21.01.2025
Die Nummer 1 ist ein Einhorn
Die Hälfte der Regular Season ist absolviert. Höchste Zeit also für das eine oder andere Halbzeitfazit - nachdem vergangene Woche die Enttäuschungen der Spielzeit dran waren, gehen wir heute in die andere Richtung. Die folgenden fünf Spieler haben in dieser Spielzeit den größten Sprung nach vorn gemacht.

Wir kommen nicht umhin, vor der eigentlichen Top 5 ein paar weitere Kandidaten zu nennen, die den Cut verpasst haben. Ein spezieller Sonderfall ist Franz Wagner: Ohne seine Verletzung hätte der Berliner beste Argumente sogar für den Spitzenplatz gehabt, schließlich spielte er in nahezu jeder Hinsicht das beste Jahr seiner Karriere. Er hat nun aber bereits 18 Spiele verpasst und wird somit nicht die 65 Spiele erreichen, die zur Qualifikation für diesen Award nötig gewesen wären. Erwähnen wollten wir ihn trotzdem.
Nah dran ist auch Dyson Daniels, der in Atlanta eine deutlich größere Rolle einnimmt (33,5 statt 22,3 Minuten pro Spiel) und in dieser Zeit unter Beweis stellt, was er zuvor in New Orleans schon andeutete: Er ist einer der besten Flügelverteidiger der NBA, führt die Liga noch immer bei den Steals (3,1) an. Offensiv indes ist sein Sprung nicht massiv, nur das Volumen ist höher; effizienter als bei den Pelicans ist der Australier bisher nicht unterwegs.
Die Effizienz ist bei Payton Pritchard wiederum kein Problem. Der Celtics-Guard ist nicht nur einer der besten, sondern auch einer der willigsten Shooter der Liga (41,6% Dreierquote) - seine 14,3 Dreier pro 100 Ballbesitzen werden nur von fünf Spielern übertroffen, das gesteigerte Selbstvertrauen ist der wohl größte Unterschied im Vergleich zum Vorjahr.
Austin Reaves ist seit seiner Rückkehr Mitte Dezember ein anderer Spieler (20,4 Punkte, 7,4 Assists, 60,1% True Shooting) - behält er die Leistungen für den Rest der Saison bei, könnte er beim nächsten Check-In durchaus auf dem Treppchen stehen.
Victor Wembanyama macht Woche für Woche die größten Sprünge von allen - wir fokussieren uns hier jedoch auf Spieler, die nicht erst in ihrem zweiten Jahr sind und, nun, auf der Erde zuhause sind. Wemby wird es an anderen, wichtigeren Awards nicht fehlen.
Nun aber los.
Stats 23/24: 22,7 Punkte, 44,9% FG, 35,5% 3FG, 4,3 Rebounds, 7,5 Assists
Stats 24/25: 24,5 Punkte, 45,3% FG, 37,3% 3FG, 6,5 Rebounds, 9,3 Assists
Bei vielen Buchmachern ist Cade aktuell der Favorit auf den MIP-Award. Das ist einerseits verständlich - Cunningham legt in nahezu allen statistischen Kategorien Career-Highs auf und ist der Anführer eines Teams, das nach Jahren der grausigsten Grütze endlich wieder moderat erfolgreichen Basketball spielt (22-21; Platz 9 im Osten).
Auf der anderen Seite hat die größte tatsächliche Verbesserung allerdings nicht bei Cade stattgefunden, sondern eher beim ihm umgebenden Team. Es gibt endlich Schützen, ein paar fähige Veteranen im Team. Einen Coach in J.B. Bickerstaff, der seinen Job ernster nimmt als sein Vorgänger Monty Williams. Den Ansatz einer defensiven Identität.
Cunningham macht in diesem verbesserten Ökosystem sein Ding und wird die Pistons als All-Star repräsentieren. Statistisch allerdings ist der Unterschied gar nicht so massiv. 1,8 Punkte mehr als im Vorjahr erzielt Cade, das True Shooting (54,9% statt 54,6%) ist fast identisch (und immer noch unter Liga-Durchschnitt). Der Nr.1-Pick von 2021 verteilt 1,8 Assists mehr, leistet sich aber auch einen Extra-Ballverlust pro Spiel, die zweitmeisten in der NBA insgesamt (4,5).
Verbessert hat sich Cunningham fraglos trotzdem - seine Spielkontrolle wirkt stärker, zudem ist er ein viel besserer Pullup-Shooter als in seiner bisherigen Karriere. Auch bei allen Advanced Stats zeigt der Pfeil in die richtige Richtung. Bei einigen anderen aber noch etwas mehr.
Stats 23/24: 15,7 Punkte, 58% FG, 37,3% 3FG, 9,4 Rebounds, 3,2 Assists, 2,3 Stocks
Stats 24/25: 18,6 Punkte, 57,3% FG, 42,1% 3FG, 8,8 Rebounds, 2,9 Assists, 2,3 Stocks
Einer der fünf besten Verteidiger der Liga war Mobley auch schon in den vergangenen Jahren (als Sophomore wurde er Dritter bei der DPOY-Wahl). In der laufenden Saison ist er endgültig auch offensiv zu einem richtig guten Spieler geworden, der sein Spiel erweitert und gleichzeitig vereinfacht hat.
Mobley nimmt mehr als doppelt so viele Dreier wie im Vorjahr (2,8 statt 1,2) und trifft sie exzellent (42,1%), noch wichtiger ist aber sein druckvolles Auftreten in Korbnähe. Auch aus dem Zweierbereich trifft er besser als je zuvor (61,7%), am Ring sogar 74% - Mobley ist kräftiger geworden und besser darin, seine körperlichen Vorteile, ob Kraft oder Schnelligkeit, gewinnbringend einzusetzen.
Er spielt geringfügig weniger Assists als im Vorjahr, dennoch ist er auch als Playmaker weiterhin wertvoll für die historische Offense der Cavs. Kurzum spielt er bei deutlich höherer Usage den effizientesten Offensiv-Basketball seiner Karriere, und in seinen Minuten sind die Cavs ein offensiv (Rating: 125) wie defensiv (108) absolut dominantes Team.

Stats 23/24: 16 Punkte, 51,1% FG, 35,5% 3FG, 8,7 Rebounds, 3,6 Assists, 2 Stocks
Stats 24/25: 19,4 Punkte, 50,5% FG, 32,6% 3FG, 10,3 Rebounds, 5,2 Assists, 2,5 Stocks
Im Prinzip startete der Nr.20-Pick von 2021 (wie tief ist dieser Jahrgang eigentlich?) seinen Aufstieg bereits in der Vorsaison, die verletzungsbedingt nach 56 Spielen endete. In der neuen Saison ist jedoch der nächste Schritt erfolgt und Johnson ist einer der Hauptgründe dafür, dass Atlanta zu den positiveren Überraschungen der Saison zählt und aktuell Platz 6 im Osten belegt.
Johnson ist ein absoluter Do-it-All-Forward - der zweitwichtigste Scorer, Ballhandler und Creator im Team, der beste Rebounder und einer der wichtigsten Verteidiger (mit 1,1 Blocks führt er die Hawks auch in dieser Kategorie an, seine 1,5 Steals reichen für Platz 2 hinter Daniels). Er ist ein starker Athlet und ein besserer Shooter als angekündigt, auch wenn dieser Aspekt seines Spiels noch die meiste Arbeit benötigt.
Er ist mittlerweile überdies zu einer Art Co-Star für Trae Young geworden, der von Quin Snyder die Verantwortung erhält, viele Entscheidungen am Ball zu übernehmen, und immer besser in dieser Point-Forward-Rolle wird.
Den Advanced Stats zufolge ist er sogar der größte Unterschiedsspieler der Hawks - sein On/Off-Differential liegt bei +13,7. Unter Spielern mit mindestens 1.000 gespielten Minuten belegt er damit Rang fünf, hinter Nikola Jokic, Chris Paul (!), Wembanyama und Shai Gilgeous-Alexander.
Stats 23/24: 20,8 Punkte, 44,1% FG, 39,6% 3FG, 5,3 Rebounds, 4,5 Assists
Stats 24/25: 24,2 Punkte, 47,7% FG, 40,6% 3FG, 5,7 Rebounds, 5 Assists
Inmitten des Chaos um Jimmy Butler und der dramatisch schwankenden (Offensiv-)Leistungen von Bam Adebayo hätte die Heat-Saison in einem Desaster enden können. Theoretisch ist das natürlich immer noch möglich, bisher hält Miami jedoch mehr oder weniger denselben Kurs wie in den vergangenen Jahren, als solides Team knapp über .500-Bilanz in der Play-In-Range.
Offensiv allerdings geht bei den Heat sogar mehr, was vor allem an Herro liegt. In seiner sechsten Saison scheint endlich vollends das Licht angegangen zu sein; Herro hat einen Großteil seiner schwierigen langen Zweier eingetauscht gegen bessere, einfachere Abschlüsse.
Seine Dreierrate ist von 45,3% auf 55,3% gestiegen - eigentlich längst überfällig bei einem so guten Shooter. Er zieht gleichzeitig deutlich mehr Freiwürfe und ist auch aus dem Zweierbereich effizienter als je zuvor. Die logische Folge: Sein True-Shooting-Wert (62,5%) liegt 6 volle Prozentpunkte über seinem bisherigen Career-High!
Defensiv wird Herro aufgrund seiner Statur immer anfällig bleiben. Offensiv allerdings sind die Heat in dieser Spielzeit um 9,9 Punkte besser, wenn er spielt - vergangene Saison war dieser Wert noch neutral.

Stats 23/24: 13,9 Punkte, 48,6% FG, 43,5% 3FG, 2,6 Rebounds, 1,1 Assists
Stats 24/25: 23,7 Punkte, 49% FG, 44,1% 3FG, 3,4 Rebounds, 2,2 Assists
Ein Faktor hebt Powell von all seinen Konkurrenten in diesem Jahr ab: Sein Alter. Von allen bisher genannten Spielern wird in gewisser Weise noch in jedem Jahr ein Sprung erwartet, Herro ist mit seinen 25 Jahren schon der älteste von ihnen. Powell legt mit 31 das mit einigem Abstand beste Jahr seiner Karriere hin. So etwas passiert eigentlich nie.
Seit Jahren ist Powell als guter, wenngleich manchmal streaky Shooter bekannt - in diesem Jahr nimmt er die meisten Dreier seiner Karriere (8,0) und trifft sie besser denn je. Er macht fast exakt 10 Punkte mehr pro Spiel als im Vorjahr, als er Vierter bei der Sixth-Man-Wahl wurde. Er legt nebenher auch die meisten Assists seiner Laufbahn auf, wenngleich 2,2 noch immer nicht übermäßig viele sind.
Sei’s drum: Die Clippers haben ihn, damit er scort. Das tut er - nicht als zentraler Entscheider des Teams (das ist James Harden), aber als wichtigster Vollstrecker. Usage-Rate (27%) und True Shooting (63,3%) befinden sich jeweils auf Career-High-Niveau. Die Offense ist um 10,8 Punkte besser, wenn er auf dem Court steht, bisher lag dieser Wert nie über +3,4.
Ein produktiver Offensivspieler war Powell schon immer, eine Mikrowelle und als solche ein wandelnder Sixth-Man-Kandidat ist er seit Jahren. In dieser Spielzeit flirtet er auf einmal mit einer Nominierung für das All-Star-Game und gehört zu den 20 besten Scorern der NBA. Wie gesagt: So etwas zu diesem Zeitpunkt - in der zehnten Saison seiner Karriere! - passiert eigentlich nie.
Ole Frerks