vor 17 Stunden
Kader strotzt vor Routine
Die Rostock Seawolves brechen in ein neues Abenteuer auf. Erstmals wird der Verein von der Ostsee im EuroCup antreten. Diese Perspektive half, um einige Schlüsselspieler zu halten und erstmals in der Vereinsgeschichte die Playoffs anzupeilen.

Coach Przemyslaw Frasunkiewicz fand auf der Auftakt-Pressekonferenz deutliche Worte: "Ich bin überzeugt, dass dies unsere beste Saison werden wird - die beste der drei Spielzeiten, seit ich hier bin", kündigte der Pole an. Nach Platz zehn und neun soll es diesmal also in die Playoffs gehen, es wäre in der fünften BBL-Saison die erste Teilnahme.
Eine Premiere gibt es aber schon viel früher, wenn die Seawolves nach zwei Auftritten im FIBA Europe Cup nun unter dem Dach der EuroLeague im zweitklassigen EuroCup an den Start gehen werden. Dort bekamen die Hanseaten zunächst eine Lizenz über ein Jahr. Wir gehen mit Respekt an die Herausforderung, aber auch mit dem unerschütterlichen Willen, diesen nächsten Schritt für unseren Klub zu gehen", sagte Sportvorstand Jens Hakanowitz.
Gleichzeitig bedeutet das auch 14 weitere garantierte Spiele, was die Belastung deutlich nach oben schraubt. Dafür braucht es eine ordentliche Personaldecke, doch signifikant vergrößert wurde der Kader nicht. Immerhin: Topscorer T.J. Crockett konnte gehalten werden, dazu haben Säulen wie DeAndre Lansdowne oder der in der Vorsaison lange verletzte Robin Amaize noch einen Vertrag.
Dass Rostock sieben Rotationsspieler halten konnte, ist nicht gewöhnlich und könnte in der kommenden Saison helfen, wenn sich andere Teams erst noch finden müssen. Punktuell wurde zudem aufgerüstet. Aus Italien kam mit Zach Copeland ein personifizierter Scorer, der estnische Nationalspieler Artur Konuntsuk und Johnathan Stove kennen die Bundesliga ebenfalls bestens.
Gleich acht Spieler sind mindestens 29 Jahre alt, diese Routine sollte helfen, wenn sich Rostock auch international mit besseren Teams messen muss. Auf der Abgangsseite schmerzen lediglich die Verluste von Flügelscorer D’Shawn Schwartz, dem polnischen Guard Lukasz Kolenda und Andy VanVliet. Der belgische Center hatte mit Verletzungen zu kämpfen, war aber als Werfer von der Fünf durchaus wertvoll. Youngster Bent Leuchten und Philipp Hartwich werden hier im Kollektiv die Minuten ersetzen müssen.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| D. Lansdowne | Z. Copeland | J. Stove | A. Konuntsuk | O. Klassen |
| TJ Crockett | D. Lockhart | R. Amaize | T. Withers | B. Leuchten |
| E. Baggette | M. Freitag | M. Tilsen | B. Baumgarth | P. Hartwich |
| I. Owens | B. Loll |
Zugänge: Artur Konontsuk (Bursaspor), Zach Copeland (Brindisi), Johnathan Stove (Würzburg), Philipp Hartwich (Braunschweig), Todd Withers (Canterbury)
Abgänge: Jonas Zilinskas (California Baptist/NCAA), Oshane Drews (Ludwigsburg), Kassim Nicholson, Phil Greene IV, Sid-Marlon Theis (Towers), D'Shawn Schwartz (Southeast Melbourne Phoenix), Lukasz Kolenda (Manresa), Luis Wulff, Jalen Page, Andy VanVliet (Granada)

Die Rostocker schwimmen ein wenig gegen den Trend. Während viele BBL-Klubs in den vergangenen Jahren in kleineren Ligen US-Amerikaner mit Potenzial verpflichteten, setzen die Hanseaten klar auf Routine und BBL-Erfahrung. Mit Forward Todd Withers hat nur ein Spieler noch nie Bundesliga gespielt. Rostock dürfte wie im Vorjahr ein sehr physisches Team sein, welches hinten stabil steht.
In Crockett und Copeland besitzen die Rostocker zudem zwei Guards, die Spiele im Alleingang entscheiden können. Beide sind allerdings auch nicht die besten Passgeber, hier wird viel Last auf den Schultern von Lansdowne lasten. Dazu bleibt die Frage, wie man den Scoring-Punch von Schwartz ersetzen möchte. Amaize kann das, fehlte aber zu oft verletzt, während Konuntsuk ein anderer Spielertyp ist.
Dennoch haben die Rostocker genügend Optionen, um erneut eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen. Im Kader wie auch auf der Trainer-Position (dritte Saison für "Coach Franz") herrscht Kontinuität, das kann sich auszahlen. Die Seawolves werden wieder eines der Teams sein, welches hinter der Spitzengruppe zu verorten ist. Das Team ist einigermaßen breit aufgestellt, deutlich besser als zum Beispiel die Towers in ihren EC-Jahren. Für die Play-Ins sollte das reichen, mit ein bisschen Glück ist auch die erste Playoff-Teilnahme der Vereinsgeschichte drin.
rar