07.04.2026
Mehrere Superstars verpassen den Cut
Die Saison steht kurz vor ihrem Ende - entsprechend müssen auch wieder Awards verteilt werden. Aufgrund einer kontroversen NBA-Regel ist das eine unnötig komplizierte Angelegenheit. Welche 15 Spieler sollten am Ende die All-NBA-Teams formieren?

Es ist sicherlich nicht ideal, einen eigentlich feierlichen Artikel dieser Art mit einem Blick auf das (suboptimale) Regelwerk zu beginnen, aber gerade in diesem Jahr geht es nicht anders. Die 65-Spiele-Regel stand schon in den vergangenen Jahren bisweilen in der Kritik, in dieser Spielzeit wird sie das Bild der All-NBA-Teams aber wohl noch mehr prägen als jemals zuvor.
Und das nicht in der erhofften Manier - selbst wenn Adam Silver vor einigen Wochen noch behauptete, die Regel "funktioniere", weil sie ja effektiv gegen Load Management vorgehe. Das Problem ist bloß, dass eine ganze Reihe von Spielern nun Awards verpassen wird, die mit Load Management gar nichts am Hut hatten, sondern mit Verletzungen.
Was eine Sache ist, wenn ein Spieler rund die halbe Saison verpasst, wie es bei Giannis Antetokounmpo oder Stephen Curry der Fall ist - natürlich müssen solche Akteure dann nicht im All-NBA-Team auftauchen. Sie würde aber wohl auch kaum jemand wählen. Was ist hingegen mit den folgenden Spielern, die zwar über 60 gekommen sind, aufgrund von späten Verletzungen aber nicht die 65 erreichen werden?
- Anthony Edwards (60 absolvierte Spiele - kann maximal 64 erreichen, verpasste wegen Knie-Problemen acht der letzten zehn Wolves-Spiele)
- Cade Cunningham (61 absolvierte Spiele - fällt aufgrund einer kollabierten Lunge seit Mitte März aus)
- Devin Booker (62 absolvierte Spiele - eigentlich - zwei davon zählen nicht, weil er vor der 10-Minuten-Marke verletzungsbedingt ausgewechselt wurde; maximal 64 Spiele möglich)
- Luka Doncic (64 absolvierte Spiele, mehr werden es nicht - will laut seinem Agenten versuchen, sich wegen "außerordentlicher Umstände" trotzdem für Awards wählbar machen zu lassen, was möglich sein könnte, wenn zwei verpasste Spiele aus dem Dezember wegen der Geburt seiner Tochter von der Liga "anerkannt" werden)

Für die anderen Spieler außer Luka gibt es solche Umwege nicht - sie sind einfach disqualifiziert. Was insofern schade ist, da alle so starke Saisons hingelegt haben, dass sie in diese Teams (mit Booker als Fringe-Case) und in Lukas und Cades Fällen auch in die MVP-Konversation gehört hätten.
Und es gibt weitere Wackelkandidaten: Kawhi Leonard muss drei der letzten vier Clippers-Spiele absolvieren, ansonsten ist er raus. Ein fetter Schnupfen (!) könnte den Joker noch eliminieren. Wemby muss sich nach seiner Rippenverletzung gegen die Sixers noch in wenigstens einem der letzten drei Spiele für mindestens 20 Minuten aufstellen lassen.
Das ist alles nicht ideal, und wird am Ende dazu führen, dass die Teams nicht wirklich ihre Funktion erfüllen können, die 15 prägendsten Spieler dieser Saison zu ehren. Sondern die besten Spieler, die wenigstens 65 Spiele absolviert haben. Das sollte überdacht werden, es sollte den Wählern zugetraut werden, die Verfügbarkeit der Spieler selbst mit in ihre Bewertungen mit einzubeziehen.
Nun aber zu den Teams!
Shai Gilgeous-Alexander (66 Spiele), Luka Doncic (64 - wenn es erlaubt wird), Victor Wembanyama (63), Nikola Jokic (63), Jaylen Brown (69)
Leistungstechnisch sind vier dieser fünf Spieler überhaupt nicht verhandelbar, dominant in allen statistischen Kategorien, auch bei den Advanced Stats. Nicht zu Unrecht wurde zuletzt viel darüber gesprochen, dass es selten ein MVP-Rennen mit vier dermaßen qualifizierten Kandidaten gegeben hat (von denen in SGA bisher bloß einer WIRKLICH schon qualifiziert ist).
In ihrer jeweils einzigartigen Art und Weise schreiben Luka, Shai, Wemby und Jokic allesamt die Geschichtsbücher der Liga neu. Luka ist der Topscorer der Saison, SGA der effizienteste Volume-Scoring-Guard seit Curry (und vorher Jordan). Wemby ist "der einzigartigste Spieler aller Zeiten", wie Jokic sagt. Und Jokic führt die Liga bei Rebounds und Assists an und scort (noch) effizienter als alle anderen …
Brown ist etwas unfair gesagt der "Beste vom Rest". Statistisch kommt er an die Top 4 nicht ran, und auch sein Claim, der "beste Two-Way-Player der Liga" zu sein, ist eher subjektiv geprägt. Dafür steht er der besten Story der Saison vor, hat die Celtics nach ihrem Aderlass zu Rang 2 im Osten geführt, sein Spiel dabei in mehrerer Hinsicht auf ein neues Level gehoben.
Nie war Brown als Scorer und Playmaker besser, seine Drives sind sehr oft der Ausgangspunkt dafür, wie Bostons starke Offense ins Spiel kommt. Defensiv schreckt er am Ball vor keiner Herausforderung zurück, gibt auch hier den Ton an. Ohne seine kompromisslose Leadership und seine Produktion (29, 7 und 5) wäre Boston ein völlig anderes Team, selbst wenn die Performance in den Minuten ohne ihn statistisch noch immer besser aussieht als die mit ihm.
Er hat außerdem fast 400 Minuten mehr absolviert als Kawhi, der ebenfalls ein guter First-Team-Kandidat gewesen wäre - und nachrückt, falls die Liga Doncic tatsächlich disqualifizieren sollte.

Donovan Mitchell (69), Jamal Murray (74), Jalen Brunson (72), Kawhi Leonard (62), Kevin Durant (75)
Leonard muss die 65-Spiele-Marke noch knacken - spielerisch führt aber auch an ihm kein Weg vorbei. Über mehrere Monate sah Kawhi aus wie der beste Two-Way-Player der NBA; dass er ausgerechnet in diesem Jahr, mit 34 und im Zuge des Aspiration-Skandals, sein statistisch vielleicht bestes Karriere-Jahr (!) spielt, repräsentiert Leonards Karriere in einer Nussschale.
In gewisser Weise lässt sich das auch auf Durant übertragen - nur anders: KD bleibt einer der konstantesten und besten 25+-Punkte-Scorer, die das Spiel je gesehen hat. Den glücklichsten Eindruck hinterlässt er auch in Houston bisher zwar nicht immer (siehe: geleakte, vielleicht echte Gruppenchats) und an der Tatsache, dass die Offense der Rockets in den Schlussminuten regelmäßig stinkt, kann KD nicht konstant etwas ändern. An seiner Produktion und seinem Gesamt-Einfluss auf ein 50-Siege-Team gibt es aber trotzdem nicht viel auszusetzen.
Mitchell, Murray und Brunson setzen sich aus einem Cluster starker Guards (von denen wir einige im dritten Team wiederfinden werden) durch. Murray spielt die beste Saison seines Lebens und ist der effizienteste unter allen Star-Guards (SGA ausgeklammert) - und ist dabei ein Chamäleon.
Der Kanadier ist ein perfekter Co-Star für Jokic, während der Ausfallzeit des Serben funktionierte Murray (und mit ihm Denver) aber ebenfalls besser, als das über die letzten Jahre jemals der Fall gewesen war.
Mitchell ist über die letzten Wochen zwar von Downtown etwas abgekühlt. Unterm Strich scort aber auch er weiterhin sehr effizient und viel und bleibt der Offensiv-Motor in Cleveland. Selbst wenn die Cavs-Saison ihre Aufs und Abs hatte, lag das nicht an Mitchell, der statistisch ein deutlich besseres Jahr hinlegte als in seiner First-Team-zertifizierten Saison 24/25.
Brunson taucht hier auch aus Respekt auf, auch wenn seine Saison statistisch betrachtet schwächer ist als die Vorjahre und er nicht verhindern kann, dass die Knicks ihre Schwierigkeiten mit der Konstanz haben. Mehrere Advanced Stats sehen ihn überdies als einen der schlechtesten Verteidiger der Liga an.
Er ist gleichzeitig der klare Chef eines der besten Teams der NBA … und einer ihrer besten Clutch-Player. Er braucht seinen Platz. Der aber, wenn Cunningham und/oder Edwards Teil dieser Teams hätten sein dürfen, im Third Team lokalisiert gewesen wäre.

LaMelo Ball (69), Tyrese Maxey (66), Jalen Johnson (70), Chet Holmgren (67), Jalen Duren (68)
Räumen wir den vermutlich kontroversesten Spieler gleich aus dem Weg. Ball kann von den Counting Stats her nicht mit einigen anderen Guards mithalten, seine Quoten würde nicht einmal LaVar als gut anpreisen. Was das Volumen angeht, hat er zwar die zweitmeisten Dreier der NBA auf seiner Seite - aber auch nur die zweitmeisten in seinem Team.
Was Ball dafür mitbringt, ist der Impact eines Superstars. Die Hornets sind eins der besten Teams der NBA, wenn der Point Guard auf dem Court steht (+10,6 Net-Rating) - und ohne ihn Durchschnitt (-0,5). So einen Fußabdruck hinterlassen für gewöhnlich MVP-Kandidaten (der Offensiv-Swing ist tatsächlich nur bei Jokic größer).
Das ist Ball zwar nicht, in gewisser Weise erinnert sein Impact in Charlotte aber schon an den von Steve Nash früher in Phoenix; sein Tempo, seine Wildheit, sein Shooting und seine Kreativität ermöglichen die Spielweise, mit der die Hornets seit Monaten die Liga überrollen. Er hat sich auch defensiv drastisch verbessert, selbst wenn das selten thematisiert wird.
Duren hat sich seit Cades Ausfall erst recht einen Platz verdient und repräsentiert nun eben allein das beste Team des Ostens. Der Center hat sich offensiv wie auch defensiv enorm verbessert, zählt zu den physischsten Spielern der Liga und zu den heißen MIP-Kandidaten.
Duren ist ein exzellenter Play-Finisher, der auch bei den eigens kreierten Abschlüssen zugelegt hat und trotzdem einer der effizientesten Scorer der Liga bleibt. Dass Detroit seit Cunninghams Ausfall bei 8-3 steht, hat sehr viel mit ihm zu tun.
Maxey ist für die Sixers über die Saison gesehen eine Lebensversicherung - mit ihm ist das Team recht gut (+2,2), ohne ihn eine mittelschwere Katastrophe (-6,3). Das lässt sich ihm schwerlich anlasten, zumal seine Effizienz weiterhin gut ist und er besser verteidigt als Ball oder Brunson; er wirkt im Sixers-Ökosystem dennoch ein wenig überlastet.
Johnson hat sich seinen Platz über die letzten Wochen mit Nachdruck gesichert. Seine Zahlen waren schon die gesamte Saison über ansprechend, nun ist aber auch der Impact da, die Hawks gewinnen und haben sich vor die Raptors geschoben, wodurch Johnson einen Trumpf im "Duell" mit Torontos Scottie Barnes hinzugewonnen hat.
Nicht, dass das sein einziger Trumpf wäre. Der multitalentierte Forward ist Spiel für Spiel ein heißer Kandidat für ein Triple-Double, belegt unter qualifizierten Spielern ligaweit Platz 6 bei den Assists. Wenn sein Scoring insbesondere im Halbfeld noch nachzieht, wird dies nicht sein letzter Auftritt in einem All-NBA-Team gewesen sein.
Holmgren rundet das Team ab und bringt eine defensive Komponente ein. Chet ist abgesehen von Wemby der vielleicht beste und vielseitigste Ringbeschützer der Liga; offensiv mag er zumeist eine dritte Option sein, aber eine exzellente, die ordentlich von draußen und sehr effizient aus dem Zweierbereich scort.
Diese Kombination ist so wertvoll, dass es nicht verwundert, dass ihn beispielsweise Estimated Plus/Minus als sechst-einflussreichsten Spieler dieser Saison bewertet.
Honorable Mentions: Scottie Barnes, Alperen Sengün, Derrick White, Evan Mobley, James Harden, Karl-Anthony Towns, Pascal Siakam, Bam Adebayo, Deni Avdija
Ole Frerks