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Starting Five mit Edwards, LaMelo und Co.
Die Minnesota Timberwolves haben Jonathan Kuminga einen Platz in der Starting Five versprochen. Wir schauen uns an, wie der explosive Forward neben Anthony Edwards und LaMelo Ball fittet, und welches bekannte Problem droht.

Jonathan Kuminga entschied sich nicht für das meiste Geld, sondern für die vermeintlich beste Bühne. Der 23-Jährige schlug unter anderem ein deutlich höheres Angebot der Los Angeles Lakers aus und unterschrieb bei den Minnesota Timberwolves einen Zweijahresvertrag über 12,4 Millionen Dollar. Das zweite Jahr enthält eine Spieleroption.
Kuminga kann dadurch schon im Sommer 2027 wieder auf den Markt kommen. Bis dahin soll er in Minnesota beweisen, dass er mehr als ein Rollenspieler ist. Die Wolves stellten ihm dafür einen Platz als startender Power Forward neben LaMelo Ball, Anthony Edwards, Jaden McDaniels und Rudy Gobert in Aussicht.
Die Wolves hatten sich im Sommer grundlegend verändert. Zunächst gaben sie Julius Randle ab, dann schickten sie Naz Reid und einige Draft-Picks für LaMelo Ball und Josh Green nach Charlotte. Dadurch fehlte ein klarer Power Forward.
Chris Finch wollte McDaniels nicht dauerhaft auf die Vier verschieben. Das ist nachvollziehbar. Der 2,06 Meter große Flügelspieler gehört zwar zu den besten Verteidigern der Liga, ist aber physisch nicht für jedes Matchup gegen kräftige Power Forwards geschaffen. Kuminga schließt diese Lücke ziemlich sauber. Mit 2,01 Metern und rund 102 Kilogramm bringt er genug Masse für viele Power-Forward-Duelle mit, ist gleichzeitig aber schnell genug, um kleinere Gegenspieler zu übernehmen.
Minnesota kann dadurch wieder eine große Formation aufstellen, ohne die Beweglichkeit auf dem Flügel aufzugeben. Ball misst auch 2,01 Meter, Edwards ist außergewöhnlich kräftig, McDaniels hat enorme Länge und hinter ihnen wartet Gobert als Ringbeschützer. Rein körperlich dürfte kaum eine Starting Five unangenehmer zu bespielen sein.
Offensiv passt Kuminga vor allem deshalb zu den neuen Wolves, weil Minnesota schneller spielen will. Der Forward ist am gefährlichsten, wenn er nicht erst gegen eine formierte Halbfeldverteidigung Lösungen finden muss.
Genau hier kommt Ball ins Spiel. Der neue Point Guard der Wolves gehört zu den kreativsten und mutigsten Passgebern der Liga. Er sucht nach Defensivrebounds sofort den langen Pass und kann Mitspieler aus fast jedem Winkel bedienen. In Charlotte fehlten ihm häufig die geeigneten Abnehmer für diese Pässe. Mit Edwards und Kuminga hat er jetzt gleich zwei der explosivsten Transition-Spieler der NBA an seiner Seite.

Für Kuminga könnte das befreiend wirken. Bei Golden State musste er sich in ein komplexes Bewegungssystem einordnen, Entscheidungen ohne Ball lesen und teilweise mehrere Aktionen im Voraus erkennen. In Minnesota kann seine Aufgabe einfacher aussehen: sprinten, cutten und Druck auf den Ring ausüben. Schon vier oder fünf gezielte Angriffe pro Partie können einer Offense helfen, die ansonsten stark von Edwards’ individueller Klasse und Balls Kreativität abhängt.
Kuminga ist kein vollständiger Shot-Creator, aber ein außergewöhnlicher Finisher. In seiner bislang besten Saison 2023/24 erzielte er für Golden State durchschnittlich 16,1 Punkte und traf 52,9 Prozent seiner Würfe aus dem Feld. Seine Karrierequote von 50,2 Prozent ist für einen Forward stark.
So überzeugend der athletische Fit wirkt, so offensichtlich ist das Risiko im Halbfeld. Kuminga trifft in seiner NBA-Karriere nur 33,2 Prozent seiner Dreier, nach seinem Wechsel nach Atlanta immerhin 34,6 Prozent. Diese Quoten sind nicht katastrophal, sie reichen aber auch nicht aus, damit Playoff-Verteidigungen ihn konsequent respektieren.
Das wird besonders problematisch, weil Gobert überhaupt keine Gefahr außerhalb der Zone ausstrahlt. Auch McDaniels wird trotz seiner Fortschritte nicht wie ein elitärer Schütze verteidigt. Stehen alle drei gemeinsam auf dem Feld, können Gegner die Zone verdichten und ihre schwächeren Verteidiger bei Kuminga verstecken.
Für Edwards könnte sich dadurch ein bekanntes Bild ergeben. Sobald er in die Zone zieht, warten dort Goberts Gegenspieler und ein weiterer abgesunkener Verteidiger. Ball kann diese Situationen mit Pässen bestrafen, doch dafür müssen die Empfänger ihre offenen Würfe treffen. Kumingas Dreier entscheidet deswegen nicht nur über seine eigene Produktion, sondern bestimmt wohl auch, ob Minnesotas vermeintlich beste Formation in wichtigen Playoff-Minuten überhaupt funktionieren kann.

Das defensive Potenzial ist ein weiterer Grund, weshalb Minnesota auf Kuminga setzt. In seinen besten Momenten kann er mehrere Positionen verteidigen, Ballhandler unter Druck setzen und mit seiner Athletik Fehler korrigieren. Draymond Green bezeichnete Kumingas Verteidigung zu Beginn der vergangenen Saison sogar als "elitär". Diese Einschätzung bezog sich vor allem auf dessen Arbeit am Ball.
Konstanz war bislang aber das Problem. Abseits des Balls verlor er bei Golden State immer wieder seinen Gegenspieler, rotierte zu spät oder traf falsche Entscheidungen. Sein physisches Potenzial spiegelte sich deshalb nicht dauerhaft in seinem defensiven Einfluss wider.
Minnesota bietet ihm dafür ein gutes Umfeld. McDaniels kann weiterhin den gefährlichsten Perimeter-Spieler übernehmen. Gobert sichert Fehler am Ring ab und dirigiert die Mitspieler hinter der Aktion. Kuminga muss dadurch nicht jede Possession die schwierigste Aufgabe lösen. Die Wolves könnten ihn gezielter gegen kräftige Scorer einsetzen und seine Aggressivität nutzen. Edwards müsste dadurch weniger Energie in schwierige Defensivaufgaben investieren.
Kuminga muss dafür allerdings konsequent rebounden. Trotz seiner Athletik kommt er in seiner Karriere nur auf 4,2 Rebounds pro Partie. Minnesota verlor mit Randle und Reid zwei wichtige Rebounder. Gobert kann diese Arbeit nicht allein übernehmen, insbesondere wenn Kuminga zeitweise als kleinster Big Man spielt.
| Saison | Spiele | Starts | Minuten | Punkte | Rebounds | Assists | FG% | 3P% |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2025/26 | 36 | 14 | 23,1 | 12,2 | 5,6 | 2,3 | 46,3 | 33,3 |
| 2024/25 | 47 | 10 | 24,3 | 15,3 | 4,6 | 2,2 | 45,4 | 30,5 |
| 2023/24 | 74 | 46 | 26,3 | 16,1 | 4,8 | 2,2 | 52,9 | 32,1 |
| 2022/23 | 67 | 16 | 20,8 | 9,9 | 3,4 | 1,9 | 52,5 | 37,0 |
| 2021/22 | 70 | 12 | 16,9 | 9,3 | 3,3 | 0,9 | 51,3 | 33,6 |
Neben dem Distanzwurf stellt sich eine zweite wichtige Frage: Reicht Kuminga die vorgesehene Rolle? Er war in Golden State wiederholt unzufrieden, weil seine Einsatzzeit und seine offensive Verantwortung schwankten. Minnesota garantiert ihm nun zwar einen Platz in der Starting Five. Viele Ballkontakte sind damit aber noch nicht garantiert.
Edwards bleibt die klare Nummer eins. Ball wird als Point Guard viele Angriffe initiieren. Dazu kommen McDaniels, Gobert und Ayo Dosunmu, der nach seiner starken vergangenen Saison auch eine wichtige offensive Rolle verdient hat.
Kuminga dürfte daher häufig nur die dritte oder vierte Option sein. Akzeptiert er diese Rolle, kann er sehr wertvoll sein. Erwartet er, sich in Minnesota als Creator zu beweisen, droht der nächste Konflikt. Seine bisherigen 1,8 Assists pro Spiel und seine teilweise schwankende Entscheidungsfindung sprechen nicht dafür, ihm dauerhaft die Kontrolle über eine Offense zu überlassen.
Aus Minnesotas Sicht ist der Vertrag kaum zu kritisieren. 12,4 Millionen Dollar über zwei Jahre sind für einen 23 Jahre alten Forward mit Kumingas körperlichen Voraussetzungen ein geringer Preis. Selbst wenn der Fit nicht komplett funktioniert, lässt sich der Vertrag problemlos bewegen. Schlägt er ein, bekommen die Wolves einen Starter weit unter Marktwert.
Für Kuminga selbst ist der Wechsel riskanter. Er verzichtet auf viel Geld und muss innerhalb einer Saison zeigen, dass er eine langfristige Investition wert ist. Dafür erhält er die gewünschte Chance in der Starting Five eines ambitionierten Teams.
Der Fit ist deshalb nicht eindeutig hervorragend, aber auch nicht grundsätzlich problematisch. In der Regular Season dürften Kumingas Athletik und LaMelos Pässe viele Schwächen überdecken. In den Playoffs entscheidet sich, ob er genügend offene Dreier trifft und, ob er ohne viele Ballkontakte Einfluss nehmen kann.
Lukas Hetterich