vor 9 Stunden
Wie das Meme mit dem Hund am Tisch
Lange Zeit wollte Ja Morant niemand haben - bis die Portland Trail Blazers kamen. Die Blazers gehen das Risiko ein, kann das belohnt werden?

Wer in den vergangenen Jahren ein bisschen in den sozialen Medien unterwegs war, kennt das Meme mit dem Hund am Tisch, der Tasse darauf und dem Feuer um ihn herum. "Das ist in Ordnung", sagt dieser mit einem Lachen - und so fühlt sich auch dieser Trade an.
Kaum ein Spieler hat einen solch schlechten Ruf und hat über die vergangenen Jahre so hart daran gearbeitet. Die Memphis Grizzlies versuchten über ein Jahr, einen Abnehmer zu finden, in der Zwischenzeit tradeten sie alle guten Spieler (Desmond Bane, Jaren Jackson Jr.), nur auf Morant blieben sie sitzen - bis zu jenem Montagabend.
Warum machen die Blazers das? Zunächst einmal ist es das klassische "Neuer-Besitzer-Syndrom". Man kann danach die Uhr stellen. Wenn ein neuer Besitzer kommt, dann folgt nicht selten ein Trade für einen Superstar oder zumindest einen großen Namen, den eigenen Stempel aufdrücken. In Portland ist das seit ein paar Monaten Tom Dundon, der sich bisher nicht besonders beliebt gemacht hat.
Er zofft sich mit der Stadt um die Finanzierung einer neuen Arena, es wird an allen Ecken und Enden gespart und der neue Trainer Micah Nori kriegt sogar nur einen Einjahresvertrag, was äußerst unüblich in der NBA ist. Deswegen passt der Trade irgendwie auch ins Bild. Der schlechte Vertrag von Jerami Grant sowie Kris Murray reichten, um Morant zu bekommen. Für einen (Ex-)All-Star brauchte es keinerlei Picks.
So lässt sich argumentieren, dass dies eigentlich ein guter Deal für die Blazers sein kann. Die Guard-Position war im Vorjahr die Schwachstelle Portlands, die aber dennoch erstmals seit sechs Jahren wieder in die Playoffs einzogen. Dort war man gegen die San Antonio Spurs aber weitestgehend chancenlos (1-4).
Nun kommt aber ein gewisser Damian Lillard zurück, der mit einem Achillessehnenriss das komplette Jahr ausfiel. Direkt nach dem Trade wurde berichtet, dass man sich in Portland freut, die beiden Star-Guards nebeneinander auflaufen zu lassen. Zwei balldominante Aufbauspieler, die beide Verteidigung als optional ansehen. Was soll schon schiefgehen?
Dazu gesellen sich auch noch Scoot Henderson, einstiger Nr.2-Pick hinter Victor Wembanyama, und Routinier bzw. Defensiv-Ass Jrue Holiday. Ist da etwa noch ein weiterer Trade in der Pipeline?
So oder so muss man sagen, dass Morant eine Lücke schließt. Im Vorjahr musste Forward Deni Avdija viel kreieren und Druck ausüben, das ist aber vor allem Morants Domäne. Zumindest war das einmal so, bevor Verletzungen und Sperren dafür sorgten, dass der Guard nur 79 Partien in drei Jahren absolvieren konnte.

2022/23 war Morant noch ein valider MVP-Kandidat, der die Grizzlies auf Rang zwei im Westen führte, doch davon war in der Vorsaison kaum etwas zu sehen. Überhaupt hat Morant seit März 2023 nicht ein einziges Mal zumindest sieben Spiele am Stück absolvieren können. Es scheint, als ob der Guard den Preis für seine Spielweise zahlt, die eine gewisse Ähnlichkeit zu der von Derrick Rose hat.
Morant war furchtlos, warf sich den Kanten der Liga am Korb entgegen und ging nicht selten schmerzhaft zu Boden. Davon war nicht mehr viel zu sehen, ein schlechtes Zeichen, da Morants Wurf über seine Karriere nie besser wurde. Effizient ist er schon lange nicht mehr. Was soll also schon schiefgehen?
Dafür bekommt der 26-Jährige in der kommenden Saison satte 42,2 Millionen Dollar und ein Jahr darauf sogar knapp 45 Millionen. Es ist das Salär eines Superstars, doch der ist Morant schon seit 2023 nicht mehr. In Portland hofft man nun, dass sich dies noch einmal ändern könnte. Vielleicht hilft ein Tapetenwechsel, eine neue Umgebung, die lange Offseason.
Morant ist erst 26 Jahre alt, Führung von Lillard oder Holiday, zwei absoluten Musterprofis, könnten ebenfalls helfen. Es kann schon eine Welt geben, in der Morant wieder ansatzweise der Spieler von vor drei Jahren sein kann. Wenn dem so wäre, ist das ein Coup für die Blazers, die dafür kaum etwas abgeben mussten und ihren Kern mit Avdija, Toumani Camara, Donovan Clingan und eben Lillard (womöglich auch Holiday) weiter haben.
Portland hat noch Verbesserungspotenzial und hat sich mit diesem Trade so positioniert, dass im Kader mehr Talent vorhanden ist. Weitere Moves könnten folgen. Letztlich war der Preis so niedrig, dass dies absolut vertretbar ist. Denn: Was soll eigentlich schon schiefgehen?
Robert Arndt