05.08.2025
Topduo im ÖBV-Team vereint
Der gebürtige New Yorker Sylven Landesberg soll dem österreichischen Nationalteam an der Seite von NBA-Center Jakob Pöltl zu neuen Höheflügen verhelfen.

Er ist die neue Attraktion der heimischen Basketball-Superliga. Bevor Sylven Landesberg ab der kommenden Saison für die Dukes Klosterneuburg auf Korbjagd geht, ist der 35-Jährige aber noch im österreichischen Nationalteam zu sehen. Am Mittwoch (19.20 Uhr) soll der gebürtige US-Amerikaner dem ÖBV-Team an der Seite von NBA-Center Jakob Pöltl in Schwechat in der WM-Vorqualifikation gegen Bulgarien zum Sieg verhelfen.
Landesberg gilt als ausgewiesener Finisher, Pöltl verglich ihn mit seinem Ex-Kollegen DeMar DeRozan. "Er ist ein Pure Scorer, den man mit Screens (Blockaden) in die richtigen Positionen bringen kann, der aber auch aus der eigenen Hand sehr viel kreieren kann", erklärte Pöltl. Was den Wiener zuversichtlich stimmt: Auch mit DeRozan, immerhin sechsfacher All-Star, habe er zu Beginn seiner NBA-Karriere in Toronto und San Antonio sehr gut harmoniert.
"DeMar und ich sind dieselbe Altersklasse und haben viel gegeneinander gespielt", erzählte Landesberg . "Der Vergleich war immer schon da." Beide wurden 2008 in die Auswahl der besten Highschool-Spieler der USA berufen. Während es für DeRozan ein Jahr später in die NBA ging, begann Landesberg seine Profikarriere nach zwei Jahren College in Virginia 2010 auf Vermittlung seines jüdischen Vaters in Israel. Mit Maccabi Tel Aviv gewann der Flügelspieler 2014 die EuroLeague, den wichtigsten europäischen Klubbewerb.
Nach sieben Jahren in Israel spielte Landesberg auch in Spanien, der Türkei, China und Saudi-Arabien, ehe er diesen Sommer erstmals in Österreich anheuerte. In Klosterneuburg erhielt der Routinier einen Dreijahresvertrag. "Ich bin sehr glücklich, hier zu sein", betonte Landesberg. "Es ist ein wunderschönes Land." Schon als er 2018 erstmals Zeit beim Nationalteam verbracht hatte, habe er dem damaligen Teamchef Mike Coffin gesagt, irgendwann in Österreich spielen zu wollen. "Ich bin dankbar für die Gelegenheit."
Den ÖBV hatte 2017 der spätere Teamchef Raoul Korner auf Landesberg aufmerksam gemacht. Die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt der New Yorker dank seines mittlerweile verstorbenen Großvaters väterlicherseits. Dieser war Wiener, emigrierte wegen des Holocaust aber in die USA. Landesbergs Mutter stammt aus Trinidad, ihr Sohn verfügt neben dem österreichischen und dem US-amerikanischen auch über einen israelischen Pass.
Das rot-weiß-rote Nationalteam will Landesberg in die nächste Phase der WM-Qualifikation führen - und damit einen Schritt näher zur angestrebten EM 2029. Bei der 64:65-Auftaktniederlage in den Niederlanden war der 1,98-m-Mann mit einer schwachen Trefferquote nicht über 15 Punkte hinausgekommen. Dennoch hätte er das ÖBV-Team in der Schlussminute beinahe zum Sieg geworfen. "Jeder versteht, dass es immer darum geht, was es braucht, um ein Spiel zu gewinnen", meinte Landesberg. "Einmal sind es vielleicht 40 Punkte, ein anderes Mal 15 Assists oder zehn Steals. Jeder macht seinen Job und spielt seine Rolle."
Bei seinem ÖBV-Debüt 2018 gegen Großbritannien hatte Landesberg mit 47 Punkten, 40 davon in der ersten Hälfte, für einen Landesrekord gesorgt. Die seither hohen Erwartungen will er nicht überbewerten. "Wenn ich auf den Court gehe, ist alles ruhig." Das Duell mit Bulgarien wird erst sein siebentes Länderspiel, sein zweites in Österreich und sein zweites an der Seite von Pöltl. "Ich bin aufgeregt, mit ihm zu spielen", erklärte Landesberg. "Dass wir beide dabei sind, hilft dem Kern, der aufgebaut ist."
Auf Deutsch kann sich Landesberg mit seinen Kollegen noch nicht unterhalten, auch Chris O'Shea spricht Englisch mit ihm. "In erster Linie passt er charakterlich sehr gut in die Mannschaft", sagte Österreichs Chefcoach über seinen Schlüsselspieler. Nach fünf Jahren Teampause sei Landesberg im vergangenen November von Tag eins an wieder gut integriert gewesen. "Er gibt uns ein bisschen Sicherheit", meinte O'Shea. "Wenn es offensiv nicht so gut läuft oder hektisch wird, hast du einen Spieler, dem du den Ball geben kannst. Sylven ist einer, der uns in diesen Phasen viel geben kann."
Wie lange Landesberg im Nationalteam spielen wird, ist offen. Mit einer möglichen Karriere im 3x3, in das der ÖBV im Hinblick auf Olympia 2028 in Los Angeles sehr viel investiert, und in dem er mit seinen Anlagen ein Topspieler sein könnte, liebäugelt er aber nicht. Viele ältere Basketballer erleben in dem Format mit kleinerem Ball und auf einen Korb am Ende ihrer Karrieren noch einen zweiten Frühling. "Ich habe noch nie daran gedacht, aber ich respektiere die Leute, die es spielen", betonte Landesberg. "3x3 ist beinhart."
apa