wie bei der Nationalmannschaft kein Star, aber ein Superstar in seiner Rolle ist. 700.000 Euro zahlte Pana dafür an Partizan, Besitzer Dimitris Giannakopoulos zeigte dabei einmal mehr, dass Geld nur bedingt eine Rolle für ihn spielt.
Schon im Vorjahr hatten die Grünen das größte Budget Europas, doch nach der Enttäuschung mit dem Verpassen des Final Four in eigener Halle war klar, dass dieser Verein nicht ruhen würde. Coach Ergin Ataman wurde nahegelegt, aufzuhören, dafür kehrte Trainer-Ikone Zeljko Obradovic an alte Wirkungsstätte zurück. Jener Obradovic, der mit Pana fünfmal die EuroLeague gewann und natürlich auch Bongas Coach bei Partizan war.
Der Serbe wird über vier Millionen Euro pro Jahr einstreichen, dazu kassieren auch Star-Neuzugang Guerschon Yabusele, Ex-MVP Kendrick Nunn und der bereits im Februar aus der NBA zurückgekehrte Nigel Hayes-Davis vier Millionen Euro. Für Bonga sollen es dagegen nur knapp 2,2 Millionen Euro jährlich sein - netto. Es sind Beträge, die auch deutlich über dem Minimum in der NBA liegen, wo die Zahlungen immer brutto angegeben werden.
Auch das dürfte für Bonga eine Rolle gespielt haben, viel mehr hätten wohl auch die Detroit Pistons nicht gezahlt, mit denen der ehemalige Frankfurter seit Monaten in Verbindung gebracht wurde. Dazu geht es in Griechenland nur um Titel - und das in einer der heißen Atmosphären auf dem Kontinent.
Dieses Star-Ensemble ist zum Siegen verdammt, doch der europäische Markt ist aufgeheizter denn je. Neue Player wie Hapoel Tel Aviv, Dubai oder das plötzliche reiche ASVEL verderben die Preise. "Wir sehen wirklich unfassbare Transfers", meinte zuletzt auch Olympiakos-Trainer Georgios Bartzokas, der mit seiner Mannschaft in der Vorsaison die Trophäe in die Höhe recken konnte. "Kommende Saison wird es noch umkämpfter", ist sich Bartzokas sicher.
Einer der Konkurrenten wird auch Panathinaikos sein, die nicht nur große Namen einkauften, sondern auch gezielt einige Schwächen adressierten. Beim enttäuschenden Aus gegen Valencia wurden einige Dinge deutlich: Es fehlte Defense, es fehlte Tempo und Athletik, es fehlte gutes Guard-Play.
Bonga und der aus Valencia für 1,5 Millionen Euro losgeeiste Brancou Badio helfen bei den ersten beiden Punkten, dazu verstärkt Yabusele den Frontcourt und kann auch auf der Fünf ein Loch stopfen. Die Frage ist eher, wie man all diese Charaktere unter einen Hut bringt. Für die Positionen drei bis fünf hat Obradovic die Qual der Wahl. Hier mal eine Auflistung aller Möglichkeiten:
Bonga, Hayes-Davis, Yabusele, Juancho Hernangomez, Mathias Lessort, Moustapha Fall, Dinos Mitoglou.

Das sind sieben (hochkarätige) Spieler für drei Positionen, wobei Pana eigentlich auch Cedi Osman halten wollte, bevor EuroCup-Neuling PAOK Thessaloniki mit Coach Andrea Trincheri mal eben dazu bereit war, eine Ablöse von zwei Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Selbst in Griechenland haben nicht nur Panathinaikos und Olympiakos die dicken Bündel in der Hosentasche!
Aber auch so dürften sich die Gehälter auf über 30 Millionen Euro summieren (netto!) - so etwas hat es im europäischen Basketball noch nicht gegeben. Giannakopoulos witzelte bereits. "Ich glaube, dass wir etwas sehr Starkes aufgebaut haben. Ich sehe nur nicht, wie Nikola Jokic kommende Saison zu diesem Team passen soll."
Zumindest wäre Jokic ein Passgeber, denn daran mangelt es noch. Kostas Sloukas hat abgebaut, auch bei Jerian Grant zeigten sich deutliche Verschleißerscheinungen. Nunn ist dagegen vornehmlich ein Scorer, kann aber natürlich auch ein Spiel gestalten. Wobei: In knapp zehn Wochen bis zum Start der EuroLeague kann noch vieles passieren. Klar ist schon aber schon jetzt, dass Basketball-Fans auf diese irre Mannschaft schauen werden, ob Obradovic daraus wirklich ein Team formen kann. Dezente Zweifel sind zumindest einmal berechtigt.
Robert Arndt