11.06.2012
Bamberg: Nach dem Double-Gewinn droht der Umbruch
Fünf Meistertitel in den vergangenen sieben Jahren. Zum dritten Mal nacheinander das Double geholt - und das als erste Mannschaft überhaupt. Nach dem entscheidenden Sieg im dritten und hochklassigen Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen ratiopharm Ulm (97:95) scheint es um die Brose Baskets Bamberg immer einsamer zu werden an der deutschen Basketballspitze. Doch Bambergs Manager Wolfgang Heyder blickt in der Stunde des Triumphes schon wieder in die Zukunft.
Dort sieht er sich und seine Baskets keinesfalls als unangefochten. "Wir sind nicht meilenweit entfernt von den anderen", stellt Heyder nur einen Tag nach dem Titelgewinn klar, "es kommt sicher keine Langeweile auf. Das ist ja alles kein Selbstläufer, keine Routine. Wir müssen uns das immer wieder ganz, ganz hart erarbeiten."
Erarbeitet hat Bamberg sich vor allem einen Kader, der unter Trainer Chris Fleming (seit 2008 bei den Oberfranken an der Seitenlinie) größtenteils konstant blieb und von der hochgelobten Bamberger Scoutingabteilung um Brandon Rooney immer wieder präzise verstärkt wurde.
Das wird sich laut Heyder nun ändern: "Wir werden mehr neue Spieler haben." Er spricht gar vom "größten Umbruch seit Jahren". Nur Kapitän Casey Jacobson, Julius Jenkins und Coach Fleming haben Verträge für die nächste Spielzeit.
Center Tibor Pleiß, der gegen Ulm noch per Dunking wenige Sekunden vor Schluss das letzte Finalspiel entschied, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Dirk Nowitzki (Dallas Mavericks) über den Atlantik folgen, um dort für den NBA-Finalisten Oklahoma City Thunder auf Korbjagd zu gehen. "Er ist NBA-reif", sagt auch Heyder. Power Forward Marcus Slaugther soll angeblich bei Real Madrid anheuern. Zudem werden der als wertvollster Akteur der Endspielserie ausgezeichnete P.J. Tucker sowie Anton Gavel und Brian Roberts von Spitzenteams in ganz Europa umworben.
Aber auch von der Bundesligakonkurrenz. Noch vor dem letzten Finalspiel sagte der Bamberger Manager gegenüber der Bild-Zeitung: "Es ist richtig, dass Bayern an Spielern von uns herumbaggert. Wenn Bayern mit den großen Geldscheinen wedelt, werden wir keine Chance haben. Wir können uns nicht verschulden." Heyder verspricht zwar, dass man für diese Spieler "an unsere Schmerzgrenzen gehen" werde. Er hofft auch, dass vor allem die Teilnahme an der Euroleague den einen oder anderen Euro aufwiegt, denn: "Damit können Alba oder Bayern nicht locken." Doch ist er realistisch und Manager genug, um zu wissen: "Alle Spieler werden wir kaum halten können."
Der Umbruch wird also kommen. Wolfgang Heyder aber sieht sich gut gerüstet: "Wir haben Alternativen im Auge", sagt er, "und unsere Ziele bleiben die gleichen wie in dieser Saison."