vor 13 Stunden
Xavier Rathan-Mayes gelingt Saisonbestwert
Die Bayern ohne Andi Obst? Eigentlich kaum vorstellbar. In Spiel 2 der Halbfinalserie gegen die Telekom Baskets Bonn machte Xavier Rathan-Mayes den deutschen Nationalspieler zumindest ausnahmsweise mal vergessen. Es ist das nächste Kapitel einer bewegten Saison für den Kanadier.

Noch am Samstag hatte Rathan-Mayes nahezu die gesamte erste Halbzeit auf der Bank versauert. Wohl mit etwas Wut im Magen kam er aufs Feld und schweißte binnen weniger Minuten elf Punkte in die Reuse - wohlgemerkt in einer Phase, in der es den Münchnern ausgesprochen schwerfiel, offensiv kreativ zu werden. "Er hat gekämpft und seine Rolle jetzt sehr gut verstanden", erklärte Trainer Svetislav Pesic im Anschluss.
Dass Rathan-Mayes auch in anderer Rolle durchaus klarkommen würde, stellte er im zweiten Aufeinandertreffen am Montagabend unter Beweis. Weil Andi Obst mit einem Virus ausfiel, rückte er kurzerhand in die Starting Five nach und erzielte wieder elf Punkte in einem Durchgang. Mit letztlich 20 Zählern (Saisonbestwert) avancierte der 32-Jährige, der innerhalb der Mannschaft nur "X" genannt wird, zum Topscorer und Matchwinner für die Bayern.
"Ganz wichtig", sei er heute gewesen, betonte Oscar da Silva im Anschluss gegenüber basketball-world.news. "Das kann er. Ich glaube, es ist für ihn auch eine Frage des Vertrauens vom Trainer und seiner Tagesform. Aber diese großen Momente liebt er einfach. Es ist schon zu sehen, dass, jetzt wo Andi raus war, er direkt die Lücke füllen konnte."
Aber nicht nur in Sachen Scoring, auch sonst waren die Bayern diesmal in jeglicher Hinsicht auf der Höhe. Lediglich elf offensive Rebounds ließ man dem Gegner gewähren, dabei gelten die Bonner als wohl bestes Bundesliga-Team im Erarbeiten zweiter Chancen. Noch am Samstag hatten sie sich 19 Mal am Münchner Brett bedient, was Trainer Pesic auch zu der Aussage verleiten ließ, dass er keine Ahnung habe, wie sie das Spiel nicht hatten gewinnen können.
Neben dem Vermeiden gegnerischer Rebounds sowie zu vieler unnötiger Ballverluste sah da Silva aber noch einen weiteren Grund für die Verbesserung zum ersten Duell: der Rhythmus. Schließlich waren die Bayern zuvor nach einwöchiger Pause noch etwas "rostig", wie der gebürtige Münchner verriet: "Wir haben uns da schwergetan, weil wir erstens zu viele Ballbesitze abgegeben haben und zweitens ein paar Würfe nicht reingegangen sind, die wir an einem normalen Tag treffen. Das ist heute auf jeden Fall besser gelaufen. Wir haben den Rost der letzten Woche wohl abgeschüttelt."

Noch euphorischer als da Silva äußerte sich Trainer Pesic auf der Pressekonferenz. Die ersten 20 Minuten seien "die besten" gewesen, "seit ich hier bin", machte er klar. Ein besonderes Lob sprach er seiner Mannschaft dafür aus, die hohe Intensität des Gegners mitgegangen zu sein.
Gleiches erwarte er auch für das bevorstehende Spiel 3, bei dem die Bayern bereits einen Matchball zum Einzug ins Finale besitzen. Eine besondere Bedeutung dürfte diesem Spiel auch aufgrund der Parallelserie zukommen. Noch vor Bayerns zweitem Duell mit Bonn hatte Alba Berlin gegen Bamberg ebenfalls auf 2-0 erhöht. Um ausgeruhter in die entscheidende Serie der Saison gehen zu können, sei ein Sieg in Bonn ratsam.
"Ich glaube, wir tun gut daran, das Spiel zu gewinnen", so da Silva über die Partie am Donnerstagabend. "So haben wir mehr Zeit zu regenerieren und uns auf den Gegner vorzubereiten. Wir fahren auf jeden Fall mit dem Ziel nach Bonn, so schnell wie möglich die Serie zu beenden."
Julius Ostendorf