06.10.2025
Die Offseason der Pistons im Detail
Die Euphorie in Detroit ist zurück. Nach 44 Siegen und dem ersten Sieg einer Playoff-Serie seit 2008 glaubt die Stadt wieder an Erfolge. Cade Cunningham führt ein junges Team, das vor Potenzial strotzt, aber auch noch Lehrgeld zahlen könnte. Können die Pistons die Leistung bestätigen oder war das Comeback nur eine Momentaufnahme?

Nach einem der größten Turnarounds der jüngeren NBA-Geschichte gehen die Detroit Pistons mit viel Selbstvertrauen in die neue Saison. Von 14 auf 44 Siege und doch blieb das Front Office unter Trajan Langdon im Sommer ruhig.
Der Fokus lag auf Feinarbeit statt Umbruch. Mit Caris LeVert kam ein erfahrener Ballhandler als Ersatz für Schröder, während Duncan Robinson per Sign-and-Trade aus Miami für dringend benötigtes Shooting sorgt. Der 39,7-Prozent-Schütze soll den Abgang von Tim Hardaway Jr. kompensieren. Zudem stieß Javonte Green als defensivstarker Flügelspieler dazu. Auch Paul Reed wurde gehalten, nachdem er sich in den Playoffs als solider Backup für Isaiah Stewart bewährte. Im Draft wählten die Pistons Chaz Lanier (37. Pick), ein talentierter Scorer mit gutem Wurfpotenzial. Auf der Abgangsseite stehen neben Schröder und Hardaway Jr. auch Simone Fontecchio und Lindy Waters III.
Zugänge: Duncan Robinson (Heat), Caris LeVert (Hawks), Javonte Green (Cavaliers)
Abgänge: Dennis Schröder (Kings), Malik Beasley, Tim Hardaway Jr. (Nuggets)
Die Philosophie in Detroit hat sich geändert. Statt nach jedem Fortschritt hektisch nachzurüsten, vertraut man auf nachhaltiges Wachstum. Cade Cunningham bleibt der zentrale Baustein dieser Vision. Nach seiner ersten All-Star-Saison soll er das Team noch stärker führen. Dass das Management keine großen Trades einfädelte, ist für ihn selbst als Vertrauensbeweis zu werten.
Mit Ivey, Duren, Ausar Thompson und Ron Holland II. wächst um Cunningham herum eine der spannendsten jungen Achsen der Liga. Besonders Thompson dürfte von seiner ersten gesunden Offseason profitieren. Defensiv bringt er durch seine Athletik und Energie genau das mit, was den Pistons in engen Spielen oft gefehlt hat.
Detroit gehört zu den Aufsteigern im Osten, doch der nächste Schritt wird schwieriger. Die Konkurrenz ist stärker geworden und der Überraschungseffekt ist weg.

Die große Hoffnung liegt auf der Rückkehr von Jaden Ivey, der sich Anfang des Jahres das Bein brach und fast die komplette zweite Saisonhälfte verpasste. Vor seiner Verletzung legte der Guard starke 17,6 Punkte bei 40,9 Prozent von der Dreierlinie auf. Seine Entlastung für Cunningham wird entscheidend sein, um dessen hohe Ballhandling-Last zu reduzieren.
Auch Shooting bleibt ein Thema: Duncan Robinson bringt zwar Qualität, doch der Verlust von Beasley und Hardaway Jr. hat Lücken hinterlassen. Sollte die Offensive stagnieren, wird Detroit womöglich nachjustieren müssen. Positiv: Der Cap bleibt flexibel, langfristige Verträge wurden bewusst vermieden. Ein Zeichen, dass Langdon den nächsten großen Schritt strategisch timen will.
Detroit hat die Talente, um sich im Osten dauerhaft zu etablieren. Cunningham ist ein Franchise-Star, Duren entwickelt sich zum Double-Double-Monster und Ivey bringt Scoring und Athletik zurück ins Backcourt-Duo. Mit etwas Glück bei der Gesundheit und weiterer Entwicklung der jungen Flügelspieler könnte Detroit wieder im Bereich der Plätze 5 bis 7 landen.
Doch klar ist auch: Das Ziel ist nicht der kurzfristige Erfolg, sondern die nachhaltige Etablierung. Ein Rückschritt auf dem Papier wäre verkraftbar, solange der Kern weiter wächst.
Lukas Hetterich