22.04.2025
Viele spannende Serien
Die Playoffs der EuroLeague stehen vor der Tür und gleich vier Deutsche kämpfen mit ihren Teams ums Weiterkommen. Dabei stehen ihnen schweren Aufgaben bevor.

Der FC Bayern München hat die EuroLeague-Playoffs knapp verpasst, die Postseason findet dennoch mit deutscher Beteiligung statt. Mit Daniel Theis (Monaco), Tibor Pleiß (Panathinaikos), Maodo Lo sowie Leon Kratzer (beide Paris) kämpfen noch vier Deutsche mit um Europas Krone.
Vor dem Start der Playoffs am heutigen Dienstag beleuchten wir kurz alle vier Serien und wagen eine Prognose.

Die Neuauflage des Halbfinals aus dem Vorjahr findet diesmal bereits im Viertelfinale statt. Mit einem 1-8-Matchup hat das aber nicht viel zu tun. Zwar überzeugte Real selten, doch die Madrilenen haben zuletzt 14 von 15 Spielen gewonnen. Nur das erste Play-In-Spiel gegen Paris ging in die Binsen.
Die Qualität im Kader ist unbestritten, vor allem dank Edy Tavares stellt Real mal wieder die beste Verteidigung der Liga. Offensiv ist jedoch vieles Stückwerk, trotz hochklassiger Spieler wie Facundo Campazzo, Mario Hezonja oder Dzanan Musa. Vor allem die Dreier fielen oft nicht, im Play-In gegen Bayern gingen sie dann endlich durch die Reuse.
| Olympiakos | Stat | Real Madrid |
|---|---|---|
| 24-10 | Bilanz | 20-14 |
| 121,9 (3.) | O-Rating | 115,6 (14.) |
| 115,2 (8.) | D-Rating | 112,1 (1.) |
| +6,7 (2.) | Net-Rating | +3,5 (6.) |
| 2-0 | Vergleich | 0-2 |
Das wird Madrid gegen Piräus definitiv brauchen. Die Griechen schwächelten zum Ende der Regular Season ein wenig, allerdings gab es für sie auch nicht mehr viel zu gewinnen. Coach Georgios Bartzokas hat vor allem auf den Guard-Positionen gefühlt unendliche Auswahl, allerdings fehlte mit Thomas Walkup der beste Verteidiger mit einer Rückenverletzung. Wie fit der Ex-Ludwigsburger in den Playoffs sein kann, ist unklar.
Dafür haben die Griechen auch eine gut funktionierende Offense. MVP-Kandidat Sasha Vezenkov spielte nach seiner NBA-Rückkehr eine überragende Saison, auch Evan Fournier fand sich in Europa umgehend wieder zurecht. Dieses Duo ist in engen Spielen ein Luxus und sucht auf dem alten Kontinent seinesgleichen.
Tipp: Piräus in 4.

Geht das Märchen weiter? Mit dem zweitkleinsten Etat schaffte EuroCup-Sieger Paris die Überraschung und muss auch in diesem Matchup nicht chancenlos sein. In beiden Spielen im März führten die Franzosen zweistellig, Fenerbahce siegte jeweils in den letzten Sekunden. T.J. Shorts kann jede Defense vor Probleme stellen, die Türken werden gegen den Ex-Bonner kreative Lösungen finden müssen.
Fenerbahce wurde letztlich zwar Zweiter, überzeugte aber selten und war oft von der Brillanz von Nigel Hayes-Davis abhängig. Spielmacher Wade Baldwin konnte dagegen nicht an seine starken Maccabi-Leistungen anknüpfen, ist aber jederzeit in der Lage zu explodieren. Dafür wurde mit Oldie Errick McCollum ein wichtiger Scorer nachverpflichtet, solch ein Spieler fehlte davor im Kader.
| Fenerbahce | Stat | Paris |
|---|---|---|
| 23-11 | Bilanz | 19-15 |
| 117,4 (10.) | O-Rating | 118,0 (8.) |
| 114,7 (5.) | D-Rating | 116,9 (11.) |
| +2,7 (7.) | Net-Rating | +1,1 (10.) |
| 2-0 | Vergleich | 0-2 |
Bei Paris fehlte zuletzt Maodo Lo, bleibt dies so, wird vieles auf den Schultern von Shorts und Nadir Hifi lasten. Letzterer wurde mit dem Rising-Stars-Award ausgezeichnet und ist als Mikrowelle von der Bank stets ein X-Faktor. Die beiden werden Räume für andere reißen, Rollenspieler wie Mikael Jantunen oder Tyson Ward werden ihre Würfe bekommen.
Exzellente Shooter haben aber auch die Türken, vornehmlich Tarik Biberovic oder Marko Guduric, der zudem oft als Ballhandler eingesetzt wird. Es dürfte tatsächlich eine sehr enge Serie werden, bei der Kleinigkeiten entscheiden werden. Am Ende haben die Türken aber deutlich mehr Erfahrung auf dem Feld sowie auf der Bank, wo Paris-Coach Tiago Splitter seine erste Serie coachen wird.
Tipp: Fenerbahce in 5.

Ist der Titelverteidiger schon hier in Nöten? Pana-Coach Ergin Ataman war zuletzt mehr als unzufrieden mit der Defense seiner Mannschaft, nun geht es in Runde eins gegen das statistisch gesehen beste und auch heißeste Team der EuroLeague. Dank acht Siegen in Folge rollte Anadolu unter dem neuen Trainer Luca Banchi noch das Feld von hinten auf, letztmals verloren die Türken im Februar - bei Panathinaikos.
Anadolu hat mit Shane Larkin, Elijah Bryant und Darius Thompson viel Qualität auf den Guard-Positionen, ähnlich groß ist die Auswahl auf der Fünf. Das gilt aber auch für Panathinaikos, die in Kendrick Nunn den besten Scorer der EuroLeague in ihren Reihen haben und aufgrund von Verletzungen mit Wenyen Gabriel und Tibor Pleiß auf Center noch einmal nachrüsteten. Star-Center Mathias Lessort wird aller Voraussicht nach weiter fehlen.
| Panathinaikos | Stat | Anadolu Efes |
|---|---|---|
| 22-12 | Bilanz | 20-14 |
| 122,7 (1.) | O-Rating | 122,1 (2.) |
| 116,2 (10.) | D-Rating | 115,2 (7.) |
| +6,5 (3.) | Net-Rating | +6,9 (1.) |
| 1-1 | Vergleich | 1-1 |
Das muss kein Problem sein, da Panathinaikos auf allen Positionen exzellent besetzt ist. Juancho Hernangomez ist endlich angekommen, während Kostas Sloukas‘ Minuten während der Hauptrunde sinnvoll dosiert wurden. Der Spielmacher war es im Vorjahr, der im Final Four für die Grünen die entscheidenden Plays machte.
Anadolu muss dagegen auf einen Larkin früherer Jahre hoffen. Der Guard hat etwas abgebaut, kann aber noch immer vereinzelt seine Top-Leistungen abrufen. Mit Jerian Grant haben die Griechen allerdings auch hier eine Antwort. Auf dem Papier sollte sich Pana durchsetzen, doch nicht selten ließen es die Grünen immer mal wieder schleifen. Gegen Efes könnte das bestraft werden.
Tipp: Panathinaikos in 4.

Ähnlich wie Panathinaikos tritt auch Monaco oft sehr launisch auf. Das Guard-Trio aus Mike James, Ellie Okobo und Mathew Stratzel sucht seinesgleichen, mit Daniel Theis haben die Aufbauspieler nun stets ein Target. Und doch haben die Monegassen immer wieder Phasen, in denen nichts funktioniert, was nicht nur bei Coach Vassilis Spanoulis für Unverständnis sorgt.
Defensiv fehlt nicht selten die Konzentration, auch hier hat Monaco mit Alpha Diallo und Jaron Blossomgame exzellente Verteidiger für diverse Schemes. Nun liegt an Spanoulis, diese Teile passend zusammenzufügen. Vor allem Theis dürfte in dieser Serie eine wichtige Rolle spielen, da Barcelona auf den großen Positionen durch den Ausfall von Chimezie Metu nicht besonders tief besetzt ist.
| Monaco | Stat | Barcelona |
|---|---|---|
| 21-13 | Bilanz | 20-14 |
| 119,2 (5.) | O-Rating | 120,0 (4.) |
| 114,7 (4.) | D-Rating | 115,0 (6.) |
| +4,5 (5.) | Net-Rating | +5,0 (4.) |
| 0-2 | Vergleich | 2-0 |
Zwar kehrte Tomas Satoransky im Endspurt wieder zurück, doch Coach Joan Penarroya hat in dessen Backups Willy Hernangomez und Youssoupha Fall kaum Vertrauen. Vielmehr dürften die Katalanen ihr Heil in der Offense suchen, mit Kevin Punter und Jabari Parker hat Barcelona zwei der besten Scorer der Liga in ihren Reihen. Beide können Spiele im Alleingang entscheiden, ihre individuelle Qualität war im Schlussspurt ausschlaggebend.
Mit Nicolas Laprovittola und Juan Nunez fehlen dagegen zwei Spielmacher verletzt, sodass Tomas Satoransky und Punter in dieser Hinsicht mehr machen mussten. Ob das gegen Monaco reicht? Das ist anzuzweifeln.
Tipp: Monaco in 4.
Robert Arndt