vor 7 Stunden
Die EWE Baskets im Kadercheck
Nach einer enttäuschenden Saison ziehen die EWE Baskets Oldenburg die Konsequenzen. Mit Milenko Bogicevic übernimmt ein neuer Cheftrainer, gleichzeitig bleibt ein Teil des Kaders erhalten und wird gezielt mit erfahrenen BBL-Spielern sowie vielversprechenden Neuzugängen ergänzt. Die Niedersachsen wollen zurück in die Play-offs.

Über viele Jahre gehörten die EWE Baskets zu den festen Größen der BBL. Meisterschaft 2009, Pokalsiege und viele Playoff-Teilnahmen machten Oldenburg zu einem der konstantesten Standorte der Liga. In den vergangenen Jahren fehlte aber genau diese Konstanz. Nach einer enttäuschenden Saison 2025/26 entschieden sich die Verantwortlichen erneut für einen Neuanfang.
Mit Milenko Bogicevic übernimmt ein Trainer, der reichlich Erfahrung aus dem europäischen Spitzenbasketball mitbringt. Der 49-jährige Serbe arbeitete unter anderem bei Alba Berlin, dem AS Monaco und Roter Stern Belgrad, ehe er zuletzt den MBC zum Klassenerhalt führte. In Oldenburg unterschrieb Bogicevic einen Vertrag bis 2028 und soll dem Klub langfristig eine neue Identität verleihen.
Die Verpflichtung des Serben steht für einen klaren Kurswechsel. Charakter und Spielstil standen bei der Kaderplanung mindestens ebenso hoch im Kurs wie individuelle Qualität.

Immerhin zwei wichtige Stützen bleiben den EWE Baskets erhalten. Nicholas Tischler spielte mit durchschnittlich 11,0 Punkten die beste Saison seiner bisherigen Karriere und entwickelte sich zu einem der konstantesten Spieler. Auch Seth Hinrichs verlängerte seinen Vertrag frühzeitig bis 2028 und soll mit seiner Erfahrung weiterhin eine Führungsrolle übernehmen.
Der personelle Umbruch fällt dennoch groß aus. Mit Dakarai Tucker, James Woodard, Kyle Lofton, Tomislav Zubcic, Michale Kyser, Brian Fobbs, Chris Clemons, Ralph Hounnou und Filip Stanic verabschiedete Oldenburg nahezu die komplette Import-Rotation. Auch Eigengewächs Colin Schroeder verließ den Klub und wechselte ans College nach Fresno State.
Dafür investierten die Verantwortlichen gezielt in acht Neuzugänge. Marcel Keßen kehrt zurück nach Oldenburg. Zach Ensminger kommt nach einer starken Saison aus Bamberg, Jeremy Roach, Nate Johnson, Ja'Qualyn Gilbreath, Le'Tre Darthard und Tylan Pope spielen erstmals in die BBL. Als letzter Baustein komplettiert Demajeo Wiggins den Frontcourt, er war 2024/25 bereits in Göttingen unter Vertrag.
| SPIELER | POSITION | NATIONALITÄT | JAHRGANG | |
|---|---|---|---|---|
| Le'Tre Darthard | PG | USA | 2000 | |
| Ja'Qualyn Gilbreath | PG | USA | 1998 | |
| Jeremy Roach | PG | USA | 2001 | |
| Zach Ensminger | PG | GER | 2001 | |
| Djordje Klaric | PG | GER | 2009 | |
| Simon Kohlhoff | PG | GER | 2006 | |
| Nate Johnson | SG | USA | 1998 | |
| Tylan Pope | SF | USA | 2001 | |
| Nicholas Tischler | SF | GER | 2000 | |
| Seth Hinrichs | PF | GER | 1993 | |
| Lazar Klaric | PF | GER | 2006 | |
| Demajeo Wiggins | C | USA | 1997 | |
| Marcel Keßen | C | GER | 1997 |
Oldenburg verfügt auf nahezu jeder Position über interessante Optionen. Ensminger bringt Spielintelligenz und BBL-Erfahrung mit, Keßen stärkt die deutsche Rotation unter dem Korb und Wiggins sorgt für Athletik und Präsenz am Brett. Gleichzeitig besitzen mehrere Neuzugänge noch Entwicklungspotenzial und müssen sich erst an das Niveau der Bundesliga gewöhnen.
Entscheidend wird deshalb sein, wie schnell die Mannschaft zusammenfindet. Viele Spieler standen bislang nie gemeinsam auf dem Parkett, weshalb insbesondere die ersten Saisonwochen richtungsweisend werden dürften. Bogicevic wird früh eine funktionierende Rollenverteilung etablieren müssen.
Der Oldenburger Kader wirkt ausgewogener als noch in der Vorsaison. Die Mischung aus erfahrenen BBL-Spielern, talentierten Neuzugängen und einem klaren sportlichen Konzept erscheint stimmig. Gleichzeitig bringt ein so großer Umbruch immer Unsicherheiten mit sich.
Gelingt es Bogicevic, schnell eine funktionierende Teamchemie aufzubauen, besitzen die EWE Baskets gute Chancen auf die Rückkehr in die Play-offs. Vor allem die Qualität der deutschen Rotation mit Hinrichs, Tischler, Ensminger und Keßen könnte sich im Saisonverlauf als großer Vorteil erweisen. Aktuell erscheint Oldenburg als realistischer Kandidat für die Plätze sechs bis zehn. Der Sprung unter die besten acht Mannschaften ist möglich, setzt aber voraus, dass die Neuzugänge ihr Potenzial schnell umsetzen können.
Lukas Hetterich