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    Basketball - EuroLeague

    vor 26 Minuten

    Ernüchterung im Münchner Lager

    Bayern "graben sich wieder ein Loch" - und der Saison gleich mit

    Das Feuer der zweiten Halbzeit kam zu spät: Dubai Basketball schoss den FC Bayern mit einem EuroLeague-Rekord aus dem eigenen SAP Garden. Trainer Anton Gavel nimmt die Pleite auf seine Kappe, Sportdirektor Thorsten Leibenath sieht die größere Baustelle eindeutig in der Verteidigung. Warum die Münchner ausgerechnet dort so viel Platz lassen, hat mehr als nur einen Grund.

    Anton Gavel
    Anton Gavel ist seit dieser Saison Trainer des FC Bayern München. IMAGO/Beautiful Sports International

    Wer am Donnerstagabend pünktlich im SAP Garden saß, erlebte eine Partie, die nach 20 Minuten im Grunde entschieden war. Mit 91:107 (36:63) verlor der FC Bayern am 7. Spieltag der EuroLeague gegen Dubai Basketball, vor 9.154 Zuschauern. Es war die dritte Heimniederlage im dritten Heimspiel der EuroLeague-Saison. Schon das erste Viertel ging mit 14:29 verloren, zur Pause leuchteten 63 Gegenpunkte von der Anzeigetafel - die zweitmeisten Zähler in einer ersten EuroLeague-Halbzeit jemals! Neun Dreier und 18 Assists sammelten die Gäste bis zur Sirene, die Münchner leisteten sich im Gegenzug neun Ballverluste.

    Nach der Pause zeigten die Bayern immerhin eine Reaktion und gewannen das dritte Viertel mit 31:19. Näher als 15 Punkte kamen sie aber nicht mehr heran, der Schlussabschnitt ging knapp mit 24:25 an Dubai. Duane Washington war mit 17 Punkten bester Münchner Werfer, auf der Gegenseite traf Mfiondu Kabengele 24 Mal, Elie Okobo verteilte neun Assists.

    Die Abwehr als Baustelle

    Die Analyse fiel bei beiden Verantwortlichen ähnlich aus, nur unterschiedlich laut. "Defensiv war das desolat", sagte Gavel auf der Pressekonferenz und rechnete vor: "Wenn man 91 Punkte zu Hause macht, dann sollte man mindestens in der Nähe eines möglichen Sieges sein. Das war heute zu keinem Zeitpunkt der Fall." Vor allem die Trefferquoten des Gegners im Zweierbereich nannte der Coach schlicht "brutal".

    Leibenath sah es im Gespräch mit basketball-world.news nüchterner, aber in der Sache gleich. "Wir machen heute trotzdem, obwohl es sich nicht gut angefühlt hat, 91 Punkte. Ich glaube, die größeren Baustellen haben wir defensiv momentan", sagte der Sportdirektor. Seine Rechnung ist ebenso schlicht wie unbequem: Mehr als 107 Punkte werde man selten erzielen, deshalb müsse es zuerst darum gehen, dem Gegner das Leben schwerer zu machen.

    Die Zahlen geben beiden recht. Nach sieben Spielen in der Königsklasse kassieren die Münchner bislang im Schnitt 94,1 Punkte, zweimal ließen sie bereits 100 oder mehr Zähler zu. Nur vier Teams rangieren in dieser Kategorie noch vor den Münchnern. Dabei hat der deutsche Vizemeister die meisten Topteams sogar noch vor der Brust - darunter Panathinaikos, Olympiakos, Madrid und Valencia.

    Anton Gavel litt an der Seitenlinie gegen Dubai.
    Anton Gavel litt an der Seitenlinie gegen Dubai. IMAGO/Oryk HAIST

    Körpersprache und Fouls ohne Biss

    Was Gavel am meisten störte, war weniger das System als die Haltung. "Ich fand unsere Körpersprache, nachdem das nicht gut für uns gelaufen ist, nicht gut", sagte er. Man habe sich vorgenommen, aggressiver sein zu wollen als der Gegner, das sei dennoch nicht der Fall gewesen: "Wir haben zu viele einfache Layups und Fast Breaks zugelassen, die teilweise mit Dunks beendet wurden, und das geht nicht."

    Als Beleg diente dem Trainer eine unscheinbare Zahl. Bayern ging mit nur neun Fouls in die Halbzeitpause, und darunter sei kein einziges gewesen, bei dem man einen Gegner bewusst an die Freiwurflinie geschickt oder den eigenen Körper für ein Offensivfoul geopfert habe. Wer Stopps generieren wolle, gerade gegen Mannschaften mit so viel Qualität, müsse sich defensiv füreinander aufopfern.

    Den Spielausgang nahm Gavel dennoch auf seine Kappe: "Ich muss einen besseren Job machen, die Spieler vorzubereiten, weil es jetzt nicht das erste Mal passiert ist, dass wir uns ein Loch graben", sagte der Coach. Es sei bereits das zweite Spiel in Folge, in dem die erste Halbzeit nicht gut ausgesehen habe. Schon gegen Besiktas Istanbul in der Vorwoche rannten die Bayern einem deutlich zweistelligen Rückstand hinterher (zur Pause waren es -18). Zwar schnupperte das Team später noch an einer Aufholjagd, letztlich war die Hypothek allerdings zu groß.

    Bayern gegen Dubai nach Vierteln

    ViertelFC BayernDubai Basketball
    1. Viertel1429
    2. Viertel2234
    Halbzeit3663
    3. Viertel3119
    4. Viertel2425
    Endstand91107

    Leibenath verortet das Problem allerdings nicht allein auf der Verteidigungsseite. "Was auch auffällt, ist: Unsere Defensive wird besser, wenn die Offensive ins Laufen kommt", sagte er, das habe man in der zweiten Halbzeit gesehen. In der ersten Hälfte lief vorne dagegen wenig zusammen, laut Gavel versuchte sein Team "einfach, eins gegen eins zu spielen, was nicht funktioniert". Routinier Vladimir Lucic sah es ähnlich: Die Offensive sei zu eigensinnig gewesen und habe keine Lösung gegen Dubais Switch-Defense gefunden. Erst als der Ball nach der Pause mehr lief, fand Bayern laut Gavel bessere Würfe, und mit ihnen kam auch mehr Ordnung nach hinten.

    Dahinter steht ein Prozess, der länger dauert als geplant. Gavel ist seit dem Sommer Cheftrainer, der Kader hat viele neue Gesichter, das System ist neu. Leibenath räumte ein, man sei momentan nicht in der Lage, 40 Minuten guten Basketball zu spielen, und könne noch nicht genau sagen, welche Spieler das Team gut ins Spiel und welche es sicher nach Hause bringen: "Das ist ein Findungsprozess, in dem wir uns noch befinden. Der dauert definitiv länger als erhofft."

    Konstanz gesucht, Trainingszeit Mangelware

    Den Vorwurf, durch ständig neue Aufstellungen fehle es an Teamchemie, wies Leibenath allerdings zurück. Die Startformation habe schon sehr gute Anfänge hingelegt. Gegen Besiktas sei die Fünf konkurrenzfähig gewesen, ehe die Bank ins Hintertreffen geriet. Gegen Dubai war es umgekehrt, da brachten die Reservisten das Team in der zweiten Halbzeit (zumindest gedanklich) zurück: "Was uns definitiv fehlt, ist die Konstanz."

    Viel Zeit, daran zu arbeiten, bleibt nicht. "Wir müssen mit den Spielern reden, müssen Sachen zeigen", kündigte Gavel an, gleichzeitig fehle die Zeit für Training: "Du musst das irgendwie im Spiel machen." Der Spielplan ist gnadenlos, schon am Sonntag (16:30 Uhr) empfängt Bayern in der BBL die Towers Hamburg. Danach folgt eine EuroLeague-Doppelwoche mit Gewicht. Am Dienstag (20 Uhr) gastiert der FC Barcelona im SAP Garden, zwei Tage später geht es zu Roter Stern Belgrad. "Wir müssen ein anderes Gesicht zeigen am Dienstag", forderte Gavel, denn so könne man sich vor dem eigenen Publikum nicht präsentieren.

    Mit zwei Siegen und fünf Niederlagen stehen die Münchner in der Tabelle der EuroLeague im unteren Drittel, Dubai hat mit 5:2 die gegenteilige Bilanz. In der EuroLeague sei man "nicht da, wo wir gerne sein würden", gab Gavel zu. Leibenath setzt auf Siege, mit denen keiner rechnet. "Wenn wir in der Rückrunde weiterhin ein Wörtchen mitreden wollen, dann wird es natürlich wichtig, dass wir jetzt auch in der Hinrunde schon ein paar Überraschungen schaffen", sagte er. Dass das gelingen kann, hätten die Auswärtssiege bei Hapoel Tel Aviv und Anadolu Efes gezeigt. Klar ist aber auch: Die Zahl der Spiele, in denen sich das noch korrigieren lässt, sinkt mit jedem Spieltag.

    Julius Ostendorf