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    NBA

    vor 1 Stunden

    Tyrese Haliburton kann alles verändern

    NBA-Teams auf dem Sprung: Mit Kawhi zurück in die Finals?

    Kaum einer von ihnen hatte vor dem April 2025 ein Playoff-Spiel absolviert, und dennoch standen die San Antonio Spurs in den Finals. Ein schwer zu wiederholendes Kunststück. Doch welche Teams könnten kommende Saison einen ähnlichen Sprung machen? Führt Tyrese Haliburton die Pacers dorthin zurück, wo sie schon einmal waren? Macht Kawhi Leonard aus den Raptors einen Mitfavoriten im Osten? Und weshalb könnten Utah, Atlanta und Washington für eine Überraschung sorgen?

    Kahwi Leonard und Scottie Barnes
    Kahwi Leonard und Scottie Barnes spielen ab jetzt zusammen. IMAGN IMAGES via Reuters Connect

    Utah Jazz

    Ob die Jazz den ganz großen Sprung hinlegen können, wie es die Spurs taten, als sie ohne jegliche Playoff-Erfahrung in die Finals stürmten, um auf dem Weg Spiel 7 beim damals amtierenden Meister zu gewinnen, steht in Frage. Dafür lebt die Chance, dass Playoff-Basketball nach Salt Lake City zurückkehrt.

    Jaren Jackson Jr. ließ sich sein Knie richten und steht bereit. Ebenso Lauri Markkanen. Damit haben die Jazz nicht nur zwei Veteranen, sondern einen (Jackson Jr.), der immer noch zu den besten Defendern der Liga zählt, und einen (Markkanen), der mit 2,16 Metern sowohl werfen als auch den Ring attackieren kann. Eine exzellente Basis.

    Zumal Utah auf den Guard-Positionen, zumindest eine kleine Spurs-Parallele, einiges Talent gesammelt hat. Durch einen riesigen Sprung in Jahr drei meldete sich Keyonte George nachhaltig in der Liga an. Seinen Wurf kann der Point Guard weiterhin verbessern, dafür streichelte er 72 Prozent seiner Versuche am Ring durch die Reuse. Georges Explosivität macht vieles möglich, sowohl für ihn als auch für seine Mitspieler.

    In 28,8 Prozent der Fälle servierte George seinen Teamkollegen vor deren erfolgreichen Würfen den Ball, laut Cleaning the Glass gut für das 88. Perzentil unter Combo Guards. Setzt sich die Entwicklung fort, ist offensiv vieles möglich für die Jazz. Zumal mit Nummer-2-Pick Darryn Peterson ein vorne massiv talentierter Rookie auf seine Premiere in der NBA wartet, während Ace Bailey in Jahr zwei einen wertvollen Bankscorer geben könnte.

    Walker Kesslers Wechsel zu den Lakers öffnet die defensive Problemschatulle noch ein gutes Stück weiter. Neben Jackson Jr. mangelt es den Jazz schlicht an herausragenden Verteidigern. Zumal weder JJJ noch Markkanen für ihre Größe gute Rebounder sind. Zudem sind junge Guards anfällig für Fehler und Schwankungen. Gleichzeitig besitzt das Team nun massiv Potenzial, mit Will Hardy außerdem einen Coach mit hervorragendem Ruf. Der Sprung ist möglich.

    Lauri Markkanen
    Lauri Markkanen will den Westen ärgern. IMAGO/ZUMA Press Wire

    Toronto Raptors

    Torontos Weg zu einem tiefen Playoff-Run scheint der klarste zu sein. Nachdem die Clippers und Steve Ballmer ihre Strafe durch die NBA akzeptierten und der Trade zwischen den Raptors und LA nun offiziell ist, ersetzen die Raptors Brandon Ingram gewissermaßen durch Kawhi Leonard.

    So stößt der wahrscheinlich immer noch beste Flügel der Liga, noch dazu Spezialist für den komplizierten, dennoch erfolgreichen Wurf, zu einem Team, das in den vergangenen Playoffs viel Positives aufblitzen ließ, dem nur manchmal - und dann irgendwie doch zu oft - die Scoring-Ideen ausgingen.

    Kreieren all die Bewegungen, die Headcoach Darko Rajakovic seinem Team verschreibt, keine offenen Würfe, findet Scottie Barnes nach Drives keinen offenen Mitspieler, könnte Kawhi die Situation einfach retten, indem er den langen Jumper mit Hand im Gesicht trifft; wie er es schon so oft tat.

    Überhaupt, Barnes. Torontos bislang Bester illustrierte während der ersten Playoff-Runde, dass in ihm womöglich doch ein Franchise-Player steckt. Barnes trug das Team, war defensiv überall und machte offensiv vieles möglich. Selbst der Wurf fiel (38,1 Prozent 3FG bei 3 Versuchen), wobei der bei 30,1 Prozent von draußen über die Karriere vorläufig das große Manko bleibt. Mit Leonard hat Barnes nun jemanden an seiner Seite, der Offensivlast nimmt und womöglich Freiheit gibt.

    Stehen lassen sollten Defenses Kawhi schließlich nicht. Dazu kommt der defensive Aspekt. Gemeinsam mit Collin Murray-Boyles und Jamal Shead terrorisierte Barnes die Cavaliers. Ab sofort gesellt sich Leonard hinzu, vielleicht nicht mehr der Verteidiger von früher, im Zweifel aber immer noch gnadenlos.

    Im Trade für ihren Meisterschaftsbringer von 2019 opferten die Raptors aus ihrer Kernrotation "nur" Ingram, den Kawhi nun positionsgetreu ersetzt. Spacing-Fragen bleiben, ebenso ein mögliches Loch auf der Eins, wenn Immanuel Quickley mal wieder ausfällt. Mit Leonard könnte aus einem maximal unangenehmen, nun jedoch ein maximal gefährliches Team werden.

    Washington Wizards

    Schwer gehypte Top-Picks allein regen die Fantasie bereits an. Bei den Wizards stößt AJ Dybantsa jedoch nicht "einfach" zu anderen talentierten, jungen Spielern. Washington fädelte vergangenen Februar zwei Trades ein, die die Entwicklungskurve des Teams deutlich steiler stellen könnten.

    Mit Trae Young holten die Wizards einen, wenn nicht perfekten, dann durchaus bewiesenen Point Guard, der sowohl selbst punkten als auch Mitspieler einsetzen und dem Spiel allgemein Leitplanken verpassen kann. Gerade Letzteres ist für junge Scorer wie Dybantsa essenziell. Dazu kommt mit Anthony Davis ein zwar verletzungsanfälliger und nicht mehr so mobiler, aber immer noch sehr guter Big, der während der vergangenen Dekade zu den besten Defendern der Liga zählte.

    Mit den beiden stellt Washington all seinen Talenten nun einen offensiven Taktgeber, dazu einen defensiven Anker an die Seite. Wobei Davis mit Blick auf den zweiten Hochtalentierten extrem spannend ist: Selbst spielt AD ja nicht so gern auf der Fünf, in Washington teilt er sich den Frontcourt nun mit einem Sevenfooter, der den Ring beschützen, sich gut bewegen und offensiv hin und wieder ein Stück nach draußen ausweichen kann, wenngleich Alex Sarr seine Länge schon vorzugsweise in Zonennähe nutzen sollte.

    In jedem Fall dürfte der ehemalige Nummer-2-Pick von Davis lernen, von dessen Präsenz profitieren und gleichzeitig die Positionsfrage klären, ohne dem Team dabei eine gewisse Statik zu verpassen. Offensiv ist dank Young und dessen Fähigkeit als Passer aus dem Pick-and-Roll ebenfalls ein Sprung möglich.

    Nimmt man nun Leute wie Tre Johnson, Bub Carrington, Kyshawn George und Bilal Coulibaly hinzu, erscheint ein großer Sprung der Wizards nicht unmöglich. Natürlich gibt es Fragezeichen, erstmals seit sehr langer Zeit fußt die Hoffnung in der Hauptstadt dennoch auf einem vermeintlich soliden Fundament. Sehen wir die Wizards tatsächlich wieder in den Playoffs?

    Anthony Davis
    Anthony Davis spielt jetzt für die Washingon Wizards. Vincent Carchietta-Imagn Images

    Indiana Pacers

    Ein gutes Jahr ist es her, da trennte die Pacers vielleicht nur eine unglückliche Bewegung von ihrer ersten Meisterschaft überhaupt. Tyrese Haliburton war sehr gut in Spiel 7 der 2025er Finals gestartet, dann wollte er Richtung Zone und riss sich die Achillessehne. Es folgte eine lange Reha, für die Pacers ein Jahr zum Vergessen. Doch womöglich ist dieses Team, das während der Playoffs 2025 allen anderen davonrannte, noch da.

    Natürlich hängt viel an Haliburtons Eingewöhnungsphase und Leistungsvermögen nach einer der schwersten Verletzungen im Basketball. Robbt sich der Point Guard wieder an sein Leistungsmaximum heran, besitzt Indiana plötzlich wieder den vielleicht besten Orchestrator der Liga.

    Haliburton ist ein eigenes Offensivsystem, jedoch eines, in dem alle anderen wachsen. Er diktiert das Tempo, schnappt sich Raum und Zeit und dreht alles so lange, bis sich eine günstige Wurfgelegenheit ergibt. Wie kaum ein anderer versteht es Haliburton, zu dirigieren und zu manipulieren - und Coach Rick Carlisle hatte seinem Spielmacher das perfekte System an die schmale Silhouette gebastelt.

    In ihrer besten Version überfielen die Pacers gegnerische Teams. Sie spielten mit halsbrecherischem Tempo, teilten den Ball und erschufen beinahe Nacht für Nacht ein neues Kunstwerk. Dieses Team kehrt vielleicht nicht genau so zurück, aber womöglich wirkt es bis zu den Playoffs ähnlich. Inklusive neuer Entwicklungsstufe.

    Mit Ivica Zubac statt Myles Turner auf der Fünf dürfte die 2026er Version etwas anders aussehen. Als Dreier werfender Trailer kommt der Kroate weniger in Frage, dafür gewinnen die Pacers einen weiteren guten Passer, noch dazu einen, der sich clever rund um die Zone bewegt, der Blocks stellen kann. Pascal Siakam bleibt Pascal Siakam, Kelly Oubre als zusätzlicher 3&D-Flügel hilft ebenfalls.

    Vieles hängt an Haliburton. Lässt der Point Guard seine Verletzung hinter sich, bekommen die Knicks, Sixers, Cavaliers und auch Raptors womöglich ernsthafte Konkurrenz um die Finals.

    Tyrese Haliburton
    Wie gut kehrt Tyrese Haliburton zurück? IMAGO/ZUMA Press

    Atlanta Hawks

    Es gab eine Zeit, da stand bei den Knicks vieles in Frage. In Spiel drei der ersten Runde hatte Mikal Bridges gerade keinen seiner drei Würfe getroffen, New York dafür sein zweites Spiel in Folge verloren. Plötzlich fehlten den Hawks nur noch zwei Siege, während die Knicks um ihre Saison zittern mussten. Am Ende kam alles ein wenig anders, doch Atlanta kitzelte den späteren Champ drei Spiele lang - und das, obwohl vieles gar nicht lief wie geplant, obwohl den Hawks der Erfahrungsmangel anzusehen war.

    Jalen Johnson konnte die Offense während seines ersten Playoff-Runs noch nicht wie gewünscht tragen, wirkte zeitweise etwas verloren, wenn die Dinge nicht so aus dem Fluss heraus passierten, wie er es aus der Regular Season gewohnt war. Most Improved Player Nickeil-Alexander Walker, der vor den Playoffs im Schnitt 20,8 Punkte bei 39,9 Prozent von draußen aufgelegt hatte, suchte plötzlich nach seiner Effizienz (13,7 Punkte, 38 Prozent FG).

    Der Kanadier selbst ist zwar bereits 28, dafür verspricht der Rest des Teams, gerade Johnson, durchaus Entwicklungspotenzial. Zumal die Hawks eine gewisse Schwäche angingen. Gegen die Knicks fehlte es Atlanta an Länge und Physis. Einen neuen Starter für die Fünf holte President of Basketball Operations Onsi Saleh zwar nicht, mit Jock Landale aber einen sehr soliden Backup für Onyeka Okongwu, der zwar klein ist, aber doch immer wieder äußerst positive Dinge vollbringt.

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    Dazu kamen mit Lu Dort und Aaron Wiggins gleich zwei Meister von 2025. Ersterer dürfte den Hawks mehr Physis und Hydrantenqualitäten zwischen Backcourt und Flügel geben. Wiggins liefert Länge, Defense und Shooting auf dem Flügel. Gemeinsam machen beide die Hawks vielseitiger. Zumal sie mit Dort, Alexander-Walker und Dyson Daniels ein absolutes Albtraum-Trio für jede Offense aufbieten können.

    Johnson wiederum könnte davon profitieren, dass er nun weiß, wie es sich anfühlt, erste Anlaufstation einer Playoff-Defense zu sein. Vergangene Saison begannen die Hawks als Youngs Teams, nun "gehören" sie direkt Johnson. Das dürfte den Fokus über den Sommer drehen - und die Dinge noch mal zusätzlich zum Positiven stimulieren. Zumal CJ McCollum zu günstigen Konditionen verlängerte.

    Ganz für die Top-Teams dürfte es für die Hawks trotz allem vielleicht nicht reichen. Dafür mangelt es weiter vor allem an Creation. Am Ende sind sie aber wahrscheinlich noch unangenehmer als vergangenes Jahr und provozieren diesmal damit vielleicht wirklich eine Überraschung…

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    Max Marbeiter