vor 17 Stunden
Außenseiter gleicht die Serie aus
Die Atlanta Hawks haben die Serie mit den New York Knicks ausgeglichen. Die Hawks sind das seltene Ensemble ohne echten Star - und doch haben sie alle Mittel, um New York das Leben schwer zu machen. Warum?

Am Ende machte es Atlanta unnötig spannend, als New Yorks neuer Staatsfeind Nr. 1 C.J. McCollum in den Schlusssekunden gleich zwei Freiwürfe am Stück liegenließ und Mikal Bridges so noch die Chance auf einen Gamewinner hatte. Die Knicks hatten jedoch keine Auszeit mehr und mussten schnell umschalten, weswegen es ein schwieriger Fadeaway aus der Mitteldistanz wurde.
So bog Atlanta dann doch noch einen 14-Punkte-Rückstand im vierten Viertel um und lieferte dabei womöglich die Blaupause für sich selbst. Starter Dyson Daniels wurde im Schlussabschnitt auf die Bank gesetzt, stattdessen war Jonathan Kuminga der fünfte Mann in der Aufstellung der Gäste und gab dem Team ganz neue Möglichkeiten.
Der Vorteil: Atlanta gab Knicks-Star Jalen Brunson keine Chance, sich zu verstecken. Bei aller defensiver Stärke von Daniels bleibt er offensiv ein Minusspieler, der nicht werfen will und somit die eigene Offense torpediert. Das ist vor allem dann schwierig, wenn das eigene Team keinen echten Superstar hat, der im Alleingang Vorteile kreieren kann.
Die Hawks sind inzwischen ein Ensemble, gewissermaßen ein Übergangsteam mit vielen guten, aber keineswegs herausragenden Spielern. Sinnbildlich dafür steht McCollum, der mit 32 Punkten zum Matchwinner mutierte. Ein toller Scorer, der über seine Karriere fast 20 Zähler im Schnitt erzielt, aber mit 34 Jahren weiter auf sein erstes All-Star Game wartet.
Der kleine Shooting Guard war im Trade von Trade Young quasi nur der Gegenwert, um den Deal möglich zu machen. Vermutlich hätte jedes andere Playoff-Team McCollum mit seinem auslaufenden Vertrag zu einem kleinen Preis haben können. Dass das Interesse nicht besonders groß war, hat Gründe, weil McCollum als kleiner Zweier mit limitierter Defense nicht überall passt.
In Atlanta ist das anders, mit Daniels und Nickeil Alexander-Walker haben die Hawks viele große Guards sowie einen athletischen Frontcourt, um diese Defizite zu kaschieren. New York schaffte es auch zu selten, McCollum in das Brunson-Matchup zu verwickeln. Zwar erzielte Brunson im Schlussabschnitt zehn Zähler, doch der Rest des Teams erzielte nur fünf. Wirkliche Vorteile wurden nicht kreiert.

Und Atlanta? Die Gäste jagten gnadenlos das Duell mit Brunson und waren hier immer wieder erfolgreich. So gut Brunson offensiv sein kann, seine defensiven Mängel wurden in Spiel 2 schonungslos offen gelegt. Atlanta bot in dieser Hinsicht auch wenig Angriffsfläche, da im Closing Lineups alle Spieler Gefahr ausstrahlten und damit ein Doppeln für die Knicks schwer machten.
Kuminga (19) war in dieser Hinsicht ein X-Faktor, gleichzeitig testeten die Knicks viel zu selten, ob der Forward auch wirklich Dreier nehmen und treffen kann. Gleiches gilt für All-Star Jalen Johnson, der zwar 17 Punkte erzielte, dennoch aber kaum ein Faktor war. New York wird aus diesem Spiel seine Lehren ziehen, ein Spaziergang wird diese Serie definitiv nicht.
Die Abhängigkeit von Brunson bleibt bestehen, das muss sich ändern, wenn es ein tiefer Run in den Playoffs werden soll. Zwar punkteten alle Starter zweistellig, doch zu oft verließ man sich wieder auf den Spielmacher, dass er Vorteile kreiert. Das gelang zu selten, vor allem im vierten Viertel und war letztlich der Knackpunkt, dass die Knicks tatsächlich noch verloren.
Robert Arndt