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    Basketball - EuroLeague

    vor 15 Stunden

    Washington in der Crunchtime nur auf der Bank

    Auf den Topscorer verzichtet - Gavels mutige Entscheidung ging auf

    Drei Niederlagen in Folge, zweimal in der Schlussphase den Kopf verloren - und dann sitzt in Istanbul ausgerechnet der beste Scorer draußen, als es ernst wird. Anton Gavel ließ Duane Washington beim 101:93 bei Anadolu Efes in der Crunchtime auf der Bank. Warum sich der Bayern-Trainer das traute und wer die Partie stattdessen nach Hause dirigierte, sagt viel über den Zustand seiner Mannschaft.

    Anton Gavel feierte mit dem FC Bayern den zweiten Sieg in der EuroLeague.
    Anton Gavel feierte mit dem FC Bayern den zweiten Sieg in der EuroLeague. IMAGO/Anadolu Agency

    An den Zahlen von Duane Washington lag es nicht. Der US-Guard war mit 21 Punkten erneut bester Werfer der Münchner, 14 davon allein in der ersten Hälfte, als er die Bayern mit Tempo und Transition-Angriffen auf Kurs brachte. Entsprechend verdiente sich der US-Amerikaner, der zuletzt die Hoffnungen auf eine DBB-Nominierung aufgeben musste, auch die MVP-Nominierung.

    Und doch saß er draußen, als Efes im Schlussviertel zur Aufholjagd blies. Den Ball führte in den entscheidenden Minuten Rokas Jokubaitis, der bis dahin - wohlgemerkt - keinen einzigen Punkt erzielt hatte. Am Ende standen allerdings neun Zähler und fünf Assists in rund 20 Minuten auf seinem Konto - alle Punkte erzielte der Litauer im letzten Viertel.

    Die Szene, die das Spiel entschied, kam knapp drei Minuten vor Schluss. Efes hatte nach einer erfolgreichen Challenge auf 85:90 verkürzt, die Halle in Istanbul witterte die Wende. Doch der machte Jokubaitis einen Strich durch die Rechnung und antwortete mit fünf Punkten am Stück. Den Schlusspunkt setzte er per Dreier zum 95:85 rund eine Minute vor dem Ende - der Dagger, nach dem Efes nicht mehr zurückkam.

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    Eine Saison voller Schlussviertel-Schrecken

    Gavels Mut erklärt sich aus der Vorgeschichte. Gegen Partizan Belgrad vor knapp zwei Wochen führten die Bayern schon mit 13 Punkten, vier Minuten vor dem Ende ebenfalls noch mit 81:74. Dann kassierten sie einen 0:9-Lauf, ein Fehlpass 24 Sekunden vor Schluss besiegelte die 84:86-Niederlage.

    Auch zum Auftakt in Sofia gegen Hapoel Tel Aviv hatte eine 18-Punkte-Führung nur mit Ach und Krach gehalten, Johannes Voigtmann rettete den 86:84-Sieg mit einem Dreier 34 Sekunden vor dem Ende. Nach der Partizan-Pleite brachte Johannes Thiemann das Muster auf den Punkt: Man habe es in zwei von drei Spielen geschafft, sich eine gute Führung herauszuspielen, "dann aber zweimal den Kopf verloren", so der Welt- und Europameister.

    Auch beim 87:94 gegen Virtus Bologna vergangene Woche wurde es am Ende eng, und wieder kosteten Ballverluste in den letzten Minuten die Chance auf mehr. Gavel klagte danach, man habe die Sachen, die man sich vorgenommen habe, "einfach nicht durchgezogen".

    Bayerns EuroLeague-Saison 2026/27

    SpieltagDatumGegnerOrtErgebnis aus Bayern-SichtSchlussphase
    124.09.2026Hapoel Tel AvivSofia86:84 (S)18-Punkte-Führung fast verspielt
    229.09.2026Fenerbahce IstanbulIstanbul76:100 (N)früh entschieden
    302.10.2026Partizan BelgradMünchen84:86 (N)13-Punkte-Führung verspielt
    408.10.2026Virtus BolognaMünchen87:94 (N)Ballverluste in enger Schlussphase
    514.10.2026Anadolu Efes IstanbulIstanbul101:93 (S)Führung über die Zeit gebracht

    Ruhe am Ball statt Feuer im Abschluss

    Genau dieses Muster wollte Gavel in Istanbul durchbrechen, und er tat es mit einem Spielmacher statt mit einem Vollstrecker. "Das Wichtigste war, dass wir nicht in Panik geraten sind, als wir zweistellig geführt haben", sagte der Trainer nach der Partie im EuroLeague-Interview. In den letzten Spielen sei seine Mannschaft in solchen Situationen in Panik geraten und habe verloren - diesmal habe sie "die Ruhe bewahrt".

    Gavel wird sich in seiner Entscheidung, anstelle von Washington letztlich Jokubaitis in den entscheidenden Momenten aufgestellt zu haben, daher sicherlich bestätigt fühlen. Und das zurecht. Der Spielmacher verpasste den Münchnern in eben jener Phase Struktur, in der man zuletzt so häufig eingebrochen war.

    Zugleich hinterließ der 25-Jährige den Eindruck, dass er doch immer näher an seine Normalform kommt. Der Shootingstar der Europameisterschaft 2025 hatte sich beim Turnier in Lettland das Kreuzband gerissen und anschließend die komplette vergangene Saison verpasst. Seit Beginn dieser Spielzeit ist er zurück, wenngleich der Start für ihn eher schleppend verlief. Gegen Belgrad und Bologna erhielt er zuletzt nur 20 Minuten - zusammen!

    Seine jüngsten Aussagen, ein Anführer der Mannschaft sein zu wollen, klangen daher mehr nach Wunschdenken. Dass das nicht stimmt, stellte er nun eindrucksvoll unter Beweis.

    Washington nimmt es sportlich

    Der Mann, der die Schlussminuten von draußen verfolgte, trug die Entscheidung erkennbar mit. "Ich bin einfach froh, dass wir wieder auf der Siegerstraße sind", sagte Washington nach dem Spiel. Der Sieg sei ein "großer Moralschub" für den Auswärtstrip - auch ganz unabhängig von Gavels Pro-Jokubaitis-Contra-Washington-Entscheidung.

    Und da ist durchaus etwas dran. Mit 101 Punkten gelang den Münchnern ein neuer Bestwert in der (EuroLeague-)Gavel-Ära. Anders als in den Vorwochen war diesmal deutlich mehr Tempo in den Angriffen und der Ball bewegte sich von einer Hand in die nächste.

    Andreas Obst, mit 20 Punkten und sechs Assists zweitbester Bayern-Werfer, beschrieb den Geist des Abends dementsprechend. Man habe "richtig gespielt", in der Verteidigung kommuniziert und den Ball im Angriff geteilt, jeder habe ein bisschen mehr übernommen. Über seine eigene Rolle sagte er: "Manchmal berühre ich den Ball nicht einmal und öffne trotzdem etwas für meine Mitspieler."

    Viel Zeit zum Feiern bleibt den Münchnern allerdings nicht. Bereits am Freitag um 19 Uhr treffen Obst, Washington, Jokubaitis und Co. in derselben Halle auf Besiktas Istanbul, am Sonntag wartet das Pokal-Achtelfinale in Hamburg. Ob Trainer Gavel dabei nochmal sein Bankgeheimnis lüftet, wird die spannende Frage sein.

    Julius Ostendorf