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Die Offseason der Pistons in der Analyse
Die Detroit Pistons gewannen in der vergangenen Saison 60 Spiele und sicherten sich den ersten Platz im Osten, scheiterten in den Playoffs aber erneut in der zweiten Runde. Mit mehreren neuen Rollenspielern soll der nächste Anlauf gelingen. Die wichtigste Baustelle konnte das Front Office bislang jedoch nicht beheben.

Nach einer dominanten regulären Saison entschied sich Detroit gegen den großen Transfer und veränderte stattdessen mehrere Teile seiner Rotation. Der prominenteste Neuzugang ist John Collins, der Tobias Harris auf der Vier ersetzen soll. Collins bringt weniger Eins-gegen-eins-Scoring mit, ist dafür jünger, athletischer und traf in den vergangenen beiden Spielzeiten 40 Prozent seiner Dreier.
Auch Isaiah Joe kam nach Detroit. Der frühere Guard der Oklahoma City Thunder gehört zu den besten Distanzschützen der Liga und soll das Spacing um Cade Cunningham verbessern. Mit Taurean Prince und Gary Harris (kürzlich jedoch entlassen) verpflichteten die Pistons zudem zwei erfahrene Flügelspieler, die Shooting, Defense und Playoff-Erfahrung mitbringen.
Im Gegenzug verlor Detroit mit Tobias Harris und Isaiah Stewart zwei wichtige Veteranen. Harris war ein verlässlicher Scorer und Führungsspieler, Stewart verkörperte die physische Identität des Teams. Auch Caris LeVert und damit ein weiterer Ballhandler verließen die Franchise.
Im Draft wählten die Pistons an Position 17 Guard Ebuka Okorie. Center Ugonna Onyenso kam als weiteres Talent hinzu, Elijah Harkless erhielt einen Two-Way-Vertrag. Die wichtigste Personalfrage ist weiterhin offen: Restricted Free Agent Jalen Duren und Detroit konnten sich bislang nicht auf einen neuen Vertrag einigen, inzwischen steht sogar ein möglicher Sign-and-Trade-Deal im Raum.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| C. Cunningham | D. Robinson | A. Thompson | J. Collins | J. Duren* |
| D. Jenkins | I. Joe | K. Huerter | T. Prince | P. Reed |
| E. Okorie | J. Green | R. Holland II | ||
| C. Lanier | T. Smith III |
*Die Vertragsverhandlungen mit Restricted Free Agent Jalen Duren sind noch nicht abgeschlossen.
Zugänge: John Collins (Clippers), Isaiah Joe (Thunder), Taurean Prince (Bucks)
Abgänge: Tobias Harris (Spurs), Isaiah Stewart (Grizzlies), Caris LeVert (Bucks), Marcus Sasser (Mavericks)
Draft: Ebuka Okorie (#17)
Extension: Javonte Green (1 Jahr, 3,9 Mio. Dollar), Kevin Huerter (3 Jahre, 27 Mio.), Ausar Thompson (5 Jahre, 155 Mio.)
Offene Personalie: Jalen Duren (Restricted Free Agent)
Die Pistons wollen sich vom Überraschungsteam zum dauerhaften Titelkandidaten entwickeln. Im Mittelpunkt steht weiterhin Cade Cunningham. Vor seiner kollabierten Lunge im März gehörte der Point Guard zum erweiterten Kreis der MVP-Kandidaten. In 64 Spielen kam er auf durchschnittlich 23,9 Punkte, 9,9 Assists und 5,5 Rebounds.
Die Neuzugänge sollen ihm vor allem mehr Platz verschaffen. Joe und Prince können offene Würfe bestrafen, dazu ist Duncan Robinson weiter da. Ein zweiter verlässlicher Shotcreator fehlt allerdings weiterhin. In den Playoffs konnten gegnerische Teams ihre Defensive deshalb nahezu vollständig auf Cunningham ausrichten.
John Collins könnte zum X-Faktor werden. Als athletischer Finisher und gefährlicher Distanzschütze bietet er im Zusammenspiel mit Cunningham mehr offensive Variabilität. Gleichzeitig muss er zeigen, dass er in einem ambitionierten Team auch defensiv zuverlässig agieren kann.
Auch Ausar Thompson steht vor einer wichtigen Saison. Der Forward führte die NBA zuletzt mit 2,0 Steals pro Spiel an und gehörte zu den Finalisten für den Defensive Player of the Year Award. Verbessert er seinen Wurf, könnte er sich zu einem starken Two-Way-Spieler entwickeln.

Die größte Baustelle ist der fehlende zweite Star. Detroit hatte offenbar Interesse daran, Cunningham einen weiteren hochklassigen Scorer zur Seite zu stellen (unter anderem wurde bei Kawhi Leonard angeklopft), konnte aber keinen entsprechenden Transfer realisieren. Kommt Cunningham erneut unter massiven defensiven Druck, fehlt weiterhin ein Spieler, der eigenständig Würfe für sich und seine Mitspieler kreieren kann.
Auch die Abgänge von Harris und Stewart könnten stärker ins Gewicht fallen, als es die reinen Statistiken vermuten lassen. Harris brachte Ruhe und verlässliches Scoring, Stewart Härte, Rim-Protection und emotionale Energie. Collins verbessert die Athletik und das Shooting, ist aber weder ein gleichwertiger Eins-gegen-eins-Verteidiger noch ein klassischer Beschützer des Rings.
Hinzu kommt die außergewöhnlich gute Gesundheit des Kaders in der vergangenen Saison. Die acht meistgenutzten Spieler absolvierten in der vergangenen Saison jeweils mindestens 72 Partien oder kamen auf wenigstens 1700 Einsatzminuten. Eine ähnlich hohe Verfügbarkeit ist nicht garantiert.
Detroit besitzt weiterhin eine starke Defensive und hat sein Shooting verbessert. Cunningham gehört zur erweiterten Weltspitze, Thompson kann Spiele defensiv prägen und Collins bringt ein neues Element in die Offensive. Ein Platz unter den besten vier Teams im Osten ist realistisch.
Für den Sprung in die Conference Finals fehlt aber weiterhin ein zweiter Shotcreator. Entweder muss einer der jungen Spieler überraschend explodieren oder das Front Office an der Trade-Deadline nachlegen. Ansonsten droht den Pistons erneut das Aus in der zweiten Playoff-Runde.
Lukas Hetterich