vor 1 Tag
Dreimaliger All-Star feiert 30. Geburtstag
Er galt als eines der größten Talente der jüngeren Vergangenheit und ging letztlich als eine der größten Enttäuschungen in die Geschichte ein. Heute feiert Ben Simmons seinen 30. Geburtstag - eigentlich kein Alter für einen modernen Basketballer. An seine Profikarriere ist aber dennoch längst nicht mehr zu denken.

Zehn Jahre ist es her, als ein schlaksiger Australier mit der ersten Auswahl im Draft nominiert wurde. Ben Simmons galt nicht nur auf dem Papier als kommender Superstar: Hohes Spielverständnis, überragende Defensive gegen alle fünf Positionen und eine dominante Kraft in Korbnähe. Eine schwerwiegende Fußverletzung führte letztlich dazu, dass der großgewachsene Point Guard sein erstes Jahr komplett aussetzen musste.
In seinem zweiten respektive ersten Jahr bestätigte er schließlich die hohen Erwartungen. In 81 Einsätzen in der regulären Saison erzielte er starke 15,8 Punkte sowie 8,2 Assists und gewann schließlich (nicht unumstritten) den Award als "Rookie of the Year". Es war der Auftakt einer Karriere, die vier Jahre lang Großes verhieß, aber letztlich nie über gewagte Zukunftshoffnungen hinausgehen sollte.
Simmons war zwar einer der Leistungsträger in den ersten Jahren der "trust the process"-76ers, ließ aber selbst Fortschritt in seinem Spiel vermissen. Der Wurf blieb ein fortwährendes Problem. Kaschiert wurde die Stagnation noch lange von der ganzheitlichen sportlichen Entwicklung Philadelphias, die Simmons auch zu drei All-Star-Nominierungen verhalf.
Ein Wendepunkt war jedoch in den Playoffs des Jahres 2021 erreicht. Im entscheidenden siebten Spiel der Zweitrundenserie gegen die Atlanta Hawks kam Simmons nicht über fünf Punkte hinaus. Besonders im Gedächtnis blieb jene Szene, in der der Forward auf einen freistehenden Dunk zugunsten eines Passes verzichtete. Das Play wurde zum Sinnbild für sein fehlendes Selbstvertrauen, das, so munkelt man, auch wesentlich selbstverschuldet war.
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"Manche Jungs erklimmen den Berg und sagen: 'Ich habe es geschafft'. Andere sagen: 'Okay, gut. Jetzt gehe ich wieder runter." Und wieder andere sagen: 'Ich möchte noch höher gehen", fasste Simmons' langjähriger Berater Rich Paul den Niedergang seines früheren Klienten zusammen. Simmons habe ihm zufolge immer das Ziel verfolgt, es in die NBA zu schaffen. Der Wunsch, sich hier langfristig zu etablieren, sei hingegen nicht Teil des Plans gewesen.
"Alles, was sich Ben gewünscht hat, ist auch eingetreten. Er war der Nr.-1-Pick im Draft, er wurde Rookie of the Year, er war mehrfacher All-Star, er wurde ins All-NBA-Team berufen, er hat einen Maximalvertrag bekommen", so Paul weiter. "Es gibt zwei Arten, damit umzugehen: Entweder du liebst, was dir das Spiel einbringt, oder du liebst das Spiel." Bei Simmons sei ganz offensichtlich ersteres der Fall gewesen.
Nach dem Vorfall in Atlanta ging es mit Simmons' Karriere schlagartig bergab. Psychische und physische Probleme zwangen ihn dazu, die gesamte Folgesaison auszusetzen. Als er 2022 für die Brooklyn Nets aufs Parkett zurückkehrte, war er längst nicht mehr der Alte. Mit 28 Jahren verbuchte er für die Los Angeles Clippers seine bislang letzten NBA-Einsätze. Dabei standen in 18 Spielen unter dem Strich 2,9 Punkte und 3,8 Rebounds in mehr als 16 Minuten zu Buche.
Der Fall "Ben Simmons" ist bis heute das wahrscheinlich eindrücklichste Beispiel dafür, wie einflussreich die NBA-Öffentlichkeit auf die mentale Gesundheit von Spielern einwirkt - und wie resilient Spieler sein müssen, um dem standzuhalten. Ben Simmons war das offensichtlich nicht und kehrte dem Basketballgeschäft - wohlgemerkt als reicher Mann - den Rücken.
Im vergangenen Jahr konzentrierte sich der Australier auf andere Bereiche, investierte sein Geld in eine Sportfishing-Liga, indem er sich ein Team in Florida kaufte. Den Traum einer NBA-Rückkehr hat Simmons - Stand Dezember 2025 - noch nicht aufgegeben: "Wenn ich jetzt spielen würde, würde ich mich meiner Meinung nach allein aufgrund meiner Fähigkeiten nahtlos in die NBA einfügen", sagte er damals gegenüber Andscape und deutete an, an einem Comeback in der kommenden Saison interessiert zu sein.
Aus sportlicher Sicht ist aber längst klar: In der NBA wird man sich um Simmons nicht mehr reißen. Zu negativ behaftet ist seine ligaweite Reputation, zu lange war er inzwischen auch außen vor. Gerade Letzteres verzeihen die 30 Franchises bekanntermaßen (man blicke nur auf die EuroLeague-Stars) nicht. Simmons' Karriere bleibt ein warnendes Beispiel für die Gefahren des Geschäfts. Ein Comeback könnte heute kaum weiter von der Realität entfernt sein. Dabei ist er mit nun 30 Jahren im besten Alter - für Basketball, aber eben wohl auch für Sportfischen.
Julius Ostendorf