18.02.2011
12.200 Fans kommen zum Pro-A-Topspiel
Zumindest an diesem Wochenende steht die Basketball-Bundesliga im Schatten der zweitklassigen Pro A: Die Basketballer des FC Bayern München empfangen die Baskets aus Würzburg am Sonntag (14.30 Uhr) zum Spitzenspiel. Erwartet werden über 12.000 Zuschauer in der Olympiahalle, das Bayerische Fernsehen überträgt die Begegnung live. Die Bayern wollen im Aufstiegskampf eine Vorentscheidung herbeiführen, sich aber zeitgleich auch für die einzige Saison-Niederlage revanchieren.
Jede Menge Gründe, dieses Zweitliga-Spiel in den Fokus zu stellen. Der Aufstieg der Bayern ist nach den zahlreichen Stareinkäufen inklusive der Installation von Trainer-Ikone Dirk Bauermann ein Muss. Und da sich Klubchef Uli Hoeneß um die ganze Sache kümmert, scheint der Weg vorgezeichnet. In der kommenden Saison könnte der FCB bereits in der BBL für Furore sorgen und den deutschen Spitzenteams wie dem bayerischen Rivalen Bamberg mittelfristig den Rang ablaufen.
Zunächst muss jedoch Würzburg geschlagen werden. Die Geburtsstadt der lebenden deutschen Basketball-Legende Dirk Nowitzki würde auch gerne wieder im Oberhaus mitspielen und den Bayern nach oben folgen. Im Hinspiel rüttelten die zu Hause unbesiegten Unterfranken schon einmal erfolgreich am Thron, gewannen mit 63:55. Doch danach ließ sich der Krösus die Butter nicht mehr vom Brot nehmen, gewann 14 Partien in Folge und geht somit als Favorit ins Spiel.
"Wir gehen mit breiter Brust in das Spiel, richten uns aber auf ein physisches Spiel ein, in dem es 40 Minuten lang mit Haken und Ösen zugehen wird", erwartet Bauermann. 2000 Würzburger Anhänger werden in der seit Wochen ausverkauften Olympiahalle erwartet. Und die werden ihr Team nach vorne peitschen. "Die restlichen 10.000 müssen Vollgas geben und wie ein Mann hinter uns stehen", fordert Bauermann und hofft auf "eine Vielzahl solcher Events in München" für die Zukunft.
Einer seiner Stars, Nationalspieler Steffen Hamann, ist vor dem Spiel gegen seine fränkischen "Landsleute" besonders heiß: "Für eine solche Kulisse leben wir Sportler." Eine besondere Leistung soll auch künftig "so viele Menschen wie möglich in München zum Basketball bewegen". Immerhin wird die Basketball-Rekordmarke von 1993 geknackt, als Deutschland an Ort und Stelle durch den 71:70-Finalsieg über Russland überraschend Europameister und von 10.800 Fans gefeiert wurde.
Der Aufstieg scheint derzeit nur Formsache zu sein. Doch was wird danach aus dem Projekt "FC Bayern Basketball"? Denn es gibt zwei dicke Fragezeichen.
Die Hallenfrage zum Beispiel. Normalerweise spielen die Bayern in der 3200 Zuschauer fassenden Eissporthalle. Für die BBL und das wachsende Interesse zu klein. Die Olympiahalle, die normalerweise 8000 Fans fasst und für das Würzburg-Spiel zweimal ausgebaut wurde, ist häufig belegt. Derzeit befindet sich der Verein in Gesprächen mit der Stadt München über einen Umzug in die 7000 Zuschauer fassende Rudi-Sedlmayer-Halle, in der 1972 das olympische Basketballturnier ausgetragen wurde.
Die Entscheidung muss zügig fallen. Denn Mitte März müssen die Bayern die BBL-Lizenz beantragen und dabei die Spielstätte angeben. "Wir stehen unter riesengroßem Zeitdruck. Das ist eine ganz entscheidende Frage, um unser Projekt weiterzuführen", sagt Vizepräsident Bernd Rauch. Uli Hoeneß ist optimistisch: "Die Stadt will uns unterstützen."
Guter Dinge ist Hoeneß auch in der Trainerfrage. Denn im Aufstiegsfall darf Bauermann eigentlich nicht in Doppelfunktion als Bundes- und Klubtrainer arbeiten. In den nächsten Wochen soll es ein Gespräch zwischen den Verantwortlichen der BBL und Bayern München geben. Hoeneß: "Wir hoffen, eine Lösung zu finden, dass er beides machen kann. Und wenn nicht, gehen wir davon aus, dass er bei uns bleibt."
Nur bedingt verstehen kann Bauermann übrigens die Kritik an der Live-Übertragung. Unter anderem sein Ex-Verein Bamberg hatte bemängelt, dass zum Beispiel Brose-Spiele in der Euroleague nicht per Direktübertragung den Weg ins Fernsehen fanden, eine Pro-A-Partie hingegen schon. "Ich kann schon verstehen, dass sie sich darüber wundern", führte Bauermann gegenüber der "Mainpost" aus. Doch die Stärke der Marke FC Bayern sei eine große Chance für den deutschen Basketball. "Am Ende müssen alle erkennen, dass sie nur von diesem Basketball-Projekt beim FC Bayern profitieren können und werden. Dass ein Live-Spiel etwa zwischen Bayreuth und Bamberg im Bayerischen Fernsehen nicht möglich ist, liegt ja auch an den TV-Rechten."
Was rechnet sich eigentlich der Außenseiter am Sonntag in München aus? "Ich und die meisten unserer Spieler haben so etwas noch nicht erlebt", sagte Baskets-Trainer Marcel Schröder. "Wie es in so einer Atmosphäre für uns laufen wird, ist schwer vorherzusagen. Ich hoffe, dass die Kulisse bei uns noch ein paar zusätzliche Energien freisetzt." Seine Spieler werden jedoch keinesfalls nur als Fans in der Landeshauptstadt aufs Parkett gehen.
| Rang | Verein | Spiele | Korbverhältnis | Punkte | Heim | Auswärts | Letzte 10 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Bayern München | 20 | 1695:1321 | 39 | 9-0 | 10-1 | 10-0 |
| 2. | Würzburg Baskets | 20 | 1551:1342 | 36 | 10-0 | 6-4 | 8-2 |
| 3. | BV Chemnitz 99 | 20 | 1517:1418 | 33 | 7-3 | 6-4 | 7-3 |
| 4. | Ballers Osnabrück | 19 | 1724:1617 | 32 | 6-4 | 6-4 | 6-4 |
| 5. |
| VfL Kirchheim |
| 20 |
| 1674:1664 |
| 32 |
| 7-2 |
| 6-4 |
| 6-4 |
| 6. | Crailsheim Merlins | 20 | 1640:1600 | 32 | 6-3 | 6-5 | 8-2 |