vor 9 Stunden
Jeremy Gohier und der Traum von der NBA
Jeremy Gohier ist schon jetzt größer als Victor Wembanyama. Der Kanadier sorgt in den sozialen Medien für Aufsehen und wird als kommender Gegenspieler des Franzosen gesehen. Er selbst sieht das auch so. Wir ordnen den Hype ein.

In einer Welt, in der die Aufmerksamkeitsspanne vieler Menschen abnimmt, werden schnell Urteile über kleinere Clips gefällt. Knallige bunte Überschriften kurbeln das Ganze noch einmal an und verkürzen Dinge auf das Minimum. Engagement und Klicks sind kostbar, der Kampf darum hart.
Größe spielt auch gerne eine Rolle, zuletzt gesehen bei Olivier Rioux. Als "nächster Wembanyama" wurde der Kanadier hier und da bezeichnet, "größter Teenager der Welt" war eine andere Schlagzeile. 2,36 Meter groß ist Rioux, inzwischen ist er 20 Jahre alt und ist seit zwei Jahren für Florida auf dem College aktiv. Viel spielen tut er nicht, der nächste Wemby wird er nicht.
Dafür gibt es inzwischen einen neuen Anwärter. Auch er kommt aus der kanadischen Provinz Quebec. Jeremy Gohier ist 15 Jahre alt, die FIBA listet ihn als 2,29 Meter, also größer als Wembanyama und auf Augenhöhe mit der chinesischen Basketball-Ikone Yao Ming. Auch ging schnell viral, als er auf der High School mit Ronaldo-Gedächtnis-Frisur (Der Echte!) über Spieler dunkte, die teilweise zwei Köpfe kleiner waren. Inzwischen trägt der Teenager seine Haare wieder lang.
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Schon mit zwölf Jahren war Gohier fast 2,10 Meter und damit deutlich größer als der durchschnittliche NBA-Spieler. Dass Größe aber nicht alles ist, zeigt der Fall Rioux. Bei Gohier sieht das aber ein bisschen aus. Der Youngster steht nicht nur unter dem Korb und drückt Bälle durch die Reuse. Es gibt Spielaktionen, in denen mit gutem Ballhandling Gegenspieler aussteigen lässt und auch diverse Dreier verwandelt.
Über das Niveau lässt sich streiten, aber eine gewisse Flüssigkeit in den Aktionen ist nicht von der Hand zu weisen. Zuletzt konnte der 15-Jährige sein Talent auch auf internationaler Bühne zeigte. Bei der U-17-Weltmeisterschaft legte Gohier für Kanada in durchschnittlich elf Minuten 2,4 Punkte und 3,6 Rebounds auf. Keine beeindruckenden Zahlen, alles wurde Gohier im November 2010 geboren und war damit fast zwei Jahre jünger als seine Konkurrenz.

Er selbst sieht sich übrigens auch gar nicht als Center wie er Taking The Charge verriet. "Sollte ich es in die NBA schaffen, will ich ein Small Forward sein." Mit Basketball begann Gohier ohnehin erst, weil seine Karate-Schule dicht machte und Basketball die einzige Alternative war. Es zeigt, dass Gohier womöglich erst an seinem Potenzial kratzt.
Und die Wemby-Vergleiche? Die bleiben natürlich unfair und doch gibt es kleine Parallelen. Im April unterschrieb Gohier bei der Agentur, die auch Wembanyama in dessen Jugend betreute. "Wemby sieht wirklich aus wie ich", meinte Gohier. "Er ist auch mobil, aber schon deutlich stärker. Ich will so spielen wie er, ich will so werfen können wie er und ich will auch besser sein als er."
Dafür wechselt Gohier im Sommer nach Nanterre in Frankreich, jenem Klub, wo auch Wembanyama seine ersten Schritte ging. Ob Gohier einen ähnlichen Weg gehen wird? Das wird die Zeit zeigen.
Robert Arndt