28.08.2025
Vor dem Duell mit dem DBB
Als Zweitrundenpick kämpfte sich Pelle Larsson in die Rotation der Miami Heat , spielte sogar in den Playoffs. Seinen Coach Erik Spoelstra überzeugte der Schwede dabei so sehr, dass der rund um die EuroBasket nach Europa reiste. Dort trifft Larsson nun auf das DBB-Team und Franz Wagner, einen, mit dem er sich Spielan- und -grundsätze teilt.

Erik Spoelstra gefiel, was er sah. Als Schweden Sekunden vor dem Ende das Vorbereitungsspiel auf die EuroBasket gegen Estland endgültig gedreht hatte, grinste Miamis Coach breit. Noch glücklicher wäre Spo gewesen, hätten die Esten kurz darauf nicht per Dreier geantwortet und hätte der Ball sich danach nicht spontan entschieden, seinen eigentlich fast beendeten Weg durch den Ring doch noch abzubrechen.
Millimeter fehlten. Sonst wäre Spoelstra Zeuge geworden, wie Pelle Larsson, der nach der EuroBasket in sein zweites Heat-Jahr geht, Schweden nicht nur ins Spiel zurückführte, sondern alles zu Ende bringt. Andererseits dürfte Spo auch so zufrieden gewesen sein. Bälle machen manchmal eben Bälle-Dinge. Entscheidend war, was vorher passierte. Wie Larsson Schweden führte. Wie er immer wieder zum Ring kam. Wie er sich auch diesen letzten guten Wurf erspielte. Welche Ruhe er dabei ausstrahlte.
Spoelstra bereiste während der vergangenen Wochen Europa, um "seine" drei EuroBasket-Teilnehmer Larsson, Nikola Jovic und Simone Fontecchio bei ihren Nationalmannschaften zu beobachte. Dass er das tat, ist ein gutes Zeichen für alle drei, vor allem für Larsson, den 44. Pick des 2024er Drafts. Spoelstras Eurotrip illustriert die Hoffnung, die die Heat in ihren Guard setzen. Dass Miami gern nach Spielern sucht, die andere nicht finden, ist bestens bekannt. Mit Larsson hoffen die Heat, erneut einen gefunden zu haben.
"Was er tut, sind die Dinge, die wir schätzen", beschreibt Spoelstra Larsson gegenüber dem South Florida Sun Sentinel. "Er ist tough. Er gewinnt Spiele. Er ist ein großartiger Rollenspieler. Er passt zu anderen, zu den besten Spielern. Und er wird sich immer weiter verbessern, da er eine großartige Arbeitseinstellung hat." Mit dieser Einstellung erspielte sich Larsson einen Rotationsplatz, den er keinesfalls sicher hatte.

Zu Saisonbeginn fand Spoelstra kaum Minuten für seinen Rookie. Larsson sah zu. Für einen Tag schickten ihn die Heat zudem zu den Sioux Falls Skyforce in die G-League. Dennoch brachte es der Schwede am Ende auf 55 Saisonspiele, in denen er durchschnittlich 14,2 Minuten auf dem Court stand, 4,6 Punkte auflegte und 33,7 Prozent seiner Dreier traf.
Bevor er die finalen drei Saisonspiele verpasste, bastelte Larsson zudem sechs Partien mit durchschnittlich 10,5 Punkten, 4,3 Rebounds, 3,5 Assists und 2,2 Steals sowie 44 Prozent aus dem Feld und 36.8 Prozent von draußen zusammen. Zu den Playoffs kehrte er zurück und stand in den vier Spielen gegen Cleveland durchschnittlich 13 Minuten auf dem Court (5 Punkte, 1 Assist, 53,3 Prozent aus dem Feld, 37,5 Prozent Dreier).
"Ende des Jahres konntest du sehen, dass er sich eine größere Rolle herausgespielt hatte", sagte Spoelstra während eines Fernsehinterviews in Schweden. Aus gutem Grund. Das Team wolle ihn als Allrounder, sagt der Coach. "Er ist ein sehr kluger Spieler, nutzt seinen Kopf, sehr geschickt." Anders formuliert: Miami schätzt auch Larssons Vielseitigkeit.
Trotz noch eher solider Quoten besitzt der Schwede durchaus Potenzial abseits des Balls: als einer, den Spoelstra um Blöcke schickt, um danach von draußen hochzusteigen. Für einen traditionellen NBA-Wing ist Larsson mit 1,96 Metern zwar ein wenig klein, weshalb er aber längst nicht physisch unterlegen wäre.
"Wir nennen ihn den 'Bully mit dem Basketball'", berichtet Spoelstra. Was nicht bedeutet, dass Larsson einfach den Kopf runter nimmt, um seine breite Statur durch gegnerische Defenses zu rammen. Vielmehr macht er sich auch gegen physische Verteidiger auf den Weg Richtung Zone, absorbiert Kontakt, umgeht ihn gleichzeitig mit Richtungs- und Tempowechseln und pointierten Eurosteps.
In den passenden Momenten bildet man sich schnell eine kleinere Version Franz Wagners ein. Wie sein Gegner im zweiten Gruppenspiel der EuroBasket manövriert und tanzt sich Larsson mitunter kraftvoll in die Zone, nimmt seine Gegenspieler mit auf seine Reise zum Ring, macht sie zu Gefährten und schließt auch mit Kontakt ab. So auch bei seinem Beinahe-Gamewinner gegen Estland.
"Er weiß, wie er Fouls zieht", fügt Spoelstra hinzu. "Er weiß, wie er in die Zone kommt, er verbessert sein Passing. Wir glauben, mit verbessertem Ballhandling kann er all das noch besser einsetzen." Daher planen die Heat, Larsson den Ball häufiger in die Hand zu geben. Darauf liegt der Fokus. Darauf lag der Fokus in der Summerleague, wo Larsson häufiger Angriffe initiierte - und überzeugte. 17,3 Punkte, 3 Assists und 3 Rebounds servierte er in fünf Spielen. Als "sehr sehr gute Erfahrung" beschreibt Larsson die Zeit in Las Vegas gegenüber dem Miami Herald. Teilweise habe er sich mit Ball in der Hand noch zu viele Fehler geleistet. "Aber es ist eine großartige Lernerfahrung", die Larsson nun bei der Nationalmannschaft fortsetzt.
Als wahrscheinlich bester Spieler des Teams hält er den Ball naturgemäß regelmäßig in den Händen, initiiert Angriffe, um Teamkollegen offene Würfe zu kreieren oder selbst abzuschließen. Auch deshalb kam Spoelstra nach Europa: Um zu sehen, wie sich Larsson auf großer Bühne weiter mit der Aufgabe vertraut macht. Er dürfte durchaus positiv gestimmt zurückkehren. Polen schenkte Larsson in der Vorbereitung 32 Punkte ein, auch gegen Estland versprach seine Offense vieles.
Kompliziert gestaltete sich wiederum der Turnierauftakt gegen Finnland. Beinahe über das gesamte Spiel kämpfte Larsson mit Foulproblemen, musste wegen eines fünften Fouls, für das sich vielleicht nicht jeder entschieden hätte, vorzeitig auf die Bank. So standen am Ende 10 Punkte (3/8 aus dem Feld, 0/4 Dreier), 2 Rebounds und 1 Assist. Übernehmen konnte Larsson nicht. Gleichzeitig eröffnen Rückschläge Wachstumschancen. Gegen den Weltmeister folgt nun die nächste, wenn Pelle Larsson auf einen trifft, mit dem er sich einige Spielansätze und Tendenzen teilt.
Max Marbeiter