vor 17 Stunden
Ex-NBA-Spieler exklusiv
Siege gegen Real Madrid und Barcelona zum Auftakt, Playoff-Kurs nach sechs Spieltagen: Dubai Basketball ist in seiner zweiten EuroLeague-Saison angekommen. Mittendrin steht Davis Bertans. Vor dem Gastspiel beim FC Bayern am Donnerstagabend erzählt der Lette im Gespräch mit basketball-world.news, warum es ihn 2024 in die Emirate verschlagen hat und wie es seither für ihn läuft.

Sechs Spieltage sind in der EuroLeague gespielt, und Dubai Basketball hat bereits einige Visitenkarten abgegeben. Zum Auftakt der zweiten Saison in Europas Königsklasse besiegte das Team des neuen Trainers Xavi Pascual erst Real Madrid (78:77) und dann auch den FC Barcelona (94:87). Trotz Niederlagen gegen Fenerbahce und Roter Stern ist das Team aus den Emiraten damit nach sechs Spieltagen auf Playoff-Kurs.
Davis Bertans ordnet den Start im Gespräch mit basketball-world.news gelassen ein: Der sei ziemlich gut gewesen, auch wenn mehr drin gewesen wäre. "Ich denke, das absolute Maximum wäre wahrscheinlich der EuroLeague-Titel", so Bertans über das Potenzial seiner Mannschaft. Doch wie im Vorjahr sei rund die Hälfte der Spieler mit wichtigen Minuten neu, und das Zusammenfinden brauche Zeit. "Wir wissen inzwischen, wie großartig wir spielen können - und wie schlecht", sagt der 33-Jährige.
Seine eigene Rolle hat sich dabei verschoben. Noch in der vergangenen EuroLeague-Saison stand er im Schnitt 18,7 Minuten auf dem Parkett, unter dem neuen Trainer Xavi Pascual ist seine Rolle auf knapp elf Minuten geschrumpft. Dass sich seine Karriere, die einst im Alter von 15 Jahren begonnen hatte, in der finalen Phase befinde, wisse Bertans. Deshalb verschiebe sich auch seine Aufgabe im Mannschaftsgefüge: "Mich interessieren meine Minuten gar nicht mehr so sehr. Ich denke, dass es meine Rolle ist, eine wichtige Stimme in der Kabine und an der Seitenlinie einzubringen."
Das hat auch mit Bertans Erfahrung in den Emiraten zu tun. Als Dubai Basketball im Herbst 2024 in der ABA-Liga debütierte, war er der erste Spieler mit NBA-Erfahrung im Kader. Nach Platz drei in der Premierensaison folgten 2025 der Einstieg in die EuroLeague mit 19:19 Siegen und Rang elf, einen Platz hinter dem Play-in, sowie im Frühjahr 2026 der ABA-Titel - der erste große Pokal für den Wüstenklub.
Auch abseits des Parketts hat sich etwas getan. In den ersten beiden Jahren hätten ihn vor allem die vielen Filipinos in der Stadt angesprochen - allerdings primär als ehemaligen Spieler der San Antonio Spurs oder als Mitspieler des philippinischen Publikumslieblings Thirdy Ravena: "Meistens hieß es nur: 'Ah, du spielst mit Thirdy' - alles andere war ihnen egal." Dass ihn die Leute auf den Straßen nun als Spieler von Dubai Basketball erkennen, sei für ihn "der größte Schritt nach vorne".
Die Eingewöhnung fiel ihm nach eigener Aussage leicht. Die Hitze sei die offensichtliche Hürde, doch selbst auf Restaurantterrassen laufe die Klimaanlage - bei 38 bis 40 Grad draußen fühle es sich dort an wie 25. Zu schätzen wisse er auch die Bequemlichkeit in Dubai, wo sämtliche Einkäufe - unabhängig von deren Umfang - geliefert würden. Zu spüren bekomme er das vor allem im Sommer während seiner Heimatbesuche in Lettland. "Wenn ich an einem Tag müde bin und keine Lust habe, etwas zu machen, dann wünschte ich mir, einfach mein Handy greifen zu können und mir alles Mögliche liefern zu lassen."
Was heute in einer erfolgreichen Eingewöhnung in den Emiraten gemündet ist, begann einst mit einem leeren Postfach. Nachdem die Charlotte Hornets Bertans im Sommer 2024 entlassen hatten, habe es weder aus der NBA noch aus Europa konkrete Angebote gegeben, die EuroLeague-Kader seien längst komplett gewesen. Golden State lud ihn zwar ins Open Gym ein, eine freie Kaderstelle hatten die Warriors aber nicht. "Ich habe das gar nicht als Weg zu einem Vertrag gesehen, sondern als Chance, ein paar Wochen zu trainieren und in Form zu bleiben, für den Fall, dass etwas kommt."
Parallel hielt sein Berater die Augen offen, der schon zwei Jahre zuvor nach Dubai gezogen war und die Gründung des Klubs aus der Nähe verfolgt hatte. Die Entscheidung fiel dann buchstäblich in der Luft: Auf dem Flug von München nach San Francisco kam der Vertrag, Bertans unterschrieb an Bord. "Ich bin nach zwölf Stunden gelandet und dachte: Was mache ich jetzt eigentlich noch hier?"
| Zeitraum | Team | Liga |
|---|---|---|
| 2008-2010 | Riga | |
| 2010-2012 | Olimpija Ljubljana | ABA |
| 2012-2014 | Partizan Belgrad | ABA, EuroLeague |
| 2014-2016 | Baskonia Vitoria | ACB, EuroLeague |
| 2016-2019 | San Antonio Spurs | NBA |
| 2019-2022 | Washington Wizards | NBA |
| 2022-2023 | Dallas Mavericks | NBA |
| 2023-2024 | Oklahoma City Thunder | NBA |
| 2024 | Charlotte Hornets | NBA |
| seit 2024 | Dubai Basketball | ABA, EuroLeague (ab 2025) |
Für die Entscheidung zugunsten Dubais habe er damals viel Gegenwind erfahren, so Bertans: "Viele haben gesagt, dass diese Entscheidung verrückt sei." Schließlich stand damals nicht einmal fest, ob und wann Dubai in der EuroLeague spielen würde. Ums Geld sei es ihm nicht gegangen, schließlich habe er in der NBA bereits zuvor einen großen Vertrag unterschrieben. Vielmehr habe er nach vielen Trades in den USA nach Stabilität gesucht - insbesondere für seine Familie.
Dass inzwischen mehr NBA-Spieler den Weg nach Europa gehen, erklärt Bertans jedoch ganz nüchtern mit dem Geld. Vor zehn Jahren hätten die besten Spieler eines EuroLeague-Teams im besten Fall rund eine Million verdient, heute lägen pro Team zwei bis vier Spieler darüber, manche beim Doppelten oder Dreifachen. Verglichen mit einem NBA-Minimalvertrag nach Steuern sei Europa damit konkurrenzfähig. In Dubai seien die Steuern ohnehin "großartig - es gibt nämlich keine".
Als im Gespräch das Stichwort "Bayern" fällt - am Abend gastieren Bertans und Co. im Münchner SAP Garden - fällt dem langjährigen NBA-Spieler sofort der 12. Dezember 2025 ein. Damals hatten die Münchner im dritten Viertel noch mit 56:44 geführt. Bis eine Minute vor Schluss lagen die Münchner in Front, ehe die Partie in den Schlusssekunden kippte.
Bei einer Ein-Punkt-Führung hatte Bayern 3,2 Sekunden vor dem Ende den Ball, doch Kosta Kondic erzwang einen Ballverlust von Stefan Jovic. McKinley Wright bedankte sich mit dem Siegtreffer über Arme von Spencer Dinwiddie und Wenyen Gabriel zum 89:88.
Bertans selbst bemüht keine Heldengeschichte. "Da hatten wir Glück, wir haben kein gutes Spiel gemacht", erinnert er sich. Das Beste sei gewesen, dass Dubai weitergekämpft habe - so gebe man sich immer die beste Chance auf ein Comeback. Auch das Rückspiel in München im März gewann Dubai, dann allerdings deutlich mit 87:74.
Heute Abend (20 Uhr) stehen sich beide Teams zum dritten Mal in der EuroLeague gegenüber - die Vorzeichen haben sich allerdings verschoben. Bayern hat mit Anton Gavel einen neuen Cheftrainer, steht nach sechs Spielen bei 2:4 und bestreitet nach vier Auswärtspartien in Folge wieder ein Heimspiel. Dubai reist hingegen mit zwei Auswärtssiegen, der Favoritenrolle sowie einem Davis Bertans an, dessen Rolle heute eine gänzlich andere ist als noch in den 18 zurückliegenden Jahren seiner Karriere.
Julius Ostendorf