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    Basketball - BBL

    vor 5 Stunden

    Offseason im Detail

    Alle Topscorer weg: Kann Würzburg den nächsten Umbruch verkraften?

    Die Fitness First Würzburg Baskets haben ihre drei besten Scorer und fast ihr gesamtes kreatives Zentrum verloren. Sasa Filipovski muss deshalb mal wieder aus vielen unbekannten Namen ein Playoff-Team formen.

    Seit Dezember 2021 Trainer der Würzburg Baskets: Sasa Filipovski.
    Seit Dezember 2021 Trainer der Würzburg Baskets: Sasa Filipovski. IMAGO/Christoph Worsch

    Würzburg Baskets: Was wurde in der Offseason gemacht?

    Auf den ersten Blick wirkt Würzburgs Sommer wie ein fast kompletter Neustart. Nach Platz fünf in der Hauptrunde und dem knappen Viertelfinal-Aus gegen Bonn verließen sechs wichtige Spieler den Klub. Darunter befinden sich mit Marcus Carr, Davion Mintz und Brae Ivey die drei besten Scorer der vergangenen Saison.

    Carr war mit 16,7 Punkten und 5,7 Assists der wichtigste Ballhandler und Go-to-Guy. In der Champions League steigerte er sich sogar auf 17,5 Punkte und 6,7 Vorlagen. Mintz legte 16,2 Punkte auf und traf 42 Prozent seiner Dreier, Ivey kam auf 11,1 Zähler sowie 1,5 Steals. Gemeinsam erzielte das Trio beinahe 44 Punkte pro Partie.

    Auch auf dem Flügel und unter dem Korb ging viel Substanz verloren. Johnathan Stove stand in allen 55 Pflichtspielen in der Starting Five, David Muenkat war mit fünf Rebounds der beste Würzburger Rebounder. Der frühere Kapitän Eddy Edigin wechselte nach Braunschweig.

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    Viel Neues und wenig BBL-Erfahrung

    Die größte Herausforderung liegt auf den Guardpositionen. Keiner der vorgesehenen Nachfolger für Marcus Carr, Davion Mintz und Brae Ivey hat bisher eine bedeutende Rolle in der BBL übernommen. Kenny Dye soll das Spiel organisieren und bringt ein passorientiertes Profil mit. Am College stellte er bei den Queens Royals mit 1897 Punkten und 675 Assists zwei Rekorde auf. Calvin Wishart kennt nach seinen Stationen im Würzburger Nachwuchsprogramm und in Koblenz zumindest den deutschen Basketball, muss sich aber ebenfalls erst auf Erstliga-Niveau beweisen.

    Sam Griffin soll vor allem die verlorenen Punkte auffangen. Nach seiner College-Zeit bei Wyoming sammelte der Guard Profierfahrung in Griechenland, Spanien und der Türkei. Beim 101:98 nach Verlängerung gegen Kirchheim erzielte er 21 Punkte und traf sechs Dreier. Max Jones ergänzt den Backcourt als 1,96 Meter großer Guard und Flügelspieler. Mit Manchester erreichte er zuletzt das ENBL-Finale, das englische Pokalfinale und das nationale Halbfinale.

    Würzburg Baskets: So könnte die Rotation aussehen

    PGSGSFPFC
    K. DyeS. GriffinM. JonesE. Colbert IIIC. Thompson
    C. WishartL. HerzogB. TischlerM. OgunsipeL. Saffer
    J. ScheffsL. LicanA. PjanicC. SkladanowskiA. Kayser
    M. PetricP. Plato

    Auf den großen Positionen bildet Eddie Colbert III gemeinsam mit Charles Thompson das neue Zentrum. Colbert erzielte für den belgischen Klub Okapi Aalst knapp 17 Punkte pro Partie und kann aus der Distanz und auch mit dem Ball angreifen. Thompson bleibt der defensive Fixpunkt. Mit Marvin Ogunsipe, Christian Skladanowski und dem 2,12 Meter großen Leo Saffer hat Würzburg weitere körperliche Optionen. Trotzdem muss die neu zusammengestellte Frontcourt-Rotation ihre Qualität beim Rebounding erst beweisen. Im letzten Test sammelte Kirchheim 17 Offensivrebounds und erarbeitete sich dadurch viele zweite Chancen.

    Wichtig ist deshalb auch Brandon Tischler. Der deutsche Flügelspieler kam aus Ludwigsburg, kann mehrere Positionen verteidigen und beim Rebound helfen. Gemeinsam mit Kapitän Alen Pjanic, Lukas Herzog, Skladanowski und Saffer verbreitert er die deutsche Rotation und ermöglicht Filipovski flexiblere Importkombinationen. Tischler deutete sein Potenzial gegen Kirchheim mit 13 Punkten und zwei Dreiern an.

    Würzburg Baskets: Zu- und Abgänge

    Zugänge: Brandon Tischler (Ludwigsburg), Max Jones (Manchester Basketball), Calvin Wishart (Koblenz), Sam Griffin (Merkezefendi Basket), Kenny Dye (Steaua Bukarest), Eddie Colbert III (Okapi Aalst), Marvin Ogunsipe (Crailsheim)

    Abgänge: Clemens Sokolov (Indiana/NCAA), Eddy Edigin (Braunschweig), Johnathan Stove (Rostock), Davion Mintz (Dubai), Brae Ivey (Denizli), David Muenkat (Hamburg), Marcus Carr (Bologna)

    Verlängerung: Alen Pjanic (bis 2028)

    Würzburg bleibt seiner Linie treu

    Die Franken verfolgen seit Jahren ein klares und erfolgreiches Modell: Sportdirektor Kresimir Loncar verpflichtet Spieler aus kleineren Ligen oder ohne tragende Rolle bei größeren Klubs, Filipovski gibt ihnen Verantwortung und formt daraus eine intensive Defensivmannschaft. Damit erreichten die Baskets 2024 und 2025 das Halbfinale, belegten zuletzt trotz der Doppelbelastung durch die Champions League Rang fünf und zwangen Bonn im Viertelfinale in ein fünftes Spiel. Diesmal ist das Risiko größer, dafür wirkt die neue Mannschaft auf dem Flügel variabler und könnte den Ball stärker teilen, anstatt von einem dominanten Spielmacher abhängig zu sein.

    Sam Griffin soll der neu formierten Würzburger Offensive wichtige Impulse geben.
    Sam Griffin soll der neu formierten Würzburger Offensive wichtige Impulse geben. IMAGO/HMB-Media

    Würzburg Baskets: Prognose

    Würzburg hat genügend Qualität, um wieder um die direkten Playoff-Plätze zu spielen. Der Trainer, das System und ein Teil des deutschen Kerns sind geblieben. Thompson, Pjanic und Herzog kennen die Anforderungen, Tischler und die neuen Imports machen das Team athletisch und offensiv vielseitig. Für einen sicheren Platz unter den besten sechs gibt es aber zu viele offene Fragen. Eine lange Eingewöhnungsphase bekommt die neue Mannschaft nicht: Am 14. September trifft Würzburg in der ersten Runde des BCL-Qualifikationsturniers auf Manchester Basketball. Nur eines der 16 teilnehmenden Teams erreicht die Hauptrunde.

    Die größte Stärke bleibt Filipovski. Kaum ein anderer BBL-Trainer hat in den vergangenen Jahren so zuverlässig neu zusammengestellte Mannschaften in kurzer Zeit konkurrenzfähig gemacht. Gerade deshalb sollte Würzburg trotz des großen personellen Verlusts nicht abgeschrieben werden. Ein Platz zwischen sechs und neun erscheint derzeit am realistischsten.

    Lukas Hetterich