29.05.2025
Vor Heim-EM 2026
Frauen-Basketball, das war in Deutschland ganz lange eine dauerhafte Erfolglosigkeit. Zumindest das Nationalteam hat das geändert. In der EM-Vorbereitung ergibt sich eine kuriose Konstellation.

Für einen Vormittag dürften sich die deutschen Basketballerinnen ein wenig in die triste Vergangenheit zurückversetzt gefühlt haben. In einer beschaulichen Trainingshalle in Strullendorf bei Bamberg läuft das vom Verband angekündigte Medientraining - und das Interesse an der Einheit mit Sparringspartnern aus Coburg und aus Jugendteams ist verschwindend gering. Kurz vor Beginn hat auch noch das einzig angemeldete Kamerateam abgesagt.
So sieht nur ein enger Kreis, wie Olympia-Teilnehmerin Alexandra Wilke in dem intensiven Training eine Platzwunde davonträgt und mit blauem Turban davonschleicht. Und wie akribisch und energisch Bundestrainerin Lisa Thomaidis aus Kanada in ihrem dritten Jahr an dem ambitionierten Ziel arbeitet, das nach Jahrzehnten der Tristesse durchaus verwundert: einen Podiumsplatz bei der Heim-EM.
"Unser Ziel ist eine Medaille, das wäre ein großer Schritt für uns. 2023 wollten wir nur zeigen, dass wir zurecht im Turnier stehen. Kein anderes Team hat sich seither so sehr verbessert wie wir. Es ist atemberaubend, was dieses Team hinbekommen hat", sagte Thomaidis der Deutschen Presse-Agentur.
Die EM mit Vorrundengruppe in Hamburg sowie Endrunde in Piräus (18. bis 29. Juni) ist dabei nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur Heim-WM, die im September 2026 komplett in Berlin steigt. Über den bisherigen Weg und den sprunghaften Aufstieg ihrer Mannschaft sagte die Kanadierin: "Dann ist alles explodiert. Das Wachstum dieses Teams ist gewaltig."
Die Zeit in der Nische soll endgültig vorbei sein - und es gibt einige Hinweise, die auf eine solche Entwicklung hindeuten. Die drei deutschen EM-Spiele in Hamburg am 19., 20. und 22. Juni sind bereits ausverkauft. Der in diesem Sommer fehlenden Satou Sabally ("Crunchtime") und Marie Gülich ("Gamechangerin") wurden bereits Dokumentationen bei ARD und ZDF gewidmet.
"Ich würde fast sagen, es ist ein Geschenk, aber das Wort passt nicht, weil wir haben es uns hart erarbeitet", sagte Gülich, die sich zuletzt bei ihrer Station in Taiwan neue Impulse geholt hat.
Nachdem die Basketballerinnen aufgrund von fehlender Qualität zwölf Jahre lang überhaupt nicht an großen Turnieren teilgenommen hatten, heißt es nun innerhalb von vier Jahren: EM, Olympia, Heim-EM, Heim-WM. "Wenn man mich vor fünf Jahren gefragt hätte, hätte ich gesagt: Als ob", schilderte die 31 Jahre alte Gülich. Die EM sei ein "Karriere-Höhepunkt".
Bevor es Mitte Juni sportlich ernst wird, steht am Samstag (18 Uhr) in Bamberg der erste Test gegen Tschechien auf dem Plan. Schon für dieses Spiel werden knapp 2.000 Zuschauer erwartet.
Neben der Absage von Starspielerin Satou Sabally gibt es in der Vorbereitung einen weiteren Haken: die anderen WNBA-Spielerinnen Nyara Sabally, Leonie Fiebich und Luisa Geiselsöder werden erst ganz kurz vor EM-Beginn in Deutschland eintreffen, weil in Nordamerika die Saison läuft.
Das wäre - auf den Fußball übertragen - so, als ob die Auslandslegionäre Kai Havertz und Antonio Rüdiger erst zwei Tage vor der WM per Übersee-Flug zur Nationalelf von Bundestrainer Julian Nagelsmann jetten. Und das, weil die Auslandsligen in England und Spanien keine Rücksicht auf das große Turnier nehmen.
"Das ist richtig, richtig hart. Uns fehlen drei enorm wichtige Puzzleteile bis kurz vor dem Turnier", beschrieb Thomaidis die Schwierigkeit. Bei den Vorbereitungsspielen kann die versierte Trainerin immerhin testen, wie gut das Team ohne das Trio funktioniert. Ein echter Gradmesser dürfte aber erst der EM-Start gegen Schweden werden.
DPA