03.12.2025
Franzosen aktuell Letzter in der EuroLeague
ASVEL Lyon-Villeurbanne, einer der traditionsreichsten Klubs Europas, steht so unter Druck wie selten zuvor. Aktuell hängt die Mannschaft sportlich am Tabellenende der EuroLeague fest, doch hinter den Kulissen zieht sich womöglich ein viel größeres Drama zusammen.

Die Rede ist von finanziellen Engpässen, einem drohenden Rauswurf aus der EuroLeague, massiven Kürzungen, und im Zentrum all dessen Tony Parker. Der Klubpräsident, viermaliger NBA-Champion mit den San Antonio Spurs, sucht nach einem neuen Weg zwischen Sanierung des Vereins, Visionen für NBA Europe und seiner eigenen Karriereplanung.
Der Absturz begann nicht auf dem Parkett, sondern auf dem Papier. Ein geplatzter Millionen-Deal mit dem Streaminganbieter Skweek aus der FEDCOM-Gruppe riss ein riesiges Loch in den Etat. Der ursprünglich über drei Jahre laufende Vertrag über 21 Millionen Euro wurde drastisch gekürzt, selbst die reduzierte Summe wurde nicht vollständig ausgezahlt.

Die Konsequenz: Ein Fehlbetrag von rund zwölf Millionen Euro, der ASVEL an den Rand des Zwangsabstiegs brachte. Nur ein kurzfristiges 3-Millionen-Euro-Investment des Cholet-Mitgesellschafters Gilles Morihain rettete den Klub vor dem Absturz in die zweite Liga Frankreichs.
Die Finanzaufsicht DNCCG blieb dennoch skeptisch. ASVEL darf für 2025/26 nur noch ein Spielergehaltsbudget von 5,1 Millionen Euro nutzen. Damit deutlich weniger als zuvor. Gleichzeitig wirft die Behörde dem Klub indirekt Naivität vor: Sponsorenverträge dieser Größenordnung müssten besser abgesichert sein.
Doch der wahre Schaden offenbarte sich erst jetzt: Die EuroLeague hat berechtigte Zweifel an ASVELs Zukunftsfähigkeit.
ASVEL erfüllt in der Saison 2025/26 nicht mehr die Bedingungen für eine A-Lizenz. Laut EuroLeague-Regularien müssen Teams mindestens 5,85 Millionen Euro oder 30 % des durchschnittlichen Umsatzes der A-Lizenz-Klubs für Personal aufbringen. Bei ASVEL sind es 4,55 Millionen Euro (weil sie gemäß der französischen Statuten nicht mehr ausgeben dürfen) und damit zu wenig, was ein mögliches Ausschlusskriterium wäre.
Schon beim letzten Treffen der Shareholder sei die Zukunft des Klubs Thema gewesen. Französische Medien berichten, ASVEL könne bereits vorzeitig aus der Liga gedrängt werden oder auf eine Verlängerung der A-Lizenz ab 2027 verzichten.

Auch sportlich liefert das Team von Trainer Pierric Poupet wenig Argumente, zu bleiben: Aktuell liegen die Franzosen in der EuroLeague auf dem letzten Tabellenplatz (3-10). Das Offensivrating liegt ligaweit auf dem letzten Rang (75,8 Punkte im Schnitt) und auch der Glanz eines zurückgekehrten Nando de Colo reicht nicht mehr. Außerdem ist man seit 2019 durchgehend dabei, hat aber nie die Playoffs erreicht.
Je deutlicher der sportliche und wirtschaftliche Niedergang sichtbar wird, desto lauter wird eine Frage, ob Tony Parker längst andere Pläne hat. Seit Monaten positioniert sich der Ex-NBA-Champion als einer der wichtigsten Fürsprecher der NBA Europe. Für ASVEL könnte eine Abkehr vom wirtschaftlich riskanten EuroLeague-System der große Neustart sein.
Doch Experten warnen: Europa ist kein homogenes Ligasystem wie die USA. Regularien, Eigentümerstrukturen, nationale Verbände bedeuten sehr viele Hürden.
Trotzdem hält Parker am Traum fest. Ein Schritt könnte sein, die EuroLeague bald freiwillig zu verlassen. Laut mehreren Berichten plant ASVEL bereits für 2026 den Wechsel in die Basketball Champions League, ähnlich wie Alba Berlin bereits zur aktuellen Saison.
Die Überlastung des Budgets spricht ebenfalls dafür. ASVEL gab zuletzt mehrere Leistungsträger ab, darunter Theo Maledon, Paris Lee und Joffrey Lauvergne, und verpflichtet stattdessen kostengünstigere Spieler.

Während der Klub taumelt, arbeitet Parker selbst an einer neuen Rolle. Er absolviert seine Trainer-Ausbildung, leitet Jugendtrainings und sagt offen: "Mein Traum ist es, in der NBA zu coachen."
Es wird spekuliert, dass Parker den Klub oder Teile davon verkaufen könnte, um sich stärker auf die eigene Zukunft zu konzentrieren.
Aktuell geht ASVEL in der EuroLeague nahezu unter. Beim Tabellenführer Hapoel Tel Aviv (9-4) tritt der Klub am Donnerstag als krasser Außenseiter an. Die Frage ist nicht mehr: Wie kommt ASVEL da wieder raus? Sondern: Will ASVEL überhaupt noch in dieser Liga bleiben?
Lukas Hetterich