17.04.2026
Wemby & Co. schielen auf den Titel
Die San Antonio Spurs haben eine herausragende Hauptrunde gespielt. So zu erwarten war das keineswegs. Aber das zeigt, was für unglaubliches Potenzial in der Truppe steckt. Reicht es gar schon für den Titel?

Für die San Antonio Spurs startete in dieser Saison eine neue Zeitrechnung: Erstmals seit circa 30 Jahren gingen die Texaner ohne Gregg Popovich als Head Coach in die Saison. Die Trainerlegende hatte einen Schlaganfall erlitten und hat deshalb sein Amt niedergelegt. Es übernahm Mitch Johnson, der das Team auch in der vergangenen Spielzeit in Abwesenheit von "Pop" schon gecoacht hatte.
Es war ein Wechsel in einer Zeit, in der die Spurs den nächsten Schritt machen wollten. Aber wie groß der Schritt dann in der vergangenen Hauptrunde tatsächlich ausfiel, hatte wohl keiner erwartet. Die Franchise aus Texas spielte nämlich eine Fabelsaison, holte 62 Siege und ist somit die zweitbeste Mannschaft hinter Titelverteidiger Oklahoma City, der 64 Partien für sich entschied. Erstmals seit sieben Jahren qualifizierte sich der fünfmalige NBA-Champion somit wieder für die Playoffs, genießt dort in den ersten beiden Runden, falls denn Runde 1 überstanden wird, auf jeden Fall Heimrecht.
Es ist mehr oder weniger ein Run mit Verzögerung, den San Antonio im vergangenen Jahr hingelegt hat. Denn im Februar 2025 tradeten die Texaner De’Aaron Fox aus Sacramento und stellten Superstar Victor Wembanyama somit einen Point Guard auf absolutem Top-Niveau zur Seite. Aber anstatt Fahrt aufzunehmen, wurde kurz nach diesem Wechsel beim Franzosen eine Venen-Thrombose festgestellt, auch Fox verletzte sich, weswegen die Texaner das Tanken begannen und die Saison nur auf dem 13. Platz beendeten.

Doch in der Offseason erholten sich beide und starteten in ihre erste volle gemeinsame Saison. Neben den beiden Top-Spielern Fox und Wembanyama ist der Kader der Spurs extrem vielversprechend und mit sehr vielen jungen, talentierten Spielern ausgestattet. Natürlich gab es Fragezeichen, dennoch war unschwer zu erkennen, dass dieser Mannschaft aus Texas ziemlich sicher die Zukunft gehören dürfte.
Und wie es aussieht, ist die Zukunft schon jetzt. Eine derartige Saison war San Antonio nicht zuzutrauen. Die Gründe sind vielschichtig, einer der offensichtlichsten ist natürlich, dass die Texaner mit Wembanyama einen der besten Spieler der Liga in ihren Reihen haben. Der lange Franzose wurde bei den Minuten mitunter noch gedrosselt, war bei seiner Zeit auf dem Parkett natürlich der Dreh- und Angelpunkt des fünffachen Champions. Mit 25 Punkten (dazu 11,5 Rebounds) im Schnitt führte er die Mannschaft offensiv an, überzeugte aber auch durch eine herausragende Defensive, was 3,1 Blocks im Schnitt (mit Abstand Bestwert der Liga) untermauern.
Doch natürlich hätte ein Wembanyama allein nicht für so eine bärenstarke Saison sorgen können. Auch Fox kam ins Laufen, das Zusammenspiel mit dem Superstar aus Frankreich funktionierte einwandfrei und der Aufbauspieler konnte selbst mit 18,6 Punkten sowie 6,2 Assists im Schnitt überzeugen.
Wie ausgeglichen der Kader der Spurs ist, zeigt auch, dass neben den beiden Top-Stars fünf weitere Spieler eine zweifache Punktzahl im Schnitt auflegten. Die Youngster spielten ein herausragendes Jahr bis hierhin. Stephon Castle (21 Jahre) machte den nächsten Schritt, Rookie Dylan Harper (20) fand sich sofort in der NBA zurecht. Die etwas älteren, aber durchaus noch zur neuen Garde zählenden Devin Vassell (25), Keldon Johnson (26) und Julian Champagnie (24) machten ebenfalls ihren Job und erfüllten die für sie vorgesehenen Rollen. Was herauskam, war eine geölte Maschine aus San Antonio, die satte 14 Siege aus den letzten 16 Spielen der Saison einfuhr.

Die Form, die Saison, der Lauf, alles spricht für die Spurs in der Postseason. Allerdings fehlt dem Team die Erfahrung in den Playoffs. Für viele Spieler - Top-Star Wembanyama inbegriffen - sind es die ersten Playoffs ihrer Karriere. Dasselbe gilt für Castle, Vassell, Johnson, Harper und Champagnie. Point Guard Fox hat mit den Kings immerhin mal sieben Spiele in der Postseason bestritten. Dazu gesellen sich aus der Rotation die erfahrenen Recken Harrison Barnes und Kelly Olynyk. Barnes holte bereits mit den Warriors den NBA-Titel (2015), Olynyk stand immerhin mit Miami in den Finals (2020).
Es wird also spannend zu sehen sein, wie sich dieses junge Team in den Playoffs schlägt. Nach den Eindrücken der letzten Monate dürfen sich die Spurs-Fans allerdings gute Hoffnungen machen. In der ersten Runde gegen die Portland Trail Blazers ist die Mannschaft von Johnson auf jeden Fall der klare Favorit.
Fazit: Die Chancen der Spurs nach einer starken regulären Saison stehen auch in den Playoffs gut, die Conference Finals sollten auf jeden Fall drin sein. Dort könnte es dann zum Duell mit den Oklahoma City Thunder kommen. Das Team rund um Shai Gilgious-Alexander wird ein echter Gradmesser. OKC dürfte einen Tick weiter sein, hat die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr samt Titelgewinn. Das könnte ein enges Duell werden, dessen Sieger dann in den Finals beste Chancen auf den Titel hat.
Mirko Strässer